Halloween

(USA 2018; Regie: David Gordon Green)

Wer fürchtet sich vorm weißen Mann?

Es heißt, dieser nunmehr elfte „Halloween“-Film sei der kommerziell erfolgreichste in dem 1978 von John Carpenter begonnenen Slasher-Movie-Franchise. Nach all den – nicht durchwegs öden – Sequels gibt sich der aktuelle, schlicht „Halloween“ benannte Film ganz als liebevolle Hommage an den längst schon kanonisierten Erstling. Er hat des Meisters Segen und die ergraute Jamie Lee Curtis in ihrer Lebensrolle als Laurie Strode: Als ewiges „Final Girl“ wird sie endlos gestalkt von Michael Myers, dem wortlos stur dahinmordenden Kleinstadtpsychotiker mit Tankwart-Blaumann und Weißmaske.

Alles ist Anknüpfung: vom feuerroten Titel und Kürbiskopf-Vorspann über flache Schärfen im Widescreenbild bis zu Carpenters Minimal-Score und Signature Sounds (Opapas Synthesizer macht „Buh!“). Was dem neuen Film aber fehlt, ist gerade die Leere: etwas in der Art, wie Carpenters Steadycam damals (gleich einem Antonioni mit unmenschlichem Antlitz) Haddonfield, Illinois, als gänzlich ausgeräumt und in diesem unerfüllten Zustand stets um ein bisserl zu lang ins Bild brachte – sodass der Ort in Schwebe geriet und der All-American-Teenie-Alltag kaum unterscheidbar war von einer tiefsitzenden Leblosigkeit in melancholischer Kältestimmung. (Ach, und erst das Blau von Carpenters Stamm-Kameramann Dean Cundey…)

Viel an Stimmung lässt sich dem neuen Film ja grade nicht nachsagen. Zeitweise findet „Halloween“ 2018 seinen Rhythmus in steiler Desorientierungsmontage. Sein hoher Verschleiß an schrulligen Nebenfiguren geht irgendwie OK: Einerseits fügt das einer vorwiegend weißen Welt ein paar markante People of Color hinzu (u. a. eine Cowboy-Figur, die nirgendwo hinführt), anderseits erhöht es die Creative Kills-Quote; wobei hier nun eher der Rammbock regiert als das Suspenseritual (wie noch etwa 1998 in „Halloween H20“) – von wegen Figuren zurufen „Pass auf, hinter dir!“ etc.

Regisseur David Gordon Green drehte bislang radikale Stonerkomik (wie „Your Highness“, dessen Co-Autor Danny McBride „Halloween“ mitgescriptet hat) und nuancierte Indie-Psychodramen. Mit psychischen Deformationen und Obsessionen weißer Kleinkollektive kennt der Mann sich also aus – ob es nun kiffende Cliquen sind oder leidende Familien wie in „Halloween“ (mit der Teenie-Enkelin als dritter Generation, die von jener Nacht anno 1978 traumatisiert ist) bzw. jüngst in „Stronger“. In letzterem Film zeichnete Green ein durch die Gewalt eines djihadistischen Anschlags an Leib und Seele versehrtes White Trash-Milieu, allerdings in einer Art empathiegeladenen Kritik an einem Nationalheroismus, der zum sturen Habitus geworden ist. Greens Ansatz, nun in „Halloween“, beide, die rabiate Hacklerfigur Michael und die im Security-Wahn bewaffnet eingebunkerte Laurie, als obsessive Problemtypen zu vermitteln, bleibt halbherzig und versandet ab der Hälfte in Stalk´n´Slash-Routine mit Niveau. Bis dann das Ende Fortsetzung ruft.

Hier findet sich eine weitere Kritik zu „Halloween“.

Halloween
USA 2018 - 109 min.
Regie: David Gordon Green - Drehbuch: David Gordon Green, Danny McBride, Jeff Fradley - Produktion: Malek Akkad, John Carpenter, David Gordon Green, u.a. - Kamera: Michael Simmonds - Schnitt: Timothy Alverson - Musik: John Carpenter - Verleih: Universal Pictures - FSK: ab 16 Jahren - Besetzung: Jamie Lee Curtis, Judy Greer, Andy Matchiak, James Jude Courtney
Kinostart (D): 25.10.2018

IMDB-Link: https://www.imdb.com/title/tt1502407/
Foto: © Universal Pictures