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The Best Offer - Das höchste Gebot

(Italien 2013; Regie: Giuseppe Tornatore)

Vexierspiel

foto: © warner bros.
"Nothing is what it seems" - das musste schon der von Donald Sutherland gespielte Kirchenrestaurator in Nicolas Roegs Venedig-Horrormärchen "Don't Look Now" ("Wenn die Gondeln Trauer tragen"; 1974) auf ziemlich grausame Weise erfahren. Ganz in dieser Tradition steht auch der von Geoffrey Rush gespielte Virgil Oldman in "The Best Offer - Das höchste Gebot" ("La migliore offerta"). Der 63-jährige Auktionator mit dem "sprechenden" Namen diniert in den feinsten Restaurants, feiert berufliche Erfolge und erweitert mit Hilfe seines Komplizen Billy - gespielt von einem verschmitzten, greisen Donald Sutherland - Stück für Stück seine eindrucksvolle Kunstsammlung. Doch Oldman, der alles besitzt und doch nichts hat, ist ein einsamer Sonderling, der sich von seiner Umwelt abkapselt, nie in seinem Leben mit einer Frau geschlafen hat und seine halblegal erworbenen Kunstschätze nur im Geheimen genießen kann. Erst als die mysteriöse Claire (Sylvia Hoeks) ihn bittet, ihren Familienbesitz zu schätzen und zur Versteigerung zu bringen, beginnt Oldman, sich dem Leben zu öffnen. Er meint, in der jungen Frau eine Seelenverwandte gefunden zu haben - und verstrickt sich in eine Affäre, bei der unter anderem ein besonders schwerer Fall von Agoraphobie und ein antiker Automaton, eine Art primitiver Roboter, eine Rolle spielen - und in deren Verlauf Oldman nicht nur erfährt, was die Liebe ist, sondern das Herz gebrochen wird.

Mit "The Best Offer" hat der italienische Regisseur Giuseppe Tornatore - hierzulande vor allem bekannt für seine etwas sentimentale Ode an das Kino "Nuovo Cinema Paradiso" ("Cinema Paradiso"; 1988) - einen im besten Sinn altmodischen Mystery-Thriller inszeniert: einen Film, der seine andeutungsvolle Geschichte mit einer Vielzahl falscher Fährten und kleiner Abschweifungen garniert und im Zweifelsfall stets der überraschenden Wendung und der surrealen Volte den Vorzug über bürokratisches Wahrscheinlichkeitsdenken gibt. Zwar verweigert Tornatore sich dem Blutzoll des italienischen Exploitation- und Formelkinos, doch zählen auch hier ganz wie in den gialli der 1970er Jahre vor allem Atmosphäre und Oberflächenreiz. So gleitet Fabio Zamarions Kamera zu Ennio Morricones gewohnt souveräner Filmmusik beinahe schwerelos durch exquisit ausgestattete Räume; die gedämpften Farben von Silber, Marmor und Tropenholz bestimmen die luxuriösen Breitwandbilder; in der Privat-Pinakothek des Protagonisten hängen dicht an dicht unzählige Frauenporträts von Raffael und Tizian, Renoir und Rubens, Goya und Degas.

Passend für einen Film über einen misanthropischen Kunstsammler - einen Mann, dem die Dinge schon grundsätzlich mehr zählen als die Menschen, die sie erschaffen haben - verliert sich der von seinen Obsessionen getriebene Antiheld zunehmend in den mit unzähligen kunsthistorischen Zeichen aufgeladenen (mitunter auch überladenen) Räumen, verwechselt Signifikant und Signifikat und wird schließlich zum Opfer einer raffinierten Fälschung. Der Australier Geoffrey Rush spielt den bald als törichten Alten erscheinenden Kunstfachmann: mal distinguiert-distanziert, dann wieder exaltiert-manieristisch, immer aber lustvoll überzeichnet und mit sichtlichem Spaß bei der Sache. Unterstützt wird er dabei effektiv von Jim Sturgess, Donald Sutherland und Sylvia Hoeks, letztere als obskures Objekt der Begierde des selbst höchst obskuren Protagonisten.

"The Best Offer" entwickelt sich schleichend von der Farce zum Alptraum mit surrealen Zügen, schlägt auf dem Weg dahin ein paar Haken und federt die Abgründe der Geschichte stets ab durch eine recht ironische Grundhaltung gegenüber den Figuren und den Regeln des Genres. Ohne allzu viel über die Handlung zu verraten, sei an dieser Stelle nur gesagt, dass Tornatores Film an David Finchers "The Game" (1997) wie Roman Polanskis "The Ninth Gate" ("Die neun Pforten"; 1999) und "The Ghost Writer" ("Der Ghostwriter"; 2010) erinnert - was Plot, Stilwillen und die latent sadistische Haltung gegenüber der etwas bornierten Hauptfigur betrifft. Zugleich steht der Film deutlich in der Tradition von Tornatores frühen Kriminalfilmen "Una pura formalità" ("Eine reine Formalität"; 1994) - in dem Polanski übrigens eine der beiden Hauptrollen spielte - und "La sconosciuta" ("Die Unbekannte"; 2006), fällt aber gegenüber diesen Vorläufern etwas ab. Zu vorhersehbar bleibt ein bedeutender Plot-twist, die Bilder wirken letztlich doch ein wenig zu geschmäcklerisch. Aber selbst wenn dies kein ganz großer Wurf sein mag, ist "The Best Offer" doch fraglos unterhaltsames, gut inszeniertes Krimikino, das man bedenkenlos für einen nostalgisch eingefärbten Kinobesuch empfehlen kann.

Harald Steinwender

Benotung des Films: (7/10)


The Best Offer - Das höchste Gebot
OT: La migliore offerta
Italien 2013 - 123 min.
Regie: Giuseppe Tornatore - Drehbuch: Giuseppe Tornatore - Produktion: Isabella Cocuzza, Arturo Paglia - Kamera: Fabio Zamarion - Schnitt: Massimo Quaglia - Musik: Ennio Morricone - Verleih: Warner Bros. - FSK: ab 6 Jahre - Besetzung: Geoffrey Rush, Jim Sturgess, Sylvia Hoeks, Donald Sutherland, Philip Jackson, Dermot Crowley, Liya Kebede, Anton Alexander, Rajeev Badhan, Laurence Belgrave, Sean Buchanan, Brigitte Christensen, Sylvia De Fanti, Maximilian Dirr, Katie McGovern
Kinostart (D): 21.03.2013

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt1924396/

Trailer:


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Ricardo Brunn schrieb am 28.2.2017 zu La La Land

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