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Verrückt nach Steve

(USA 2009; Regie: Phil Traill)

Distanzverlust

foto: © 20th century fox
Die verhuschte Mary (Sandra Bullock) arbeitet als Kreuzworträtseldesignerin für ein kalifornisches Provinzblatt und lebt noch bei ihren Eltern. Um ihre komplexbeladene Tochter endlich zu verkuppeln, vermitteln diese ihr ein Blind Date. Wider Erwarten ist Mary äußerst angetan von Steve (Bradley Cooper). Doch mit ihren brachialen erotischen Avancen verschreckt sie den Fernsehkameramann. Kurz entschlossen beginnt sie, Steve von Drehort zu Drehort zu folgen - sehr zu dessen Verdruss.

Licht und Schatten liegen manchmal dicht beieinander. Und so brachte die diesjährige Oscar-Verleihung Sandra Bullock nicht nur eine der begehrten Trophäen für ihre Hauptrolle in dem Drama "Blind Side - Die große Chance" (2009; John Lee Hancock) ein. Am Tag zuvor erhielt die Schauspielerin für ihren Auftritt in der Komödie "Verrückt nach Steve" ("All About Steve"; USA 2009) auch die "Goldene Himbeere", den Anti-Oscar für die schlechteste Performance. So kam die 45-Jährige in das zweifelhafte Vergnügen, gleichzeitig zur besten und schlechtesten Darstellerin des Jahres gekürt zu werden. Das ist zumindest ein Novum in der amerikanischen Filmgeschichte.

In gewisser Weise ist Phil Traills gründlich vergeigtes Kinodebüt tatsächlich das negative Spiegelbild des bisweilen arg kitschigen Sportlerdramas "Blind Side - Die große Chance". In der Integrationsgeschichte verkörperte Bullock eine patente Mentorin, die selbstbewusst einen lernbehinderten Jungen in die Gesellschaft integriert. Umgekehrt zeigt "Verrückt nach Steve" Bullock nun als sozial auffällige Außenseiterin - hyperaktiv, distanzlos, manisch-depressiv.

Dabei erweist sich gerade Bullocks Figur als Geduldsprobe für das Publikum. Mit geschmacklosem Batik-Kleidchen und feuerwehrroten Lackstiefeln verunstaltet, stolpert die Schauspielerin chargierend durch den lieblosen Plot und präsentiert vor allem ein aufgesetzt-nervöses Dauergrinsen und fahrige Gesten. Ihr Filmpartner Bradley Cooper als unwilliges Objekt der Begierde wirkt dagegen meist nur peinlich berührt. Einzig Thomas Haden Church als dümmlicher Reporter bringt etwas Stil in das aufwändig produzierte Desaster.

Das Ärgerlichste an der verklemmten Klamotte ist, dass sie die psychischen Probleme ihrer Hauptfigur gezielt für billige Witze ausschlachtet. So fällt Drehbuchautorin Kim Barker als Gipfel des Humors nichts anderes ein, als die Dauerquasselstrippe Mary in einer lahmen Anspielung auf Billy Wilders "Reporter des Satans" ("Ace in the Hole"; 1951) in einem stillgelegten Bergwerksstollen mit einem taubstummen Kind stranden zu lassen. Selbst die Farrelly-Brüder, an deren derb-geschmacklosen Kassenerfolg "Verrückt nach Mary" ("There's Something About Mary"; 1998; Peter & Bobby Farrelly) der deutsche Verleih mit der Titelwahl anzuknüpfen versucht, zeigten immerhin ein wenig Zuneigung für ihre Figuren. Davon ist in dieser seelenlosen Travestie nichts zu spüren, die einzig durch die Verweigerung eines Happy Ends überrascht.

Dieser Text ist zuerst erschienen auf: www.br.de

Harald Steinwender

Benotung des Films: (1/10)


Verrückt nach Steve
OT: All about Steve
USA 2009 - 101 min.
Regie: Phil Traill - Drehbuch: Kim Barker - Produktion: Sandra Bullock, Mary McLaglan - Kamera: Tim Suhrstedt - Schnitt: Rod Dean, Virginia Katz - Musik: Christophe Beck - Verleih: 20th Century Fox - FSK: ab 6 Jahre - Besetzung: Sandra Bullock, Bradley Cooper, Thomas Haden Church, Katy Mixon, Sara Sanderson, Ken Jeong, Keith David, Howard Hesseman, Beth Grant
Kinostart (D): 29.04.2010

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt0881891/
Pressespiegel auf filmz.de: http://www.filmz.de/film_2010/verrueckt_nach_steve/links.htm

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