Ghostland

(CAN/FR 2018; Regie: Pascal Laugier)

Wir kommen hier jetzt nicht raus

Vor dem Vorspann eine Widmung an H. P. Lovecraft. Die ist, wird dann klar, Teil des Films, in dem der Weird-Horror-Autor auch selbst kurz auftritt. Widmung wird Welt beziehungsweise Teil davon. Umgekehrt ist es mit Teilen einer vertrauten Genrewelt, die „Ghostland“ bevölkern, als wäre der kanadische Film mit dem Dutzendtitel ein Stück Direct-to-Ramsch-Horror: Autofahrt ins Öde, ominöse Tankstelle, Einzug ins einsame Haus, darin alte Puppen, tiefe Keller, unsichere Türen. Diese Welt ist gewidmet – gerahmt, adressiert; ebenso der springfreudige Plot, von Spuk und home invasion zu Survival-Horror mit Psycho-Familie – oder sind es zwei? Definitiv sind der Schwestern zwei, aber ihr Verhältnis ist instabil: Neid, Streit, gegenseitige Hilfe – und Wahnsinnszuschreibung.

Regie führt Pascal Laugier, bewährt im Ausmalen von Situationen „konzentrierter Unterbringung“. Dieses Wort des FPÖ-Innenministers in Sachen Refugee-Quartiere geht derzeit in die alpenrepublikanische Politfolklore ein. Ösistan ist gar nicht weit von „Ghostland“. Denn aus all den Filmen, die seit 2006 Natascha-Kampusch- oder Fritzl-Family-Szenarien variieren – Dauereinsperrung, Versorgung, die Misshandlung ist –, ragen die von Laugier heraus: „Martyrs“ (2008) als niederschmetterndes French-Extreme-Drama über Ökonomien der Traumatisierung, „The Tall Man“ (2012) als Thriller über Klassenaufstiegsfantasien.

Lebenserhaltung im Schmerz: Das hallt in „Ghostland“ nach. Auch ein Hang zu erbarmungswürdigen Leidensikonen, halb spekulativ, halb genuin traurig. Und starker Schnitt, der noch im Gewaltstakkato etwas Verborgenes anklingen lässt. Und ein Hakenschlagen, das vieles revidiert und doch bekräftigt: Du steckst da noch drin. So wie „Ghostland“ ein Feststecken in den Nullerjahren ausagiert. Als warte der Film im Kinodunkel darauf, dass die Zyklen der Retrokultur bei ihm ankommen.

Diese Kritik erschien zuerst in: Spex

Ghostland
(Incident in a Ghost Land)
Kanada, Frankreich 2018 - 91 min.
Regie: Pascal Laugier - Drehbuch: Pascal Laugier - Produktion: Ian Dimerman, Scott Kennedy, Jean-Charles Levy, Nicolas Manuel, Clément Miserez, Brendon Sawatzky, Sami Tesfazghi, Matthieu Warter - Kamera: Danny Nowak - Schnitt: Dev Singh - Verleih: Capelight - FSK: ab 16 Jahren - Besetzung: Crystal Reed, Taylor Hickson, Rob Archer, Emilia Jones, Adam Hurtig, Anastasia Phillips, Mylène Farmer, Alicia Johnston, Erik Athavale, Suzanne Pringle, Terry Ray
Kinostart (D): 05.04.2018

DVD-Starttermin (D): 10.08.2018

IMDB-Link: https://www.imdb.com/title/tt6195094/
Foto: © Capelight