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The Big Eden

(Deutschland 2011; Regie: Peter Dörfler)

Jede Sekunde schön leben

foto: © senator / universum
Der für seine Anschauungen aufschlussreichste Satz des berühmten Playboys und Lebemanns Rolf Eden fällt gleich zu Beginn von Peter Dörflers Dokumentarfilm "The Big Eden" und lautet: "An den Tod denke ich nie." Und weil nach dem Leben nichts mehr komme, gelte es, "jede Sekunde schön zu leben". Die Kunst der Verdrängung ist also ebenso Programm wie der gesteigerte Weltbezug; an die Stelle der Transzendenz tritt beim Partykönig Eden ein ekstatisches Lebensgefühl. Und dies drückt sich für ihn vor allem in seiner Liebe zu Frauen und Geld aus. Der materialistische Zusammenhang zwischen beidem ist für Eden ebenso offensichtlich wie einfach: "Wenn man Geld hat, hat man Frauen." Und diese Überzeugung des vom Glück begünstigten Gegenwartsfanatikers scheint das bewegte Leben des 80-Jährigen reichlich zu bestätigen.

Den biographischen Spuren und persönlichen Ausprägungen dieses Lebens folgt Peter Dörfler durch einen intimen Perspektivwechsel, indem er Edens verzweigte Familie zu Wort kommen lässt. Sieben Kinder von sieben Frauen zählt der Porträtierte zu seinen Nachkommen und von ihnen äußeren sich einige überraschend wohlwollend und hellsichtig vor der Kamera. Edens enthusiastischer Narzissmus, dokumentiert in zahlreichen Privatfilmen, seine kindliche Sehnsucht nach ewiger Jugend und Schönheit (wofür er sich mehrmals Liften ließ), seine Unterhaltungssucht sowie seine Lust an der Selbstinszenierung verdichten sich dabei zu den hervorstechendsten Merkmalen dieses "Spielers" und "Manipulators". "Die anderen größer machen als sie sind", lautet Edens Maxime. Dem entspricht wiederum, dass viele Geliebte und Freunde noch Jahr später von seiner Großzügigkeit bewegt sind.

Doch trotz dieser Einblicke und Einsichten bleibt ein blinder Fleck, den Peter Dörflers filmische Strategie bewusst offen hält. Indem der Film die Jugend des 1930 in Berlin geborenen Juden Shimon Eden  während seiner Zeit in Palästina und seine Erfahrungen im Unabhängigkeitskrieg von 1948 nachzeichnet, liefert Dörfler zwar mögliche Erklärungen für dessen forcierte Verdrängung der Vergangenheit und ihrer Schrecken, trotzdem geht es in seinem Film nicht um die Suche nach dem "wahren Kern" des Porträtierten. Einer seiner klugen Söhne spekuliert gar, dass es einen solchen möglicherweise gar nicht gebe. Gefühle wie Eifersucht, Trauer und Schmerz bleiben jedenfalls ausgespart. Auch wenn sich darin Edens Arbeit an der eigenen Legende ausdrücken mag, bleibt dies doch auch Quelle einer Beunruhigung: Dass die Hülle vielleicht alles ist und der schöne Schein des Lebens dessen Essenz.

Wolfgang Nierlin

Benotung des Films: (7/10)


The Big Eden
OT: The Big Eden
Deutschland 2011 - 93 min.
Regie: Peter Dörfler - Drehbuch: Peter Dörfler - Produktion: Benny Drechsel, Karsten Stöter - Kamera: Peter Dörfler - Schnitt: Peter Dörfler - Verleih: Senator / Universum - Besetzung: (Mitwirkende) Rolf Eden, Brigitte, Ursula Buchfellner, Joram Kaniuk, Menahem Golan
Kinostart (D): 08.12.2011
DVD-Start (D): 11.05.2012

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt1634898/
Pressespiegel auf filmz.de: http://www.filmz.de/film_2011/the_big_eden/links.htm
Pressespiegel auf film-zeit.de: http://www.film-zeit.de/Film/22391/THE-BIG-EDEN/Kritik/

Details zur DVD:
Bild: 2.35:1 (anamorph) - Sprache: Deutsch (DD 5.1) - Untertitel: keine - Extras: geschnittene Szenen, Super 8-Aufnahmen aus dem Privatarchiv von Rolf Eden - FSK: ab 12 Jahre - Verleih: Senator / Universum

Trailer:


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