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Habermann

(Deutschland / Österreich / Tschechische Republik 2010; Regie: Juraj Herz)

Sudetenland ist abgebrannt

foto: © farbfilm
August Habermann (Mark Waschke) ist ein erfolgreicher sudetendeutscher Holzfabrikant und bereitet seine Hochzeit mit der Tschechin Jana (Hannah Herzsprung) vor. Als deutsche Truppen in der Folge des "Münchner Abkommens" im Oktober 1938 das Sudetenland besetzen, erfährt Habermann, dass seine Ehefrau nach den "Nürnberger Rassegesetzen" als "Halbjüdin" gilt. Um Jana zu schützen, arrangiert er sich mit dem fanatischen SS-Sturmbannführer Kurt Koslowski (Ben Becker). Bald gerät er zwischen die Fronten von deutschen Besatzern und tschechischer Bevölkerung.

Der slowakische Filmemacher Juraj Herz ist vornehmlich für seine Märchenverfilmungen sowie für die exzentrische Geschichtsparabel "Spalovac mrtvol" ("Der Leichenverbrenner"; 1969) bekannt. Mit der deutsch-tschechisch-österreichischen Koproduktion "Habermann" versucht sich der heute 76-Jährige nun an einem Weltkriegsdrama, das neben dem NS-Terror auch die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Kriegsende thematisiert. Das an sich legitime Unterfangen wird allerdings von der Inszenierung des Films unterlaufen, die so subtil wie ein Hieb mit einem Vorschlaghammer ist.

Besonders ärgerlich sind die reißerischen, mitunter kolportageartigen Elemente des Films, die durch den aufdringlich emotionalisierenden Score von Elia Cmiral zusätzlich herausgestrichen werden. Die Schlusssequenz des Films ist in dieser Hinsicht bezeichnend. Hier versteigt sich Herz dazu, nicht nur den Pogrom eines tschechischen Mobs gegen die Sudetendeutschen zu inszenieren, bei dem er den "volksdeutschen" Helden Habermann zum christlichen Märtyrer stilisiert. Die blutrünstige Kolportage gipfelt zusätzlich in einer absichtsvoll geschichtsrevisionistischen Bildallegorie, mit der die Vertreibung der Sudetendeutschen zur historischen Neuauflage der Deportation der europäischen Juden wird.

Abgesehen von solchen im Gestus des Tabubruchs dargebotenen Set-Pieces krankt "Habermann" an seinem unausgegorenen Drehbuch, das sich durch schlecht orchestrierte Figuren und sperrige Dialoge auszeichnet, die von den wild chargierenden Darstellern kaum mit Leben gefüllt werden. So gelingt es Mark Waschke nicht, seinen Habermann als zerrissenen Helden glaubhaft zu machen, Wilson Gonzalez Ochsenknecht spielt stocksteif, selbst die durchaus talentierte Hannah Herzsprung bleibt blass. Ben Becker wiederum nimmt es sportlich und agiert als herrischer Sturmbannführer so überzogen, dass die stereotyp angelegte Figur immerhin als irrwitzige Karikatur des typischen Leinwand-Nazis durchgeht. Einzig Radek Holub gelingt es, in dem zu Tiefstleistungen angeleiteten Ensemble durch einigermaßen nuanciertes Spiel aufzufallen.

Sicherlich hat der in erdige Farben gehaltene und stimmig ausgestattete "Habermann" zumindest ästhetisch seine Momente. Herz und seinem Kameramann Alexander Surkala gelingen immer wieder technisch beeindruckende Sequenzen, etwa wenn die entfesselte Kamera beim Hochzeitswalzer mit der Braut durch die Menschenmenge tanzt. Für einen akzeptablen Film reicht dies aber nicht aus. Politisch ist "Habermann" sowieso eine Frechheit. Wieso der Film beim "Bayerischen Filmpreis" eine Auszeichnung für die "beste Regie" erhielt und von der Wiesbadener Film- und Medienbewertungsstelle FBW mit dem "Prädikat besonders wertvoll" ausgezeichnet wurde, wird wohl ein Geheimnis bleiben.

Harald Steinwender

Benotung des Films: (0/10)


Habermann
OT: Habermann
Deutschland / Österreich / Tschechische Republik 2010 - 104 min.
Regie: Juraj Herz - Drehbuch: Wolfgang Limmer - Produktion: Karel Dirka, Jan Kudela, Pavel Novy - Kamera: Alexander Šurkala - Schnitt: Melanie Werwie - Musik: Elia Cmiral - Verleih: farbfilm - FSK: ab 12 Jahre - Besetzung: Mark Waschke, Hannah Herzsprung, Ben Becker, Franziska Weisz, Karel Roden, Wilson Gonzalez Ochsenknecht
Kinostart (D): 25.11.2010

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt1380799/
Pressespiegel auf filmz.de: http://www.filmz.de/film_2010/habermann/links.htm

Trailer:


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