Kiss & Kill

( 2010; Regie: Robert Luketic )

Der Spion, der mich liebte

So ist das: oft merkt man erst nach der Hochzeit, wen man da eigentlich geheiratet hat, und dann wird einem der Boden unter den Füßen weggezogen, sprich: nichts ist mehr sicher. Dabei war Jen immer ganz bürgerlich, hat sich immer ans Normale gehalten, an das Übliche. Weil sie nicht Bungeespringen wollte, ist ihre vorherige Beziehung den Bach runter gegangen. Sie schlägt halt nach ihrem Vater, der fanatisch auf Sicherheit bedacht ist – Tom Selleck in einer „Meet the Parents“-De Niro-Rolle.

Und dann trifft sie auf Spencer, jung, muskulös und halbnackt mit ihr im Fahrstuhl. Er baggert sie an, sie verabreden sich – und Spencer schwimmt rüber zu einer Jacht, darauf ein Hubschrauber, an dem befestigt er eine Bombe, erledigt noch schnell ein, zwei Bösewichter und ist schon wieder der ganz normale Riviera-Urlauber… Spencer ist Top-Spion mit Killerlizenz, eine junge Bond-Variante, und er lebt auch das Bond-Luxusleben, Sportwagen, schöne Frauen, exotische Einsatzorte. Auch Jen ist wahrscheinlich erstmal nur eine seiner Eskapaden, doch beim Date stottert er ganz schön rum, seine smarte Selbstsicherheit geht flöten: er ist verliebt. Er steigt aus. Er wählt das bürgerliche Leben mit Jen.

Jen weiß nichts von seiner Vergangenheit. Nein: Wie in jeder romantic comedy à la Hollywood erforscht sie zwar ständig ihre Gefühle, holt sich Ratschläge bevorzugt von einer sexbesessenen Freundin (die in Spencers pornosüchtigem Kollegen ihr männliches Pendant hat), doch an ihrer Liebe zweifelt sie nicht. Bis sie heimkommt und ihren Mann in einen tödlichen Messerfight verstrickt sieht. Gerade noch Furzwitze auf der Couch, und schon ist das Haus verwüstet – ab diesem Zeitpunkt hat der Film zu sich gefunden, ergeht sich in Verfolgungsjagden, Schießereien, tödlichen Prügelszenen und lässt zugleich ein Ehedrama ablaufen, das sich fast mit „Mr. & Mrs. Smith“ messen kann – nur dass hier nicht beide Ehepartner Killer sind, sondern dass die Unschuld auf die Tötungsmaschine trifft.

Plötzlich fehlt es an Sicherheit, wie sie einem normalen Paar zuteil wird, wenn es sich niederlässt. Jens normales, bürgerliches Leben würde es ohne Killeragenten wie uns nicht geben, sagt Spencers Boss einmal; und drei Jahre später sind es Freunde, Kollegen, Nachbarn, die es auf Spencer und Jen abgesehen haben. Jeder könnte ein Killer sein, überall lauern sie: auf der Couch, hinter einer Ecke mit MG, im Lieferwagen, im Büro oder im Supermarkt. Überall und jederzeit kann Unvorhergesehenes passieren, es gibt eine Menge Tote, oft genug einfallsreich abgemurkst von Spencer, dem Profi. Dazu kommt die Vertrauenskrise bei Jen, die nicht mehr weiß, woran sie ist, die erkennen muss, dass sie drei Jahre lang mit einer Lüge zusammengelebt hat. Und dabei hat’s auch noch woanders an Sicherheit gefehlt: Jen ist schwanger, und die tödlichen Angriffe sind die große Prüfung für Ehe und Elternschaft. Immer wieder setzt der Film die Ehe und das Töten parallel: Wie viele waren es eigentlich, fragt Jen einmal, mitten auf dem Schlachtfeld nach wilder Verfolgung über eine Baustelle, und seine Antwort, 15, könnte in etwas anderem Zusammenhang auch die Anzahl seiner Affären bedeuten.

Es ist eben nicht nur das verflixte 7. Jahr, auch zum dritten Ehejubiläum kann Vertrauen erodieren, kann sich Routine eingeschlichen haben. Gut, wenn dann ein paar Schläfer aktiviert werden, wenn die Kugeln fliegen und die Gegend in Trümmer gelegt wird: einen besseren Anlass für einen Trust Circle, bei dem jeder ehrlich seine Karten auf den Tisch legt, kann es nicht geben: der Grundstein für einen liebevollen Neuanfang.

Benotung des Films :

Harald Mühlbeyer
Kiss & Kill
(Kiss & Kill)
USA 2010 - 93 min.
Regie: Robert Luketic - Drehbuch: Bob DeRosa, Ted Griffin - Produktion: Scott Aversano, Jason Goldberg, Mike Karz, Ashton Kutcher, Chad Marting, Christopher S. Pratt, Josie Rosen, Daniel Thom - Kamera: Russell Carpenter - Schnitt: Richard Francis-Bruce, Mary Jo Markey - Musik: Rolfe Kent - Verleih: Kinowelt - FSK: ab 12 Jahren - Besetzung: Ashton Kutcher, Katherine Heigl, Tom Selleck, Catherine O'Hara, Katheryn Winnick, Kevin Sussman, Lisa Ann Walter, Casey Wilson, Rob Riggle, Martin Mull, Alex Borstein
Kinostart (D): 05.08.2010

DVD-Starttermin (D): 30.11.-0001

IMDB-Link: http://www.imdb.de/title/tt1103153/combined