Killer Elite

(USA / AUS 2011; Regie: Gary McKendry)

Ohne Schweiß kein Preis

Kein Actionfilm von der Stange, aber auch – was die zufällige Namensgleichheit suggerieren könnte – kein Versuch Sam Peckinpahs gleichnamigen Agententhriller aus dem Jahre 1975 in die Gegenwart zu übertragen. Gary McKendrys Debütfilm arbeitet sich an einer anderen Vorlage ab, nämlich am vermeintlich biografischen Roman „The Feather Man“ von Ranulph Fiennes, in dem auf recht unrühmliche, wenn auch kaum glaubwürdige Weise die Teilnahme der britischen SAS (Special Air Service) im Bürgerkrieg des Sultanats Oman in den 60er und 70er Jahren aufgedeckt wird.

Diesen Link zum Buch setzt der Film denn auch ganz explizit: die schwerwiegenden Enthüllungen bei dessen Veröffentlichung (im Film mit dem Titel „Soldiers and Tribesmen“) sind nämlich dafür verantwortlich, dass der Elite-Söldner wider Willen Danny (Jason Statham) seinen letzten Auftrag notgedrungen fortsetzen muss, weil einer der drei Agenten, auf die er angesetzt wurde, der falsche Mann gewesen war. Eine Aufgabe, der er von Anfang an keineswegs freiwillig folgt: Um sich eines reibungslosen Ablaufs sicher zu sein, hält ein verbannter omanischer Scheich Dannys früheres Teammitglied und einstigen Ausbilder Hunter (Robert de Niro) gefangen und fordert die Liquidation besagter dreier SAS-Agenten, die während des Dhofar-Aufstands wiederum drei Söhne des Scheichs töteten.

Danny fungiert also als Racheengel mit loyalem Herzen, und damit weder politische Intrigen noch konspirative Kleinkriege die Folge sind, müssen die Morde zudem wie Unfälle aussehen. Unter Profis funktioniert so etwas selbstverständlich nicht. Die Geheimorganisation Feather Man soll dafür Sorge tragen, dass die Verstrickungen Britanniens und der SAS im arabischen Raum auch weiterhin im Dunkeln bleiben und schon bald trifft Danny mit Spike (Clive Owen) auf deren nicht minder professionellen Bluthund.

So prügelt und schießt man sich durch einen Polit-Paranoia-Action-Auftragskiller-Thriller, der sich eher umständlich in der politischen Rahmenhandlung verzettelt, umso umstandsloser hingegen bei seinen rauen Actionsequenzen glänzt. Dann gibt es nur wenige Sounds und erst recht keine Musik; die Kamera taumelt sehr vital den Bewegungen hinterher, als könne sie selbst am wenigsten vorhersehen, wo der nächste Treffer landen wird. In solchen Momenten dringt ruppiger B-Charme durch: kein Anschluss, keine Übersicht und keine aseptische Gewalt im donnernden Videospielmodus, sondern pragmatische Choreographien und Schusswechsel, die der Brutalität ein Stück weit realen und unkontrollierbaren Schrecken zurück verleihen.

Auf seine Gewalt blickt „Die Killer Elite“ ohne Zweifel mit heiligem Ernst, leider aber ebenso auch auf das längst genregehorsame Päckchen aus Männerbund, Moralkrise, Frauenschutz und Loyalitätszwang, das für das letztlich zweitrangige Polit-Paranoia-Element immergleich geschnürt wird: Niemand weiß eigentlich so recht, wie tief man ihn in die Karten blicken lässt und dann geraten die Kerle eben nicht nur auf dem urbanen Schlachtfeld, sondern zwischenzeitlich auch schon mal auf der politischen Hinterbühne ins Schwitzen.

Benotung des Films :

Sven Jachmann
Killer Elite
(Killer Elite)
USA / Australien 2011 - 110 min.
Regie: Gary McKendry - Drehbuch: Matt Sherring - Produktion: Michael Boughen, Steve Chasman, Sigurjon Sighvatsson, Tony Winley - Kamera: Simon Duggan - Schnitt: John Gilbert - Musik: Reinhold Heil, Johnny Klimek - Verleih: Concorde - FSK: ab 16 Jahre - Besetzung: Jason Statham, Clive Owen, Robert De Niro, Dominic Purcell, Aden Young, Yvonne Strahovski, Ben Mendelsohn, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Firass Dirani
Kinostart (D): 27.10.2011

DVD-Starttermin (D): 30.11.-0001

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt1448755/

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