Space Dogs

(AUS/DE 2019; Regie: Elsa Kremsers, Levin Peter)

Freiheit im Verborgenen

Der Geist eines verstorbenen Hundes streift durch die Moskauer Straßen. Nachts lagert er im Schatten des Mondes und beobachtet das menschliche Treiben unter den Lichtern der Zivilisation. Zwischen Autoverkehr und verlassenen Parkplätzen, Rummel und Nachtclub-Betrieb folgt er unsichtbaren Spuren, deren Ziele nur er kennt. Zusammen mit einem Rudel streunender Artgenossen sucht er in den Resten und Hinterlassenschaften der Menschen nach Nahrung und Unterschlupf. Er trinkt aus Regenpfützen, geht wie ein Raubtier auf die Jagd oder schnüffelt so lange an einem Auto, bis dessen Alarmanlage ausgelöst wird. Perfekt angepasst an ihre Umgebung, leben diese herrenlos Tiere in einer Parallelwelt. Unterwegs auf geheimnisvollen Wegen teilen sie ein Wissen, das wir nicht kennen. In Elsa Kremsers und Levin Peters beeindruckendem Film „Space Dogs“ ist für einmal die Perspektive umgekehrt und wir blicken zusammen mit den Tieren auf uns Menschen.

Aus diesem ungewöhnlichen dokumentarischen Material entwickeln die beiden Filmemacher den Mythos der Hündin Laika, die 1957 als erstes irdisches Lebewesen ins All geschossen wurde und als „kosmisches Treibgut“ aus ihrer Kapsel auf die Erde blickte. Was sah das Tier damals und was sieht es heute? Einst beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht, spinnen Kremser und Peter Laikas Geschichte in traumverlorenen Bildern fort und vermischen dabei historische Tatsachen und fiktive Elemente, um eine uns unbekannte Welt zu zeigen. Dafür haben sie eine poetische Erzählung aus wissenschaftlichen Tatsachen und kosmischen Phantasien geschrieben, die in Abschnitten von dem bekannten russischen Schauspieler Alexey Serebryakov aus dem Off vorgetragen wird. In der Distanz zum Menschen leben die streunenden Tiere eine Freiheit im Verborgenen.

Neben diesem überraschenden, virtuos realisierten Perspektivwechsel thematisieren die beiden Filmemacher den sogenannten „Space Race“, den Wettlauf ins All, der 1950er und 60er Jahre, als die Großmächte um die Vorherrschaft im Weltraum stritten und für ihre Versuche mit verschiedenen Tieren experimentierten. Etwa mit dem zunächst nur „Nr. 65“, später „Ham“ genannten Schimpansen, den die Amerikaner mit einer Rakete in die unendlichen Weiten schickten. Dieser kam zwar lebendig zurück, verhielt sich aber verändert und seiner Spezies entfremdet. Bislang unveröffentlichte Filme aus russischen Archiven zeigen, wie Straßenhunde für ihre Weltraummission präpariert, malträtiert und instrumentalisiert wurden. Was sie im Namen des wissenschaftlichen Fortschritts schmerzlich erduldeten, lässt sich beim Blick in ihre Augen nur erahnen. Doch spiegeln die Hunde zugleich jene Projektionen zurück, mit denen die Menschen in ihren tierischen Stellvertretern den „Zauber heldenhafter Entdecker“ imaginieren beziehungsweise sehen wollen.

Space Dogs
Österreich, Deutschland 2019 - 91 min.
Regie: Elsa Kremsers, Levin Peter - Drehbuch: Elsa Kremsers, Levin Peter - Produktion: Elsa Kremsers, Levin Peter - Kamera: Yunus Roy Imer - Schnitt: Jan Soldat, Stephan Bechinger, Annekatrin Hendel - Musik: John Gürtler - Verleih: Real Fiction Filmverleih - FSK: ohne Altersbeschränkung - Besetzung:
Kinostart (D): 24.09.2020

IMDB-Link: www.imdb.com/title/tt10655714/
Link zum Verleih: www.realfictionfilme.de/filme/space-dogs/index.php?id=156
Foto: © Real Fiction Filmverleih