Menschenrechte im Fokus

von Jürgen Kiontke


Ihr erster Song machte sie berühmt, mit ihrem jüngsten wurde sie zur politischen Aktivistin: Mai Khoi ist in Vietnam ein Popstar, aber sie will mehr erreichen. Auf ihrem Album „Dissent“ fordert sie Meinungsfreiheit und Demokratie ein – und musste noch am Tag der Veröffentlichung aus dem Land fliehen. Regisseur Joe Piscatella hat darüber seinen Film „Mai Khoi & The Dissidents“ gedreht.

Die Bäuerin Máxima Acuña lebt mit ihrer Familie auf einem kleinen Grundstück im peruanischen Hochland. Ausgerechnet dort, wo ein milliardenschweres Bergbauprojekt geplant ist. Die Familie soll verschwinden, Staat und Unternehmen machen Druck – bis hin zu gewaltsamen Übergriffen. Máxima Acuña lässt sich jedoch nicht einschüchtern und geht in ihrem Kampf für Gerechtigkeit bis zum Obersten Gerichtshof. Sie ist die titelgebende Heldin des Films von Claudia Sparrow.

Dies sind nur zwei Beispiele der 40 Filme aus 42 Ländern, die beim diesjährigen „Human Rights Film Festival Berlin“ zu sehen sein werden. Das Festival, das von Amnesty International unterstützt wird, findet bereits zum dritten Mal statt. Unter dem Motto „The Future is Now“ hat das Team um Festivalleiterin Anna Ramskogler-Witt von der NGO „Aktion gegen den Hunger“ ein beeindruckendes Programm auf die Beine gestellt: Im Fokus steht nicht weniger als das gesamte Spektrum der aktuellen Krisen auf dem Erdball.

Wie sich Menschen mit kriegerischen Konflikten, Diktaturen, Hunger und Migration auseinandersetzen, ist in vielen Beiträgen der rote Faden. Durch die Diskussionen mit Filmemacherinnen und Experten im Anschluss an die Vorführungen soll das Festival auch eine Aktionsplattform schaffen, „um neue Perspektiven auf unsere Welt zu gewinnen“, wie Ramskogler-Witt sagt.

Wissenstransfer und Ideenentwicklung sollen dabei im Mittelpunkt stehen. Dafür steht auch die Einteilung des Programms in cineastische Sonderreihen, die in Kooperation mit verschiedenen NGOs zu sehen sein werden. Sie heißen „Changing Perspectives“, „Dispaces Lenses“ und „Beyond Black and White“. „Wir wollen gedankliche Fenster für die Wahrnehmung öffnen“, sagt Ramskogler-Witt. Filme und Kunst hätten die Macht, „zu inspirieren, Mut zu machen, aufzurütteln, Missstände aufzuzeigen und Unrecht anzuprangern“.

Fokus auf Nachhaltigkeit

Besondere Aufmerksamkeit gilt auch dem Thema Nachhaltigkeit. Hunger, Mangel an Nahrungsmitteln, an sauberem Wasser und sanitärer Infrastruktur – hier kommt der Klimaschutz ins Spiel. Im Rahmen des Festivals wird daher auch darüber diskutiert, wie auf cineastischem Gebiet innovativ über Krisenthemen unserer Zeit berichtet werden kann. Insbesondere im „Climate Story Lab“ vom 6. bis 8. Oktober soll darüber interdisziplinär geredet werden. Darüber hinaus gibt es bereits am 5. Oktober eine Fachkonferenz zu den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen. Ramskogler-Witt: „Die Themensetzung soll uns daran erinnern, dass wir uns jetzt für eine Welt einsetzen müssen, in der Menschenrechte universell gelten und in der wir der Klimakatastrophe Einhalt gebieten.“

Im Kino und als Stream

Nicht zuletzt wartet das Filmfestival mit hochinteressanten Gästen auf. Neben Regisseuren und Darstellerinnen wird Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad da sein, die sich für die Minderheit der Jesiden einsetzt, die im Irak von der Terrormiliz IS verfolgt wurden. Sie wird das Festival als Schirmherrin gemeinsam mit dem ehemaligen UN-Generalsekretär Ban Ki-moon eröffnen. Vorträge halten unter anderem der Schriftsteller Ilija Trojanow und das Kunstaktivisten-Duo „The Yes Men“.

Erstmals sind alle Festival-Beiträge sowohl in Berliner Kinos als auch im Stream zu sehen – Corona macht’s nötig: Sollte es in der Zwischenzeit strengere Gesundheitsauflagen geben, kann das gesamte Programm innerhalb kürzester Zeit komplett ins Internet verlegt werden.

Dieser Text erschien zuerst in: Amnesty Journal

Human Rights Film Festival Berlin: 30. September bis 10. Oktober 2020.
Informationen und Karten: www.humanrightsfilmfestivalberlin.de

Foto: © Human Rights Film Festival Berlin