Gesponsert: Trailer zu "Maze Runner"

„Was ist das hier?“; „Wer hat uns hierher gebracht?“; „Ich kann mich an gar nichts erinnern!“; „Was ist da draußen?“; „Das Labyrinth“. Fragen und Antworten, die mir bekannt vorkommen. Wurde mein Leben (the first 50 years) endlich verfilmt, oder sollte es noch mehr Leute geben, die sich so fühlen wie ich? „Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth“ jedenfalls bemüht sich erfolgreich um eine große, wie die Filmkritik es gerne ausdrückt, „Authentizität“! Jeden Morgen die selben Fragen: “Wie kam ich in dieses Bett?“; „Wer hat mich eigentlich wirklich gezeugt?“ „Ohweh, eins von den 14 Bierchen gestern war wohl schlecht.“ Und: „Wie weit ist es zum nächsten Getränkestützpunkt und komme ich da auch an, ohne zu kotzen?“ – Scherz beiseite: „Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth“ verspricht Unterhaltung auf hohem Niveau, und dieses mit jugendlichem Schwerpunkt, denn jemand, bei wem die Namen Dylan O’Brien oder Kaya Scodelario nun nicht gleich erotisch motivierte hysterische Zustände hervorrufen, muss sich wahrscheinlich damit abfinden, nicht mehr so ganz taufrisch zu sein. Ob ihm die actiongewaltigen Schauwerte dieser doch für das 3D-Verfahren geradezu prädestinierten Teenager zermalmenden Labyrinthwände allerdings trotzdem zusagen, sei dahin gestellt. Dieses, das 3D-Verfahren übrigens wäre dann das einzige, was Abstriche machte beim hehren Authentizitätsprojekt des Cineplexx-Blockbusters „Maze Runner  – Die Auserwählten im Labyrinth“, denn wie wir ja alle wissen, ist unser aller Realität alles andere als in 3D, sie ist in Wahrheit flach, platt und vordergründig.  (Dieser Text wurde gesponsert von 20th Century Fox !)


filme 0-9 a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z     

Alpen

(Griechenland 2011; Regie: Giorgos Lanthimos)

Eindringen in den Familienleib

foto: © rapid eye movies
"Du bist noch nicht bereit für Pop", verfügt der strenge Tanzlehrer im Kommandoton gegenüber seiner gehorsamen Schülerin. Die grazile Sport-Gymnastin (Ariane Labed) versucht sich in der Eröffnungsszene des Films an einer Choreographie zu Carl Orffs "Carmina Burana", möchte aber viel lieber zu Popmusik tanzen. Ihr unzufriedener Trainer (Johnny Vekris) bleibt aber gnadenlos unnachgiebig, droht der eingeschüchterten Tänzerin sogar mit brutaler Gewalt. Wie schon in "Dogtooth" analysiert der griechische Regisseur Yorgos Lanthimos auch in seinem neuen Film "Alpen" (Alpeis) hierarchische Machtverhältnisse und gewalttätige Abhängigkeitsbeziehungen. In absurd erscheinenden Arrangements und grotesken Handlungen skizziert er dabei eine parabolische Ordnung, deren bedrohliche innere Spannung zur Implosion neigt und sich mit einer Art gefährlichem Humor immer wieder in unvermittelten Schocks entlädt. Dabei ist "Alpen" völlig undramatisch, geradezu indirekt erzählt, was sich vor allem in Schärfenverlagerungen, angeschnittenen Bildern und vielen Rückenansichten ausdrückt.

Auch in seinem Handlungskern, einer verrückten Versuchsanordnung aus absurdem Theater und Sciencefiction, dekliniert Lanthimos mit Ironie und doppeldeutigen Dialogen die destruktiven Spielregeln der Macht. So straft Mont Blanc (Aris Servetalis), Anführer einer Gruppe, die sich Alpen nennt, Ungehorsam und abweichendes Verhalten mit sadistischer Gewalt und Ausschluss. In den penibel recherchierten und geplanten Einsätzen betreut der Geheimbund die Angehörigen von Verstorbenen, indem seine Mitglieder deren frühere Rollen als Ehefrau, Tochter oder Freundin einnehmen und nachspielen, um den Verlust des geliebten Menschen zu mildern. In der theatralischen Wiederholung von Gesten, Sätzen und Handlungen wird dabei die Erinnerung beschworen und die verlorene Vergangenheit konserviert. Die Inszenierung eines falschen Lebens im richtigen funktioniert insofern fast wie ein Hollywoodfilm; nicht umsonst bilden die Namen populärer Filmstars, als wären sie Platzhalter von Träumen, den Subtext des Films.

So ist es die Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit, die das in mehrfacher Hinsicht abweichende Verhalten der Krankenschwester mit dem Decknamen Monte Rosa (Aggeliki Papoulia) motivieren. Diese spielt zum Einen die immer deutlicher sexuell konnotierten Rollen einer Ladenbesitzer-Gattin sowie einer Frau, die mit einer Blinden befreundet ist; zum anderen aber übernimmt sie auf eigene Rechnung die Rolle eines 16-jährigen Mädchens, das bei einem Unfall tödlich verunglückt ist und vermischt dabei die Ebene des Rollenspiels mit ihrem Privatleben. Monte Rosa lebt noch mit ihrem Vater zusammen, was Yorgos Lanthimos nutzt, um mit unterkühltem Blick von einem ungestillten Liebesverlangen in einer Vater-Tochter-Beziehung zu erzählen. Dafür pervertiert er nicht nur die Struktur des Inzests, sondern er inszeniert darüber hinaus das hilflose Begehren der traurigen Heldin als aggressives Eindringen in den Familienleib. Der Tyrann straft das mit sadistischer Gewalt. Ob sich darin auch gesellschaftliche Machtverhältnisse spiegeln, lässt der Film offen. In der Rahmenhandlung - gerade hat die Gymnastin zum Instrumental der bekannten Melodie "Popcorn" getanzt - lässt Lanthimos die Schülerin zu ihrem väterlichen Lehrer über dessen fragwürdigen Erziehungserfolg jedenfalls sagen: "Du bist der beste Trainer der Welt."

Wolfgang Nierlin

Benotung des Films: (8/10)


Alpen
OT: Alpeis
Griechenland 2011 - 93 min.
Regie: Giorgos Lanthimos - Drehbuch: Efthimis Filippou, Yorgos Lanthimos - Produktion: Yorgos Lanthimos, Athina Rachel Tsangari - Kamera: Christos Voudouris - Schnitt: Yorgos Mavropsaridis - Verleih: Rapid Eye Movies - FSK: ab 12 Jahre - Besetzung: Aggeliki Papoulia, Aris Servetalis, Johnny Vekris, Ariane Labed, Stavros Psyllakis, Efthymis Filippou, Eftihia Stefanidou
Kinostart (D): 14.06.2012
Weitere Informationen: O.m.d.U.

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt1859446/
Pressespiegel auf filmz.de: http://www.filmz.de/film_2012/alpen/links.htm

Artikel teilen:          


Kommentare


Einträge: 0
im kino:aktuelldemnächst
kinostart: 11.09.2014

A Most Wanted Man

(USA / GB / D 2013; Anton Corbijn)
Der Spion, der es versiebte von Nicolai Bühnemann

A Most Wanted Man

(USA / GB / D 2013; Anton Corbijn)
Vorbildlich antiklimaktisch von Andreas Busche

Maps to the Stars

(CAN / USA / F / D 2014; David Cronenberg)
Big Trouble in der Lindenstraße von Ulrich Kriest
kinostart: 04.09.2014

Amma & Appa

(D 2014; Franziska Schönenberger, Jayakrishnan Subramanian)
The Chutneyfication of Kartoffelsalat von Carsten Moll

Erlöse uns von dem Bösen

(USA 2014; Scott Derrickson)
Padre Masters Satanas as Bana Goes Bananas von Drehli Robnik

Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit

(GB / I 2013; Uberto Pasolini)
Rest in peace von Wolfgang Nierlin

Sto Spiti - At Home

(GR 2014; Athanasios Karanikolas)
Erst kommt der Reichtum, dann die Moral von Ilija Matusko

The Texas Chainsaw Massacre (WA)

(USA 1974; Tobe Hooper)
Meat the Family von Nicolai Bühnemann
kinostart: 28.08.2014

Can A Song Save Your Life?

(USA 2014; John Carney)
Verlorene Sterne von Wolfgang Nierlin

Diplomatie

(D / F 2014; Volker Schlöndorff)
"Wir müssen reden ..." von Ulrich Kriest

Wolfskinder

(D 2013; Rick Ostermann)
Durchs wilde Ostpreußen von Ulrich Kriest
kinostart: 21.08.2014

Die langen hellen Tage

(GE / F / D 2013; Nana Ekvtimishvili, Simon Groß)
Brot und Kriege von Nicolai Bühnemann

Madame Mallory und der Duft von Curry

(USA 2014; Lasse Hallström)
Variationen vom Leipziger Allerlei mit Garam Marsala von Ulrich Kriest

Sag nicht, wer du bist!

(F / CA 2013; Xavier Dolan)
Lügen oder leben? von Ulrich Kriest

When Animals Dream

(DK 2014; Jonas Alexander Arnby)
Das Fremde in mir von Carsten Happe
kinostart: 14.08.2014

Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste

(D 2013; Isabell Suba)
Neues vom Nachwux von Ulrich Kriest

Night Moves

(USA 2013; Kelly Reichardt)
Wettlauf gegen die Zeitbombe von Andreas Thomas
kinostart: 07.08.2014

Kofelgschroa. Frei. Sein. Wollen.

(D 2014; Barbara Weber)
Bayerische Wurstigkeit und ein Hauch von Punk von Nicolai Bühnemann
kinostart: 31.07.2014

Die Innere Zone

(D / CH 2014; Fosco Dubini)
Äußerungen des Inneren von Dietrich Kuhlbrodt
kinostart: 24.07.2014

Drachenzähmen leicht gemacht 2

(USA 2014; Dean DeBlois)
Krieg und Fliegen von Lukas Schmutzer

Monsieur Claude und seine Töchter

(F 2014; Philippe de Chauveron)
Du glückliches Frankreich, heirate! von Lukas Schmutzer
auf dvd:aktuelldemnächst
bluray-start: 05.09.2014dvd-start: 05.09.2014

The Grand Budapest Hotel

(USA / D 2014; Wes Anderson)
Bitte nicht stören von Marit Hofmann

The Grand Budapest Hotel

(USA / D 2014; Wes Anderson)
Brennende Geheimnisse von Lukas Schmutzer

The Grand Budapest Hotel

(USA / D 2014; Wes Anderson)
Abwenden von der Realität von Ilija Matusko

Yves Saint Laurent

(F 2014; Jalil Lespert)
Wer nichts wagt, der nichts gewinnt von Ilija Matusko
bluray-start: 04.09.2014dvd-start: 04.09.2014

Das finstere Tal

(D / AT 2014; Andreas Prochaska)
Der Winter naht von Harald Steinwender

Das finstere Tal

(D / AT 2014; Andreas Prochaska)
Eine Geschichte von Gewalt von Lukas Schmutzer

Her

(USA 2013; Spike Jonze)
Die Stimme aus dem Off von Wolfgang Nierlin

Nymph()maniac 2

(DK / B / F / D / GB 2013; Lars von Trier)
Die Schweine sind immer die Männer von Andreas Busche

Nymph()maniac 2

(DK / B / F / D / GB 2013; Lars von Trier)
Sexgetränkt von Ilija Matusko

Nymph()maniac Teil 1

(F / B / DK / D 2013; Lars von Trier)
F**** dich, mein Herze, rein von Janis El-Bira
dvd-start: 29.08.2014

Hans Dampf

(D 2013; Jukka Schmidt, Christian Mrasek)
Drogen nehmen und rumfahren von Ulrich Kriest
bluray-start: 28.08.2014dvd-start: 28.08.2014

Transcendence

(USA / GB 2014; Wally Pfister)
Transzendenz und Elektroschrott von Nicolai Bühnemann
bluray-start: 22.08.2014dvd-start: 22.08.2014

Monuments Men - Ungewöhnliche Helden

(USA 2014; George Clooney)
Abschied vom Trauma: Raubkunstklamauk, Good Germans und Männer, die auf Bilder starren von Drehli Robnik

Monuments Men - Ungewöhnliche Helden

(USA 2014; George Clooney)
Terz, sentimental von Ulrich Kriest
dvd-start: 22.08.2014

Djeca - Kinder von Sarajevo

(BA / D / F / TR 2012; Aida Begic)
Im Wertevakuum von Wolfgang Nierlin

Nordstrand

(D 2013; Florian Eichinger)
Spröder werden von Ulrich Kriest

Viva la Libertà

(I 2013; Roberto Andò)
Überraschend nachdenklich von Wolfgang Nierlin
bluray-start: 07.08.2014dvd-start: 07.08.2014

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

(SW 2013; Felix Herngren)
Achselzuckend Atombomben zünden von Carsten Moll
bluray-start: 10.07.2014dvd-start: 10.07.2014

Das Mädchen und der Künstler

(ESP 2012; Fernando Trueba)
Skulptur der Trauer von Wolfgang Nierlin
dvd-start: 10.07.2014

Roland Klick Filme - DVD Collection

(D 2014; Roland Klick)
Schillernde Außenseiterfilme von Nicolai Bühnemann
bluray-start: 04.07.2014dvd-start: 04.07.2014

Only Lovers Left Alive

(D / USA / GB / F / CY 2013; Jim Jarmusch)
Alles dreht sich im Kreis von Dietrich Kuhlbrodt

Only Lovers Left Alive

(D / USA / GB / F / CY 2013; Jim Jarmusch)
Zeitgenossen der Menschheitsgeschichte von Wolfgang Nierlin

bücher

Lisa Andergassen u.a. (Hg.): Explizit! Neue Perspektiven zu Pornografie und Gesellschaft

Brain Sex

von Sven Jachmann

Georg Seeßlen: Lars von Trier goes Porno

Kollision der Systeme

von Nicolai Bühnemann

Daniela Sannwald: Lost in the Sixties. Über Mad Men

It′s a Mad, Mad, Mad (Men′s) World

von Harald Steinwender

interviews

"Ich glaube fundamental an genau gestellte Fragen. Sie sind die eigentliche, tiefe Bedeutung des Erzählens, ja, von Kunst überhaupt."

Ein Gespräch mit Götz Spielmann aus Anlass seines neuen Films "Oktober November"

von Ulrich Kriest

"Warum erzählen wir uns nicht gegenseitig unsere Geschichten?"

Ein Gespräch mit dem Regisseur Christian Schwochow über seinen neuen Film "Westen"

von Ulrich Kriest

"Ein schwimmendes Mosaik"

Ein Gespräch mit Philip Gröning über seinen Film "Die Frau des Polizisten"

von Ulrich Kriest

texte

Triumph für Peter Kern

Widerspenstig, radikal, unerhört

von Nicolai Bühnemann

Zum Tod von Harun Farocki

Sich treu bleiben, indem man sich verändert

von Ulrich Kriest

Die besten Filme von 2013

And the Winners are ...

festival

Berlinale 2014 - Notizen und Kritiken

Der Berlinale-Kanal der filmgazette

9. Achtung Berlin Festival 2013

von Ricardo Brunn

19. Internationales Filmfest Oldenburg 2012

Produktionsstandort Wohnzimmer

von Carsten Happe
Gesponsert: Heißer Trailer zu "Schoßgebete"
 
Tja, schon der Trailer von  „Schoßgebete“ berührt, nämlich peinlich. Dann zum Beispiel, wenn das Testament von Lavinia Wilson als Roman-Alter-Ego von Charlotte Roche verlesen wird und der Notar dem Alter-Ego des Ehemannes von Charlotte Roche, Jürgen „Stiftzahn“ Vogel vorliest, dass sie sich erstens von ihrer Asche wünscht, in die schwarze Mülltonne entsorgt zu werden, zweitens sich wünscht, dass er, also Vogel, doch nach ihrem Dahinscheiden möglichst schnell wieder (unfreiwillige Scherze sind eh die besten) vögeln solle, auch Großbusige seien erlaubt. Und drittens müsse sie (Lavinia, Elizabeth, Charlotte) bei Anal-Sex immer an Alice Schwarzer denken, weil diese den als männliche Dominanzausübung verstehe. Ich - liebe Leser - möchte hingegen nicht an Frauen denken müssen, die bei ihrem Analsex an Alice Schwarzer denken, im Gegenteil möchte ich nichts von Leuten wissen, die ihre privaten Trivialitäten nur so vor sich her tragen, wie einen schlechten Atem. Dabei war doch Charlotte Roche mal eine ganz gute und schlaue Musikmoderatin und auch als Talkmasterin hatte und hat sie immer pfiffige Ideen und Schlagfertiges zu bieten. Wer nur hat ihr geflüstert, es mit Literatur zu versuchen? – Jemand, der weiß, wie man in Deutschland Geld macht, offenbar. Ihr erster Roman „Feuchtgebiete“ ging weg wie warme Semmel, ohne gut geschrieben oder interessant zu sein, und ihr zweiter, „Schoßgebete“ hatte in wenigen Tagen die Verkaufszahlen aller möglichen Klassiker in den Schatten gestellt. Die Bücher von Roche, die jeweils eigentlich immer ziemlich überschaubar von einer Frau handeln, die der Roche doch auffallend ähnelt und die ihr Heil stets in sexueller Erfüllung incl. Gebrauchsanweisungen sucht, jedoch damit eigentlich immer irgendein persönliches Trauma (doofe Eltern: „Feuchtgebiete“, Autounfall: „Schoßgebete“) zu heilen trachtet, sind deshalb interessant, weil sie für so viele Deutsche interessant sind. Sie und ihre Verfilmungen, besonders eine wie diese von Sönke Wortmann, geben Aufschluss über die Lage einer Nation, die darniederliegt, und zwar zwischen sexuellen Details und bösen Traumata, die dann ja doch an allem Schuld sind (was in Wahrheit der neoliberale Kapitalismus so verzapft). Tja.
Dieser Artikel wurde gesponsert von Constantin Film!