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Lost River

(USA 2014; Regie: Ryan Gosling)

Grand Guignol meets Wonderland

foto: © tiberius film
Zahlreiche Independentfilmer haben sich in den vergangenen Jahren an den klaffenden Diskrepanzen der US-Gesellschaft mit neorealistischer Nüchternheit abgearbeitet: Spielfilme wie "Winter′s Bone" und "Frozen River" erkunden mit quasidokumentarischem Blick verheerte Landstriche, gezeichnet von Armut, Verwahrlosung und Gewalt. "Lost River", das Regiedebüt des Schauspielers Ryan Gosling, konstruiert ein ähnliches Setting, nutzt aber andere Mittel. Sein Film verschreibt sich dem magischen Realismus und fusioniert erstaunlich leichtfüßig die Ästhetik des psychedelischen Kinos der Siebziger mit einem aufrichtigen Interesse an den Außenseitern des amerikanischen Hinterlands.

Dabei stehen sich Kitsch und Kritik gefährlich nah; der Regisseur und Autor Gosling weiß aber zu verhindern, dass diese beiden Pole einander neutralisieren. So beginnt der Film mit stimmungsvollen Bildern einer verlassenen, zerbröckelnden Kleinstadt, deren verbleibende Einwohner zu Recht wie Überlebende einer humanitären Katastrophe wirken: Die Verarmung von Amerikas ländlichen Communitys treibt schauerliche Blüten. Doch - und diesen Schritt muss man bereit sein, mit Gosling zu gehen - das Städtchen Lost River ist eben auch ein verwunschenes Wunderland in der Tradition von David Lynchs "Twin Peaks": Ein märchenhafter Ort, jedoch nicht im Sinne eines weichgespülten Märchenverständnisses, das sich hinter dem Begriff oft verbirgt. Hier warten versunkene Städte und labyrinthische Bauten, aber eben auch viele brutale Gestalten.

Diese besetzt Gosling wie seine Helden mit phantastischen Schauspielern. Christina Hendricks, Ben Mendelsohn, Saoirse Ronan und andere tragen mit ihrem Offbeat- Charme zum verschrobenen Stil von "Lost River" bei. Sein größter Streich aber ist die Verpflichtung von Gaspar Noés Stammkameramann Benoît Debie. Durch dessen dunkelbunte Bilder überzeugt der Film, was für das Drehbuch nicht immer gilt. Die visuellen Märchenelemente verbrämen die rurale Ausweglosigkeit nicht, sondern überhöhen sie pointiert. "Lost River" ist ein amerikanischer Alptraum, ein böser Nachkomme des "Wizard of Oz" mit Grand-Guignol-Kunstblut und der Farbpalette von Dario Argento.

Dieser Text ist zuerst erschienen in: Konkret 06/2015

Tim Lindemann



Lost River
USA 2014 - 95 min.
Regie: Ryan Gosling - Drehbuch: Ryan Gosling - Produktion: Noaz Deshe, Ryan Gosling, David Lancaster, Michel Litvak, Marc Platt, Adam Siegel, Jeffrey Stott, Gary Michael Walters - Kamera: Benoit Debie - Schnitt: Valdís Óskarsdóttir - Musik: Johnny Jewel - Verleih: Tiberius Film - FSK: ab 16 Jahren - Besetzung: Christina Hendricks, Saoirse Ronan, Eva Mendes, Matt Smith, Iain De Caestecker, Ben Mendelsohn, Barbara Steele, Reda Kateb, Landyn Stewart, Rob Zabrecky, Cody Stauber, Torrey Wigfield, Wayne Brinston, Ron Causey, Demi Kazanis
Kinostart (D): 28.05.2015
DVD-Start (D): 01.10.2015
Blu-ray-Start (D): 01.10.2015

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt2366608/

Details zur DVD / Blu-ray:
Bild: 2.35:1 - Sprache: Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1, DD 2.0 Stereo), Englisch (DD 5.1) - Untertitel: Deutsch - Extras: Trailer - FSK: ab 16 Jahren - Verleih: Sunfilm

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Ricardo Brunn schrieb am 28.2.2017 zu La La Land

Ja, das mit den Sternen ist immer so eine Sache. Ich versuche im Text häufig nur einzelne Aspekte aufzugreifen, die die Sterneanzahl darunter dann nicht zwingend reflektiert. Manchmal ist der Film insgesamt nicht ge...