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Willkommen in der Bretagne

(Frankreich 2012; Regie: Marie-Castille Mention-Schaars )

"Positiver Realismus"

foto: © alamode filmverleih
Wenn man den Trailer zu diesem Film gesehen hat, dann weiß man schon ungefähr, was einen in Marie-Castille Mention-Schaars Komödie "Willkommen in der Bretagne" ("Bowling") erwartet: Harmlose Witze über die Mentalitätsunterschiede zwischen Städtern und Provinzbewohnern, eine Menge Lokalpatriotismus ("Die Bretagne - Man liebt sie oder nicht") und vor allem ein geradezu hymnisches Loblied auf Freundschaft und Solidarität. "Willkommen in der Bretagne" ist ein routiniertes Feelgoodmovie aus der Retorte, das ziemlich souverän erfüllt, was es sein will und deshalb langweilt. Mit erzählerischen Versatzstücken, einer holzschnittartigen Dramaturgie, genretauglichen Klischees und plakativen Handlungsmustern unterhält der Film sein geneigtes Publikum ebenso schwungvoll wie rundum verträglich. Weil dabei zugleich gesellschaftliche Missstände mit kämpferischer Hoffnung besiegt werden, charakterisiert die Regisseurin ihre Arbeit als "positiven Realismus".

Ums Siegen geht es vor allem und gleich mehrfach. Während die nach wahren Begebenheiten inszenierte Haupthandlung den Arbeitskampf um den Erhalt einer Entbindungsstation in der bretonischen Kleinstadt Carhaix beschreibt, formieren sich zwischen den Fronten und über sie hinweg Freundschaft, Widerstand und Solidarität. So soll die aus Paris angereiste Personalmanagerin Catherine Lefèvre (Catherine Frot) die "Schwachstellen" im System des Provinzkrankenhauses "korrigieren". Dass sie dabei ausgerechnet die Entbindungsstation ins Visier nehmen muss, verleiht dem Plot eine leicht tragische Note. Denn zum einen sind die von Mathilde (Mathilde Seigner) und Firmine (Firmine Richard) angeführten Hebammen mit Herz und Seele bei der Arbeit; zum anderen bilden sie zusammen mit Catherine und der jungen Louise (Laurence Arné) über anfängliche Animositäten und Vorurteile hinweg bald ein erfolgreiches Bowling-Team.

Gekämpft wird aber nicht nur an politischen und sportlichen Fronten (zu denen auch eine Fahrprüfung mit einem wunderbar nerdigen Prüfer zählt), sondern natürlich auch im Privaten. Um Vertiefung geht es in diesen eher trivialen Streiflichtern auf familiäre Wunden und zeitweise angespannte Beziehungen aber nicht. Schließlich ist Mention-Schaars Unterhaltungsfilm auf "eine schöne und wahre Geschichte" abonniert. Einer der ersten und zugleich letzten Sätze des Films lautet deshalb auch: "Jetzt hilft uns nur noch ein Wunder!" Und man kann bei dieser warmherzigen Komödie aus dem Herzen der Bretagne sicher sein, dass dieses Wunder am Ende geschieht.

Wolfgang Nierlin

Benotung des Films: (4/10)


Willkommen in der Bretagne
OT: Bowling
Frankreich 2012 - 90 min.
Regie: Marie-Castille Mention-Schaars - Drehbuch: Jean-Marie Duprez, Marie-Castille Mention-Schaar - Produktion: Pierre Kubel, Marie-Castille Mention-Schaar, Jérôme Seydoux - Kamera: Myriam Vinocour - Schnitt: Hugues Darmois - Musik: Erwann Kermorvant - Verleih: Alamode Filmverleih - FSK: ohne Altersbeschränkung - Besetzung: Catherine Frot, Mathilde Seigner, Firmine Richard, Laurence Arné, François Bureloup, Mathias Mlekuz, Geneviève Mnich, Frédéric Noaille, Julien Crampon, Gilles Bataille, Eric Naggar, Alex Lutz, Georges Cadoudal, Samuel Chauvin, Kiliann Lorguilloux
Kinostart (D): 31.01.2013

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt2271777/

Trailer:


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