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Herzensbrecher

(Kanada 2010; Regie: Xavier Dolan)

Schwärmerei und Selbsttäuschung

foto: © kool
"Das einzig wahre auf der Welt ist das Gefasel über Liebe", lautet das Zitat von Alfred de Musset, mit dem der junge kanadische Regisseur Xavier Dolan seinen zweiten Film "Les amours imaginaires" ("Herzensbrecher") einleitet. Und dann reden junge Menschen beiderlei Geschlechts, ähnlich wie in Woody Allens "Husbands and wifes" oder auch Jean-Luc Godards "Masculin-féminin", frontal in die Kamera über die Wechselfälle der Liebe, über Gefühle des Glücks und des Kummers, über den hoffnungsvollen Beginn und das Scheitern von Beziehungen und über ihre sexuelle Orientierung. Dabei setzt ein abruptes Zoom der Kamera die einzelnen Statements immer wieder in Schwingung und durchbricht damit die dokumentarische Fiktion.

Diese gespielten, ganz und gar nicht ernsten Interviews fungieren als Rahmenhandlung und strukturierendes Element für eine Dreiecksgeschichte der dezidiert vordergründigen Art. Mit bemerkenswerter visueller Phantasie, mit lustvoller Experimentierfreudigkeit und witzigen Einfällen inszeniert Dolan geschmackvolle Oberflächen und die Faszination am Schönen. Überraschende Perspektiven, poppige Farben, monochrome Räume, eine "anachronistische" Mode und traumwandlerische, von Dalida und Bach begleitete Körperbewegungen in slow motion visualisieren den einfältigen, flüchtigen Geschmack von Gefühlen, dem die Protagonisten verhaftet sind. Es ist ein Referenzsystem aus Zeichen und Oberflächen, das Dolan zusätzlich und dabei spielerisch mit Zitaten aus Film, Literatur und Kunst anreichert. Denn in "Les amours imaginaires", so der 1989 in Montreal geborene Filmemacher, ist "der Stil wichtiger als der Inhalt".

"Dies ist eine Geschichte über eingebildete Liebe", sagt Xavier Dolan über seinen von eigenen Erlebnissen inspirierten Film. Darin spielt er selbst den homosexuellen, romantisch veranlagten Francis, der sich gleichzeitig mit seiner besten Freundin Marie (Monia Chokri), einer eleganten, stolzen Schönheit, in den umschwärmten "Herzensbrecher" Nicolas (Niels Schneider) verliebt. Der engelhafte, blondgelockte Adonis ist ein schamloser Verführer, der scheinbar unschuldig seine Sympathien nach allen Seiten verteilt. Vor allem aber ist er eine Projektionsfläche für die narzisstischen Liebesphantasien und unerwiderten Gefühle seiner Verehrer, die sich alsbald eifersüchtig belauern und ihre aufkeimende Rivalität nur notdürftig durch ihre Freundschaft kaschieren. Zwischen Ungewissheit und schmerzlicher Enttäuschung suchen Marie und Francis, die man immer wieder beim lustlosen Sex mit wechselnden Partnern sieht, nach der wahren Liebe. Doch sie verheddern sich mit ihren Versteckspielen im schillernden Dickicht schwärmerischer Gefühle und bemerken dabei zu spät ihre Selbsttäuschungen.

Wolfgang Nierlin

Benotung des Films: (8/10)


Herzensbrecher
OT: Les amours imaginaires
Kanada 2010 - 95 min.
Regie: Xavier Dolan - Drehbuch: Xavier Dolan - Produktion: Xavier Dolan, Daniel Morin, Carole Mondello - Kamera: Stéphanie Anne Weber Biron - Schnitt: Xavier Dolan - Musik: Xavier Dolan - Verleih: Kool - FSK: ab 12 Jahre - Besetzung: Monia Chokri, Niels Schneider, Xavier Dolan, Anne Dorval, Anne-Élisabeth Bossé, Magalie Lépine-Blondeau, Olivier Morin, Éric Bruneau
Kinostart (D): 07.07.2011

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt1600524/
Pressespiegel auf filmz.de: http://www.filmz.de/film_2011/herzensbrecher/links.htm
Pressespiegel auf film-zeit.de: http://www.film-zeit.de/Film/22153/HERZENSBRECHER/Kritik/

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