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Bowling for Columbine

(USA / Kanada / Deutschland 2002; Regie: Michael Moore)

Zinsknechtschaft

foto: © universal
Um herauszufinden, wo Amerikas Problem liegt, begibt sich Michael Moore sogar auf die Bowlingbahn von Littleton. Hier haben Eric Harris und Dylan Klebold am Morgen des 20. April 1999 noch ein paar Kugeln geschoben, bevor sie an der Columbine High School ein Massaker anrichteten. "Sind wir eine Nation von Waffenverrückten, oder sind wir einfach nur alle verrückt?" ist die tautologische Grundüberlegung seines neuen Films, und Moore hat seinem Amerika ordentlich auf den Zahn gefühlt: dem Hausmeister der "Littleton Lanes", Charlton Heston, Marilyn Manson, "South Park"-Autor Trey Parker, der Michigan Militia, "American Bandstand"-Begründer Dick Clarke etc. pp. Man kann nicht behaupten, dass er sich keine Mühe gegeben hätte, Antworten zu finden, die er längst weiß. Moores Filme sind keine Dokumentationen im herkömmlichen Sinne, sondern verkappte Sozialreportagen. Seine Methoden sind dabei so induktiv wie bei jedem anderen Populisten. Daraus macht er auch keinen Hehl.  

Moore ist natürlich nicht mehr, wie noch zu Zeiten von "Roger and Me", der kleine Mann von der Straße, wenn er mit Fünftagebart, Baseballcap und Windjacke seinen "Corporate Celebrities" vor ihren Prachtvillen und Bürotürmen auflauert. Er ist inzwischen selbst der Posterboy der amerikanischen Sozialkritik, das schlechte Gewissen des "Corporate America". In Cannes hat "Bowling for Columbine" in diesem Jahr sogar als erster Dokumentarfilm überhaupt einen Spezialpreis gewonnen. Moore weiß um die Macht der Networks, in deren Auftrag er heute unterwegs ist, und manchmal würde man sich auch etwas mehr von dem alten Kamikaze-Spirit wünschen, vor allem dort, wo "Bowling for Columbine" streckenweise auf das Niveau übelsten Betroffenheitsfernsehens zurückfällt. Der Film hätte aber auch leicht eine launige NRA-Nummernrevue werden können; nur ist dann dummerweise 9/11 dazwischengekommen.  

Wenn Moore am Ende wieder in Littleton angekommen ist (bzw. am Swimmingpool von Charlton Heston), nach einem Abstecher in die Vorgärten der "Gated Communities", nach South Central und in die Produktionsstudios der Fernsehshow "Cops", hat er eine beispiellose Angstkultur ausgemacht, die ganze Wirtschaftszweige finanziert. Die Rechnung sieht folgendermaßen aus: Die von der Angst profitieren, produzieren sie, um sich von ihrem Gewinn Waffen kaufen zu können, mit denen sie dann andere Länder bombardieren, damit in der eigenen Bevölkerung noch mehr Angst geschürt werden kann. Die Toten von Littleton bleiben unterm Strich stehen als die Zinsen dieser ertragreichen Angstproduktion.

Dieser Text erschien zuerst in: Konkret 11/2002

Andreas Busche



Bowling for Columbine
OT: Bowling for Columbine
USA / Kanada / Deutschland 2002 - 119 min.
Regie: Michael Moore - Drehbuch: Michael Moore - Produktion: Michael Moore - Schnitt: Kurt Engfehr - Musik: Jeff Gibbs - Verleih: Universal - FSK: ab 12 Jahre - Besetzung: Michael Moore, Charlton Heston, Marilyn Manson, George W. Bush, Dick Clark, John Nichols, Chris Rock, Arthur A. Busch, Barry Galsser
Kinostart (D): 21.11.2002

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt0310793/
Pressespiegel auf filmz.de: http://www.filmz.de/film_2002/bowling_for_columbine/links.htm

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