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Get Out

(USA 2017; Regie: Jordan Peele)

The Horror, the horror

foto: © universal
"Der kleine Haley Joel Osment in ›The Sixth Sense‹ kann Tote sehen. Und ich kann Rassisten sehen." Jordan Peeles Gabe hat sowenig mit Übersinnlichem zu tun wie der Kern seines Mysterythrillers "Get Out": Der social horror lässt dich "die Welt durch die Augen einer schwarzen Person sehen" - durch die oft schreckgeweiteten von Chris, der als Fotograf aufs Beobachten gepolt ist.

Du steigst mit ins Auto, als deine neue weiße Freundin dich ihren Eltern vorstellen will. Die seien keine Rassisten, hätten Obama gern noch ein drittes Mal gewählt. Die Begrüßung fällt überschwenglich aus, aber das schwarze Hauspersonal redet auch dann noch in höflichen Phrasen, wenn ihm Tränen über die Wangen rinnen. Und du siehst eine auf Hypnose spezialisierte Psychiaterin in der Teetasse rühren.

Auf der Gartenparty starrt dich das Horrorkabinett einer alten weißen Elite mit vom Reichtum entstellten Gesichtern an, bewundert deinen trainierten Körper, fasst dich an. Du erlebst auch weniger subtilen Rassismus, die Standardsituation: Ein Polizist verlangt grundlos deine Papiere (der britische Hauptdarsteller Daniel Kaluuya verklagte im Real-Life-Horror bereits die Londoner Polizei, die ihn als vermeintlichen Dealer eingesperrt hatte).

Nachdem du all das stoisch ertragen hast, musst du wohl oder eher übel kämpfen. Denn auch die Weißen in diesem Black-Lives-Splatter sind scharf darauf, durch deine Augen zu sehen - allerdings wollen sie dich dafür zur Marionette machen. Während Hollywood gerade wieder wegen Whitewashings (der Mangaverfilmung "Ghost in the Shell") kritisiert wird, landet nun nach Oscar-Gewinner "Moonlight" ein weiterer Film von und mit Schwarzen einen Überraschungserfolg in Trumps Amerika. Waren sie im Horrorgenre oft nur das erste Todesopfer, überträgt Peele hier das Umpolen von Frauen etwa in "The Stepford Wives" auf den schwarzen Körper. "Dieser Film zeigt", sagt Kaluuya, "wie Rassismus sich anfühlt. Du wirst paranoid und kannst nicht drüber reden."

Die Soundeffekte sind zum Fürchten, satirische Elemente und der Comedian Lil Rel Howery, mit denen der als Komiker bekannte Peele das Genre auflockert, zum Lachen. Anders als in dem geistreich beginnenden "Split" vom selben Produzenten gerät hier der Showdown nicht nur zum dumpfen Gemetzel. Als der rettende Polizeiwagen zu kommen scheint, hebt das Opfer die Hände. Du weißt: Als Schwarzer kannst du jeden Moment erschossen werden.

Dieser Text ist zuerst erschienen in: Konkret

Hier und hier gibt es weitere Kritiken zu "Get Out".

Marit Hofmann

Benotung des Films: (7/10)


Get Out
USA 2017 - 103 min.
Regie: Jordan Peele - Drehbuch: Jordan Peele - Produktion: Jason Blum - Kamera: Toby Oliver - Schnitt: Gregory Plotkin - Musik: Michael Abels - Verleih: Universal - FSK: ab 16 Jahren - Besetzung: Daniel Kaluuya, Allison Williams, Catherine Keener, Bradley Whitford, Caleb Landry Jones, Marcus Henderson, Betty Gabriel, Lakeith Stanfield, Stephen Root
Kinostart (D): 04.05.2017

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt5052448/

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