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Howl - Das Geheul

(USA 2010; Regie: Robert Epstein, Jeffrey Friedman)

"Im tierischen Sumpf der Zeit"

foto: © pandora
"Ich sah die besten Köpfe meiner Generation zerstört vom Wahnsinn, ausgemergelt hysterisch nackt, wie sie sich im Morgengrauen durch die Negerviertel schleppten auf der Suche nach einer wütenden Spritze…"

Mit diesen Anfangszeilen aus Allen Ginsbergs berühmtem Langgedicht "Howl" (Das Geheul) beginnen die beiden Filmemacher Rob Epstein und Jeffrey Friedman ihren gleichnamigen dokumentarischen Spielfilm über den hymnischen Schlüsseltext der Beat Generation und über den Prozess, der auf seine Veröffentlichung folgte. Ginsbergs Lesung in der Six Gallery in San Francisco vom 7. Oktober 1955, in Schwarzweiß nachgestellt mit dem Schauspieler James Franco, bildet dabei den roten Faden in dem mehrgliedrigen Film und zugleich die Grundlage für eine überwiegend illustrierende Animation des Gedichts. In grellen Farben, phantasievoll und verspielt, taucht diese ein in den "tierischen Sumpf der Zeit" und den Wahnsinn der amerikanischen Gesellschaft, flankiert von Jazz und Drogen, Rausch und Ekstase.

Als der Verleger Lawrence Ferlinghetti zwei Jahre später Ginsbergs Werk in seinem Verlag City Lights Books veröffentlicht, kommt es zum Prozess. Die teils drastische Sprache empfinden die Ankläger als obszön, die beziehungsreichen Anspielungen sind ihnen unverständlich und die wüsten Szenen aus den Randbezirken der Gesellschaft kollidieren mit ihrem strengen Moral- und Sittenkodex. So gerät die Literatur in ein Kreuzverhör, das die beiden Filmemacher aus den Gerichtsprotokollen rekonstruiert haben und geschickt mit der Lesung verschränken. Das mitunter paradoxe und haarspalterische Ringen um einzelne Worte und Formulierungen und damit um den literarischen Wert des Textes oder auch um den Wert der Literatur gerät dabei besonders eindrücklich. Das damals überraschende, von der Zeit längst bestätigte Urteil des Richters wiederum stellt schließlich die Subjektivität des Künstlers und die Freiheit der Rede über die Zensur.

Ginsbergs künstlerische Biographie, die eng verknüpft ist mit der Erfahrung des Andersseins als Homosexueller, thematisieren Epstein und Friedman schließlich in einem vierten Handlungsstrang, einer ausführlichen Selbstauskunft des Dichters, die aus verschiedenen Interviews kompiliert ist. Darin berichtet Ginsberg zum einen von seiner schwierigen Loslösung vom bürgerlichen Leben, an der seine Freunde Jack Kerouac, Neal Cassady und Peter Orlovsky, aber auch eine Psychotherapie maßgeblichen Anteil hatten; zum anderen von seiner Homosexualität und einem mehrmonatigen Aufenthalt in der Psychiatrie, wo er jenen Carl Salomon kennen lernt, dem "Howl" gewidmet ist. So reflektiert der Film durch die Perspektive von Ginsbergs Erinnerungen immer wieder die persönlichen, teils unbewussten Anlässe des Gedichts sowie die wesentlichen Überzeugungen eines Schreibens, das Ginsberg im Idealfall als "meditative Übung" versteht und das radikal dem eigenen Lebensstoff verpflichtet ist.

Eine weitere Kritik finden Sie unter diesem Link.

Wolfgang Nierlin

Benotung des Films: (7/10)


Howl - Das Geheul
OT: Howl
USA 2010 - 90 min.
Regie: Robert Epstein, Jeffrey Friedman - Drehbuch: Robert Epstein, Jeffrey Friedman - Produktion: Robert Epstein, Jeffrey Friedman - Kamera: Edward Lachmann - Schnitt: Jake Pushinsky - Verleih: Pandora - FSK: ab 12 Jahren - Besetzung: James Franco, David Strathairn, Jon Hamm, Bob Balaban, Todd Rotondi, Aaron Tveit, Jon Prescott, Mary-Louise Parker, Jeff Daniels, Alessandro Nivola, Treat Williams
Kinostart (D): 06.01.2011

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt1049402/
Pressespiegel auf filmz.de: http://www.filmz.de/film_2011/howl_das_geheul/links.htm
Pressespiegel auf film-zeit.de: http://www.film-zeit.de/Film/21250/HOWL/Kritik/

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