Papadopoulos & Söhne

(GB 2012; Regie: Marcus Markou)

Tränen trotz Krise

Ein postkapitalistisches Märchen, eine fette Krisenkomödie und obendrein etwas fürs Gemüt. Wer aus dem Kino kommt, der weiß nicht, behaupte ich mal, warum er feuchte Augen hat. Vom Lachen? Weils so schön war? Weil mitten in der fiesen Bankenstadt London, UK, der Sirtaki in der halbleeren Ladenzeile Einzug hält? Weil genau das, aber nicht die argumentierende Kapitalismuskritik einen in Wallung bringt. – Okay, mir gings so. Und um nicht weiter zu schwärmen, gehe ich jetzt auf reset.

Papadopoulos sen. ist längst nicht mehr griechischer Kellner, sondern Millionär im zweistelligen Bereich. Grade haben ihm die Banken das Papadopoulos Plaza finanziert. Und der Premierminister ehrt ihn als Europäischer Unternehmer des Jahres. Dann aber die Krise. Kredite weg. Insolvenz. Papadopoulos rauft er sich mit seinem Bruder zusammen. Beide bringen in einer Schattenseite von London den brach liegenden Fish&Chips-Laden in Gang. Ein paar Wirren unter Brüdern, mit den Döner-Nachbarn, mit den schon grade erwachsenen Kindern (Tochter geht mit sexy Jungtürken?? Sohn denkt nicht ökonomisch, sondern ökologisch und füllt Dach und Haus mit liebevoll gepflegten Pflanzen, und dabei bleibts), – und im Finale verbindet auf Londons Straßen der Sirtaki alle und jeden. Reih dich ein zu Fun&Family! Und Daddy bleibt doch der Größte: „Mach, was du willst, denn wir sind stolz auf dich!“

Ja, ich weiß, das Plot klingt naiv. Aber das ließe sich von Märchen auch sagen. Besser wäre von einem bollywoodhaften Finale zu sprechen. Finale mit Hintergrund: wie von ungefähr wird vom Clanchef Papadopoulos als King Lear gesprochen, und der endete dann ja auch als Clochard. Der Filmheld (Stephen Dillane fing 1990 seine Filmvita als „Hamlet“ an, im Film von Franco Zeffirelli) findet sich dagegen in der tanzenden Gemeinschaft auf der Straße wieder, unter Kindern und vielen vertrauten Gestalten, wiederzuerkennen aus den TV-Formaten. Zu begrüßen ist auch Öko-Sohn James (Frank Dillane), der vor vier Jahren noch als Marvolo Riddle in „Harry Potter und der Halbblutprinz“ die Herzen höher schlagen ließ.

Schön, jeder der Schauspieler hat schon mal dies und jenes gemacht. Deswegen müsste „Papadopoulos & Söhne“ ja noch nicht funktionieren. Tut er aber. Die Figuren des Films wirken insgesamt genommen authentisch. Man glaubt ihnen (weitgehend). Und siehe da, Regisseur (und Autor) Markus Marcou, griechisch-zypriotischer Abstammung, erzählt mit diesem Film, wie er sagt, auch seine Geschichte. Seine Vorliebe fürs Improvisionstheater bringt uns näher an den Film heran. Nix Leistungsgesellschaft, aber alle Menschen werden Brüder, oder so.

Diese Kritik ist zuerst erschienen in: Konkret 07/2013

Papadopoulos & Söhne
(Papadopoulos & Sons)
Großbritannien 2012 - 109 min.
Regie: Marcus Markou - Drehbuch: Marcus Markou - Produktion: Sara Butler - Kamera: James Friend - Schnitt: Sebastian Morrison - Musik: Stephen Warbeck - Verleih: Neue Visionen - FSK: ohne Altersbeschränkung - Besetzung: Stephen Dillane, Georgia Groome, Ed Stoppard, Selina Cadell, Frank Dillane, Georges Corraface, Georgina Leonidas, Richard Durden, Cosima Shaw, Marcus Markou, Alexander Hanson, Cesare Taurasi, Chris Simmons, Paul Herzberg, Carl Rice
Kinostart (D): 27.06.2013

DVD-Starttermin (D): 22.11.2013

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt2006810/