Holiday- Sonne, Schmerz und Sinnlichkeit

(DEN/NL/SWE 2018; Regie: Isabella Eklöf)

System der Gewalt

Allein und verloren wirkt die junge Frau bei ihrer Ankunft in der großen, leeren Flughafenhalle von Bodrum. Kurz darauf, während ihrer Busfahrt zu ihrem Feriendomizil, blickt sie uns für einen Moment an. Als stille Beobachter sind wir zugleich Zeugen und Komplizen ihrer scheuen Hilflosigkeit. Sascha (Victoria Carmen Sonne) ist jung und hübsch, naiv und unsicher, abhängig und unterwürfig. Gleich der erste Schlag in ihr Gesicht definiert das Verhältnis von männlicher Dominanz und weiblicher Unterwerfung in einem Klima von Angst und Gewalt, das Isabella Eklöfs beunruhigenden Debütfilm „Holiday – Sonne, Schmerz und Sinnlichkeit“ grundiert. Denn Sascha ist die Freundin eines ebenso smarten wie brutalen Drogenbosses, der mit seinem masochistischen Clan in einer Luxusvilla an der türkischen Riviera residiert und dem süßen Nichtstun unter südlicher Sonne frönt.

Insofern beschreibt „Holiday“ einen Stillstand, der angefüllt ist mit Vergnügungssucht und sexuellem Begehren, während die kriminellen Machenschaften im Hintergrund nur angedeutet werden und vage bleiben. Im Austausch von Macht und Geld ist Sascha das willige Sexobjekt, das sich auf seiner Suche nach Spaß und einem „unkomplizierten“ Leben von dem nihilistischen Gewaltmenschen Michael (Lai Yde) widerspruchslos sexuell ausbeuten lässt. „Es ist schön, hier zu sein“, sagt Sascha, die zwischen Lust und Verfügbarkeit gefangen ist. Und Michael, der davon überzeugt ist, dass nur „Ärger die Welt in Schwung hält“, gibt ihr einmal unmissverständlich zu verstehen: „Alles geht mit der Zeit vorbei. Dann sind wir einfach tot. Merk‘ dir das.“ In der von Narzissmus, Konsumdenken und Macht-Beziehungen beseelten Leere, die der Film beschreibt, bedankt sich das Opfer der Züchtigung bei seinen Peinigern mit Geschenken.

Schonungslos und sehr kalkuliert inszeniert Isabella Eklöf die Helligkeit und Transparenz von Räumen, die die Figuren weniger befreien als vielmehr in ihrer selbstbezogenen Gefangenschaft ausstellen. Alles ist weiß und doch nicht unschuldig. Alles scheint sichtbar und bleibt doch weitgehend verborgen. Eklöf dosiert mit einem elliptischen Stil die Gewalt und schwelenden Abgründe und irritiert die Erwartungen der Zuschauer immer wieder in entscheidenden Momenten mit einer rauen, expliziten Direktheit. Dabei korrespondiert die Statik ihres visuellen Konzepts mit dem Stillstand der Handlung.

Kühl und distanziert ist die Beobachterposition der schwedischen Regisseurin. Als Sascha den holländischen Aussteiger Tomas (Thijs Römer) kennenlernt, der seinen seelenlosen Verkaufsjob gegen ein Boot mit Namen „Felicia“ getauscht hat, scheint plötzlich der Ausbruch in ein anderes Leben möglich. Doch dann bestätigt Sascha unter dem Druck angestauter Aggressionen eher unfreiwillig und zufällig die heillos schädliche Ordnung und integriert sich damit in das System der Gewalt.

Holiday- Sonne, Schmerz und Sinnlichkeit
(Holiday)
Dänemark, Niederlande, Schweden 2018 - 88 min.
Regie: Isabella Eklöf - Drehbuch: Johanne Algren, Isabella Eklöf - Produktion: David B. Soerensen - Kamera: Olivia Neergaard-Holm - Schnitt: Nadim Carlsen - Musik: Martin Dirkov - Verleih: Alamode Filmverleih - FSK: ab 18 Jahren - Besetzung: Victoria Carmen Sonne, Lai Yde, Thijs Römer, Michiel de Jong, Koray Alay, Kerem Arslan, Mathias Bengtsson, Savas Beyazgül, Melek Selin Birtürk, Bo Brønnum
Kinostart (D): 15.08.2019

DVD-Starttermin (D): 23.08.2019

IMDB-Link: https://www.imdb.com/title/tt7328154/
Foto: © Alamode Filmverleih