Downsizing

(USA/NOR 2017; Regie: Alexander Payne)

Liberale lieben Leisurelands Little People

Im Unterschied zu älteren und neueren Filmen, die das Schrumpfen von Leuten auf Bleistiftgröße zur Gaudi oder zum Grusel machen (wobei: „The Incredible Shrinking Man“ ist auch nach 60 Jahren ziemlich heftig als Haushaltshorror), geht’s hier beim „Downsizing“ erst einmal ernsthaft und trocken zu. Sprich: Es ist recht witzig, weil satirisch beobachtet; zumal in lakonischem Ton, wie ihn US-Regisseur Alexander Payne in Sachen White Middle Class zuletzt 2013 in „Nebraska“ anklingen ließ.

Wie viele andere Leute weltweit lässt sich ein biederes Ehepaar (ebenfalls aus Nebraska) schrumpfen, um fortan in einer Miniaturwelt mit künstlichem Dauerfrühsommerklima zu leben. Die Erfindung der Reduktion wird im Plot zunächst als ökologische Rettungsmaßnahme eingeführt: Verkleinerte Müllberge, Fußabdrücke etc. sollen die Erde vor den sie verbrauchenden Menschen bewahren. Anhand einer Fülle sozial- und kulturtechnischer Details verzeichnet „Downsizing“ den gleitenden Übergang vom Öko-Projekt zum Lifestyle-Rundumservice für Besserverdienende: Wer in Groß ein Häuschen ohne Hypothek hat, kann in Klein im Palast privatisieren – nach Vermögensübertragung an die Firma Leisureland. Deren niederes Personal ist vorwiegend afroamerikanisch.

Ein Naturschutz-Tunnelblick verkennt, dass „die Menschheit“ nicht eins ist, sondern nach Klassen und rassistisch gespalten: Das ist hier okay herausgearbeitet (um es mal altmodisch zu sagen, so wie die Miniatur-Effekte hier ebenfalls gezielt einen Flair des Altmodischen in Zuckerlbunt versprühen). Ebenso das wissende Lächeln einer Attitüde des Weltuntergangs-Survivalismus: New Age in Norwegen, in der sagenumwobenen original colony, zu der hin die zwergengroßen Amis gegen Ende aufbrechen. Übergreifende Politik aber scheint es hier nicht zu geben, und schwach ist der Plot, der eine Art Erwachen zum Bewusstsein zelebriert: Der Held (Parade-Liberal Matt Damon) lernt – und zwar vom sympathischen serbischen Strizzi (Christoph Waltz, flankiert von Udo Kier: Doppelgrins), dass ja alles nur Business ist, und von der taffen vietnamesischen Refugee-Putzfrau (Hong Chau), dass das doch nicht so ist, bzw. dass es auch unter den Little People noch Little People gibt und auch im Idyll Leute (meist Asians und Hispanics) in Elend hackeln und hausen. Also wird er Armenarzt. Die Armen verleihen seinem Leben Sinn. Gut, dass es sie gibt.

Downsizing
USA, Norwegen 2017 - 135 min.
Regie: Alexander Payne - Drehbuch: Alexander Payne, Jim Taylor - Produktion: Jim Burke, Megan Ellison, Mark Johnson, Alexander Payne, Jim Taylor - Kamera: Phedon Papamichael - Schnitt: Kevin Tent - Musik: Rolfe Kent - Verleih: Paramount Pictures - FSK: ohne Altersbeschränkung - Besetzung: Matt Damon, Christoph Waltz, Hong Chau, Kristen Wiig, Laura Dern, Jason Sudeikis, Udo Kier, Rolf Lassgård, Søren Pilmark, Joaquim de Almeida, James Van Der Beek, Neil Patrick Harris
Kinostart (D): 18.01.2018

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt1389072/
Foto: © Paramount Pictures