Es gibt immer ein Morgen

(USA 1956; Regie: Douglas Sirk)

Do the Robot

Der Spielzeugfabrikant Clifford Groves (Fred MacMurray) lebt in Los Angeles mit seiner Frau und seinen drei Kindern ein Leben voller Routine. Alle Versuche, aus dem Einerlei auszubrechen und die Flamme der Leidenschaft neu zu entzünden, werden von seiner Frau unterbunden und auch die Kinder nehmen ihren Vater längst als selbstverständlich hin. Eines Tages begegnet Clifford die erfolgreiche New Yorker Modedesignerin Norma Vale (Barbara Stanwyck), mit der er vor 20 Jahren nicht nur eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung unterhielt. Zunächst ist es nur ein freudiges Wiedersehen alter Freunde, doch bald erkennen beide, dass ihnen mehr am anderen liegt …

Konnte man das Ende von Sirks drei Jahre zuvor entstandenen 'All meine Sehnsucht' – die Frau kehrt für ihre Liebe in das Umfeld zurück, das sie einst als Ehebrecherin stigmatisiert hatte – trotz aller bitterer Untertöne noch als Happy End verstehen, bleibt am Schluss von 'Es gibt immer ein Morgen' nur die traurige Erkenntnis, dass das Konzept vom Glück sich leider nicht immer mit dem Leben in unserer Zeit vereinbaren lässt. Soziale Zwänge lasten auf Clifford und Norma, aus denen sie nicht ausbrechen können: Familie und Karriere. Der Titel des Films hat eine ungemein bittere Note: Er suggeriert, dass man sein Leben jederzeit ändern könne, doch tatsächlich ist das nur eine Ausrede, die man sich vorhält, weil man die Wahrheit nicht ertragen kann. Clifford und Norma ergehen sich eine Weile in dem Traum, aus ihrem Leben auszubrechen, ihrem Herzen zu folgen und endlich das zu tun, wozu sie vor 20 Jahren nicht in der Lage waren. Doch es muss bei diesem Traum bleiben: Man ist eben nicht nur seines eigenen Glückes Schmied.

Diese bittere Erkenntnis fasst Sirk in wunderbare Bilder voller Tristesse und leiser Tragik. Sein beliebtestes Mittel ist es wohl, seine Protagonisten durch Fenster zu beobachten, als wolle er sie in einer Bestandsaufnahme festhalten: Das ist dein Leben, schau es dir gut an. Bei Sirk führt diese Betrachtung tragischerweise zu einer Selbsterkenntnis, die keine Konsequenzen mehr nach sich ziehen kann, weil alle Wege bereits verbaut sind. Clifford und Norma bleibt am Ende nur, sich gegenseitig ihrer Liebe zu versichern, Lebewohl zu sagen, umzukehren und nicht mehr zurückzuschauen. Beide müssen sich in ihr Schicksal fügen, wie Cliffords neuer Spielzeugroboter immer weitergehen, bis die Batterie leer ist. Viel trauriger und resignativer kann ein Liebesfilm kaum enden.

Dieser Text erschien zuerst in: Remember it for later

Benotung des Films :

Oliver Nöding
Es gibt immer ein Morgen
(There’s Always Tomorror)
USA 1956 - 84 min.
Regie: Douglas Sirk - Drehbuch: Bernard C. Schoenfeld - Produktion: Ross Hunter - Kamera: Russell Metty - Schnitt: William Morgan - Musik: Heinz Roemheld , Herman Stein - Verleih: Koch Media - FSK: ab 12 Jahren - Besetzung: Barbara Stanwyck, Fred MacMurray, Joan Bennett, William Reynolds,Pat Crowley, Gigi Perreau, Jane Darwell, Race Gentry, Myrna Hansen, Judy Nugent, Paul Smith, Helen Kleeb
Kinostart (D): 30.11.-0001

DVD-Starttermin (D): 30.11.-0001

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt0049843/