Das verflixte 3. Jahr

(F 2012; Regie: Frédéric Beigbeder )

Komödien-Potpourri

Die Gefühle sind nicht echt und glaubwürdig dargestellt schon gar nicht. In der ersten Hälfte von Frédéric Beigbeders Filmkomödie „Das verflixte 3. Jahr' („L’amour dure trois ans') werden die große Liebe und die Zweier-Beziehungen, die sie begleiten, mit einem mächtigen Aufgebot virtuos eingesetzter filmischer Mittel denunziert. Den Auftakt dazu darf der lebenserfahrene Charles Bukowski machen: „Liebe ist wie ein Nebel am Morgen. Im ersten Licht des Tages löst sie sich auf.“ Zweifellos identifiziert sich mit diesem Statement wohl nicht nur der Regisseur und Schriftsteller Beigbeder, der für seinen Debütfilm einen eigenen Roman adaptiert hat, sondern auch sein larmoyantes Alter Ego Marc Marronier (Gaspard Proust). Der 30-jährige Pariser Literaturkritiker und Szenekolumnist hat auch gleich eine Allerweltstheorie für diesen angeblich empirischen Sachverhalt parat: „Liebe ist ein von vornherein verlorener Kampf gegen die Zeit.“ Demnach dauert sie drei Jahre; und deshalb findet sich der frustrierte Marc, nachdem ein stimmungsvoller Super-8-Vorspann sein verflossenes Liebesglück zusammengefasst hat, mit vielen anderen unglücklichen Paaren vor dem Scheidungsrichter.

Wenn sich Marc dann im ersten Kapitel seines aus dem Off erzählten Rückblicks auf das Scheitern der Liebe im Allgemeinen wie Besonderen in niveauvollem Weltschmerz, hedonistisch aufgehübschtem Selbstmitleid und schicker Verwahrlosung ergeht, zeigt sich die ganze Inhaltsleere, um die herum Beigbeders Hokuspokusfilm arrangiert ist. Denn hinter den sattsam bekannten Zeichen einer von Klischees durchwirkten Oberflächenästhetik gibt es kaum etwas, was dem echten Leben ähnelt, sondern das allenfalls und bis in die Negationen hinein Wunschvorstellungen projiziert. Insofern ist „Das verflixte 3. Jahr“ reinstes, durchaus souverän und abwechslungsreich gestaltetes Zutaten- und Reproduktionskino, das kreativ aussieht, mit größter Selbstverständlichkeit abschnurrt und kaum mehr als kurzweilige Unterhaltung bietet. Leider kommt noch dazu, dass Frédéric Beigbeder sein mäßig lustiges Komödien-Potpourri bis zu seinem vorhersehbar schmalzigen Happyend mit einer sehr traditionellen, um nicht zu sagen konservativen Liebes- und Geschlechterpolitik ummantelt.

Diese ist es wohl auch, die Marc ebenso zum schriftstellerischen Erfolg verhilft wie zum Verhängnis wird, als er sich seinen Liebes- und Beziehungsfrust in einem literarisch dürftigen Erfahrungsroman von der Seele schreibt. Nicht umsonst will der gefeierte Autor, der sich selbstverliebt als „sexistisches Arschloch“ bezeichnet, anonym bleiben. Die Modefotografin Alice (Louise Bourgoin), seine neue, heiß umworbene Liebe, hält das auf Bestseller getrimmte Buch nämlich für „Schreibdurchfall eines Wichsers“. Dass er schließlich trotzdem geoutet wird, liegt nicht nur in der retardierenden Erzähllogik der Dramaturgie, sondern vor allem in der damit verbundenen glorreichen Bekehrung des Helden zur wahren – jetzt rehabilitierten – Liebe, die ohne regenreiche Durststrecken und romantisch-schwärmerisch-männliche Selbstkasteiung in Beigbeders filmischem Liebeskitsch nicht zu haben ist. Oder handelt es sich hier etwa um eine Parodie des Genres? Dann fehlen ihr allerdings zumindest Abstand und Biss.

Benotung des Films :

Wolfgang Nierlin
Das verflixte 3. Jahr
(L’amour dure trois ans)
Frankreich 2012 - 100 min.
Regie: Frédéric Beigbeder - Drehbuch: Fréderic Beigbeder - Produktion: Michael Gentile, Alain Kruger - Kamera: Yves Cape - Schnitt: Stan Collet - Musik: Martin Rappeneau - Verleih: 20th Century Fox - FSK: ab 12 Jahre - Besetzung: Gaspard Proust, Louise Bourgoin, Valérie Lemercier, Jonathan Lambert, Joey Starr, Frédérique Bel, Nicolas Bedos
Kinostart (D): 19.07.2012

DVD-Starttermin (D): 29.11.2012

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt1638328/