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Der Freund meiner Freundin

(Frankreich 1987; Regie: Eric Rohmer)

Zu neuen Ufern

foto: © arthaus
In einer modernen Trabantenstadt vor den Toren von Paris begegnen sich die junge Beamtin Blanche (Emmanuelle Chaulet) und die Studentin Lea (Sophie Renoir) und freunden sich an. Die selbstsichere Lea, mit dem gutaussehenden Fabien (Eric Viellard) liiert, kümmert sich sofort um das Liebesglück der schüchternen Blanche: Der erfolgreiche Alexandre (François-Eric Gendron) ist ihrer Meinung nach genau der Richtige. Doch dann nähern sich Blanche und Fabien in Abwesenheit Leas einander an …

Mit "Der Freund meiner Freundin" findet Rohmers sechsteilige Reihe Comédies et proverbes ihren mehr als versöhnlichen Abschluss. Nach all den fehlgeschlagenen Beziehungskonzepten und unglücklich verlaufenden Liebschaften der vorangegangenen Beiträge entlässt Rohmer am Ende dieses Films gleich zwei Liebespaare in eine hoffentlich glückliche Zukunft. Und passend dazu ist "Der Freund meiner Freundin" leicht, verspielt und frei von den quälenden Selbsterkenntnisprozessen, denen etwa die Protagonistinnen von "Vollmondnächte" oder "Das grüne Leuchten" ausgesetzt waren. Deutete Rohmer zuvor immer wieder an, dass das Konzept der monogamen Liebesbeziehung in der Postmoderne kaum noch lebbar ist, zeichnet sich hier der Silberstreif am Horizont ab. Das schlägt sich nicht zuletzt in der Acrhitektur des Films nieder, die das hervorstechendste Merkmal von Rohmers Inszenierung ist. "Der Freund meiner Freundin" spielt in einer luxuriösen Wohnsiedlung, in der Moderne und Renaissance einander die Hand reichen und die von weitläufigen Freizeitanlagen gesäumt ist, die den Protagonisten Gelegenheit für die Rohmer-typischen kontemplativen Ausflüge in die Natur geben. Es stellt sich die Frage, ob diese Kunststadt abseits der Stadt tatsächlich eine mögliche, dauerhafte Utopie darstellt.

"Der Freund meiner Freundin" ist vielleicht der zugänglichste und leichteste Film der Reihe und gut für einen Einstieg ins Werk Rohmers geeignet, dessen Inszenierungsstil zunächst eine echte Herausforderung für den Zuschauer darstellt: Die breiten Dialoge lenken oft vom Bild ab und suggerieren, hier fände eben nur Theater auf der Leinwand statt. Erst nach einiger Eingewöhnungszeit fallen einem dann die vielen Feinheiten der Regie auf, etwa die wichtige Rolle von Set-Designs und Dekor: Man achte etwa auf die Platzierung der Accessoires in Blanches Büro oder die letzte Szene, in der die vier Protagonisten entweder Grün oder Blau tragen und so noch einmal das Bäumchen-Wechsel-Dich-Spielchen des vorangegangenen Films pointieren. Der erste Seheindruck ist sicherlich der eines besonders "nackten" Stils - und das ist in gewisser Hinsicht auch richtig, etwa was die Verwendung von Musik oder des "Fernsehformats" von 1,33:1 angeht (aus dem Zyklus Comédies et proverbes ist nur "Pauline am Strand" nicht in diesem Format). Dennoch passiert in Rohmers Filmen sehr viel mehr, als es zunächst den Anschein hat, was ihren nicht unerheblichen Reiz ausmacht. Wahre Schönheit drängt sich nur selten auf. Das gilt für das Leben genauso wie für Rohmers Filme.

Dieser Text erschien zuerst in: Remember it for later

Oliver Nöding

Benotung des Films: (8/10)


Der Freund meiner Freundin
OT: Le ami de mon amie
Frankreich 1987 - 103 min.
Regie: Eric Rohmer - Drehbuch: Eric Rohmer - Produktion: Margaret Ménégoz - Kamera: Bernard Lutic - Schnitt: María Luisa García - Musik: Jean-Louis Valéro - Verleih: Arthaus - FSK: ab 12 Jahren - Besetzung: Emmanuelle Chaulet, François-Eric Gendron, Anne-Laure Meury, Sophie Renoir, Eric Viellard
Kinostart (D): 14.04.1988

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt0092550/

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