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The Messenger - Die letzte Nachricht

(USA 2009; Regie: Oren Moverman)

Das letzte Kommando

foto: © senator
Für die letzten drei Monate seines Militärdienstes wird US-Sergeant Will Montgomery (Ben Foster) dem erfahrenen Captain Tony Stone (Woody Harrelson) zugeteilt. Ihre Aufgabe ist es, den Angehörigen im Kampf gefallener Soldaten als Erste die schlechten Nachrichten zu überbringen. Während Stone scheinbar ungerührt Dienst nach Vorschrift absolviert, leidet Montgomery unter dem Mangel an Empathie, den das Protokoll vorschreibt. Als der junge Soldat sich in die Witwe Olivia (Samantha Morton) verliebt, zeigt sich, dass sein Vorgesetzter labiler ist, als es den Anschein hat.

Das US-amerikanische Kino hat den gegenwärtigen Irak-Krieg aus vielen Perspektiven beleuchtet. Kathryn Bigelow inszenierte den Einsatz eines Bombenentschärfungskommandos in dem Oscar-prämierten "The Hurt Locker" ("Tödliches Kommando - The Hurt Locker"; 2008) als zermürbenden Kriegsthriller. Paul Haggis wählte für "In the Valley of Elah" ("Im Tal von Elah"; 2007) einen Zugang über die Mittel des Melodrams. Errol Morris′ Dokumentarfilm "Standard Operating Procedure" (2008) wiederum war ein aufwühlender Exkurs über US-Kriegsverbrechen.

Jeder dieser Ansätze hat seine Berechtigung, und all diese Filme zeugen von der fundamentalen Verunsicherung der Filmindustrie angesichts des unpopulären Kriegs in Irak. Gemein ist ihnen eine Tendenz zur Verinnerlichung, zur Reflexion, weg von der Darstellung unmittelbarer Kriegshandlungen. Auf der Ebene der Dramaturgie entfernt sich der Kriegsfilm immer weiter von den Wurzeln des Genres im Aktions- und Bewegungskino.

Oren Movermans eindringliches Drama "The Messenger" steht ganz in dieser Tradition. Das Regiedebüt des gebürtigen Israelis verzichtet auf eine aufdringliche Botschaft ebenso wie auf Actionsequenzen. Im Fokus stehen vielmehr die direkten und indirekten Traumatisierungen der Soldaten und ihrer Verwandten. Jeder Gang zu einem weiteren Angehörigen wird für die Überbringer der Todesbotschaft zur Herausforderung, denn individuelle Anteilnahme ist ihnen untersagt. Jedes ihrer Worte steht im Vorfeld fest, aber die Reaktionen der Angehörigen bleiben unkalkulierbar.

"The Messenger" ist nicht nur ein Kriegsfilm, der an der "Heimatfront" spielt, sondern auch ein Schauspielerfilm, der von seinen ausgezeichneten Darstellern lebt. Die Folgen der emotionalen Versteinerung, die der militärische Drill und das strenge Reglement aufzwingen, machen Ben Foster und Woody Harrelson ebenso deutlich wie den Abgrund, der sich unter ihrer mühsam aufrechterhaltenen Routine auftut. Im letzten Drittel wechselt "The Messenger" sein Erzähltempo und wagt den Anschluss an Klassiker des "New Hollywood"-Kinos. Wie in Hal Ashbys "The Last Detail" ("Das letzte Kommando"; 1973) werden Motive des Roadmovies und des Buddy-Films aufgegriffen. "The Messenger" bleibt jedoch ein bis zuletzt unbedingt sehenswertes Drama, das ohne vordergründige Effekte und falsches Pathos auskommt.

Dieser Text ist zuerst erschienen auf: www.br.de

Harald Steinwender

Benotung des Films: (9/10)


The Messenger - Die letzte Nachricht
OT: The Messenger
USA 2009 - 112 min.
Regie: Oren Moverman - Drehbuch: Alessandro Camon, Oren Moverman - Produktion: Benjamin Goldhirsh, Mark Gordon, Lawrence Inglee, Zach Miller - Kamera: Bobby Bukowski - Schnitt: Alexander Hall - Musik: Nathan Larson - Verleih: Senator - FSK: ab 12 Jahre - Besetzung: Ben Foster, Woody Harrelson, Samantha Morton, Jena Malone, Steve Buscemi, Eamonn Walker, Yada Dacosta, Lisa Joyce, Peter Francis James
Kinostart (D): 03.06.2010

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt0790712/
Pressespiegel auf filmz.de: http://www.filmz.de/film_2010/the_messenger_die_letzte_nachricht/links.htm

Trailer:


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