Tour du Faso

(D 2014; Regie: Wilm Huygen)

Identitätsstiftendes Vehikel

Die harten Daten über das größte Fahrradrennen in Afrika werden in der Schule abgefragt: Seit 1987 findet die über zehn Etappen und fast 1300 Kilometer führende Tour du Faso im westafrikanischen Burkina Faso statt. Bei Temperaturen von bis zu 40 Grad im Schatten geht es dabei über teils unbefestigte Straßen und staubige Sandpisten. Und zum 25-jährigen Jubiläum kommen die insgesamt 15 Teams erneut sowohl aus Afrika als auch aus Europa. Das Fahrradfahren sei in Burkina Faso ein wesentlicher Teil der Identität, die Tour ein nationales Ereignis, sagt der Präsident des Radsportverbandes mit patriotischem Stolz. Der Sieg fürs Vaterland hat also oberste Priorität. Ja, das einst von den ehemaligen Kolonialherren eingeführte Vehikel ist mittlerweile zum (antikolonialistischen) Werkzeug nationaler Selbstbestimmung geworden.

Der Mythos lebt also und der Traum von einem besseren Leben beflügelt die Fahrerherzen, die ihre Vorbilder wiederum in Europa haben. Wilm Huygens differenzierter Dokumentarfilm „Tour du Faso“ beleuchtet diese komplizierten kulturellen Wechselwirkungen und nur scheinbaren Widersprüche. Er zeigt aber auch die kontrastreichen Rahmenbedingungen, unter denen dieses sportliche Großereignis stattfindet. Altmodische Plakatmaler, jugendliche Werbebannerträger, die teilweise Unterbringung der Fahrer in Zelten oder auch die humorvoll-überschwänglichen Siegerehrungen am jeweiligen Etappenziel verraten etwas über Mentalitätsunterschiede und die afrikanische Kunst der Improvisation.

Aus der distanzierten Perspektive des teilnehmenden deutschen Teams um den Fahrer Benjamin Höber fällt der Blick aber auch auf Korruption und vermeintliche Manipulation, vor allem aber auf ein von den eher vorbehaltlos angetretenen Europäern als manchmal unfair empfundenes sportliches Verhalten. „Das ist Afrika!“, lautet der knappe Kommentar eines Fahrerkollegen dazu. Diese Konflikte und Differenzen schmälern aber nicht die sportliche Leistung der verwegenen Fahrradfahrer, deren Strapazen und physischen Kraftanstrengungen vom Filmemacher immer wieder in visuell kontrastreiche Beziehung gesetzt werden zur umgebenden Landschaft und Kultur.

Benotung des Films :

Wolfgang Nierlin
Tour du Faso
Deutschland 2014 - 90 min.
Regie: Wilm Huygen - Drehbuch: Wilm Huygen - Produktion: Stéphane Jourdain, Jonas Katzenstein, Maximilian Leo, Keve Zvolenszky - Kamera: Andreas Köhler - Schnitt: Rainer Nigrelli - Verleih: Real Fiction - FSK: ohne Altersbeschränkung - Besetzung:
Kinostart (D): 29.05.2014

DVD-Starttermin (D): 30.11.-0001

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt3502760/