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Astronaut Farmer

(USA 2006; Regie: Michael Polish)

Familiäre Wärme

foto: © koch media
Wieder diese epischen Westernhorizonte. Vor der glutrot untergehenden Sonne vorbei reitet der Lonely Cowboy, doch nein, jetzt fällt Licht auf den weiß reflektierenden Raumanzug. Ein Mann muss tun, was er tun muss, und er muss es allein tun gegen den Widerstand von Patriot Act, CIA und FBI, nämlich mit der selbstgebauten Rakete ins Weltall zu fliegen. Und zurück. Unser Astronautbauer (Billy Bob Thornton) verwirklicht seinen Traum, den uramerikanischen Traum. Schlimm nur, dass der Ehering verloren geht (keine Angst, er ist dann wieder da, und wir weinen vor Glück). Die Farmerfamilie, autark, ist die Einheit, aus der heraus der Mann erfolgreich operieren kann. Eine glückliche Basis. Zuversicht strahlt aus den Augen von Weib und Kind, lachende Münder in Großaufnahme, es ist nicht zum Aushalten, und wir wissen nicht, wenn ich mal für die Zuschauer sprechen darf, ob wir lachen oder weinen sollen.

Klischee? Parodie? Nach einigem Schwanken findet man Halt auf dem Grat. Michael und Mark Polish (Buch, Regie, Produktion) haben es raus, ihre schönen Bildtotalen vom Poetisch-Surrealen immer wieder in Parodie und Satire zu kippen. Die Familie, die lustigen Kinderlein (es sind der Polish-Brüder eigene) sind nicht da, um Werte zu verkörpern, sondern um gegen die Allmacht von Staat und gegen den Kontrollwahn zu kämpfen. Oder anders gesagt, dezidiert selbstreflexiv: angesichts der gegenwärtigen Lage zurück zur Independent-Strategie. Drum haben die Polish-Brüder soeben ein Printwerk geschrieben, das sich als Leitfaden für unabhängige Nachwuchs-Regisseure versteht. Der Independent Farmer wird dadurch zu unser aller Vorbild, freilich fern von Diskurs, Argumentation, Theorie und Dogma, dafür einladend durch Bild, Ton, familiäre Wärme (nein, hier kein Mief!!) und klasse Country Music.

Mögen wir Intellektuelle auch die linke Augenbraue hochziehen, Film ist nun mal Bildwerk, und damit bleiben Fragen offen. Immerhin sind wir uns doch wohl einig, dass eine Familie wie die unseres lonely Astronautboys sehr wohl eine Zelle im Independentkampf sein kann. Ganz real haben die Polish-Brüder in den letzten Jahren Raketen-Filme wie "Twin Falls Idaho","Jackpot" und "Northfolk" in das Hollywood-Weltall geschossen und dabei die herzigen Kinder produziert, die uns in "Astronaut Farmer" anstrahlen. Die alte, neue Independence hochzuhalten gegen die bösen Systeme, - das ist romantisch und aktionistisch zugleich, magischer Realismus und Handlungsanleitung. Ej, da kommt der Rocket Man. Elton John auf der Tonspur!

Dieser Text erschien zuerst in: Konkret 01/2008

Dietrich Kuhlbrodt



Astronaut Farmer
OT: The Astronaut Farmer
USA 2006 - 104 min.
Regie: Michael Polish - Drehbuch: Michael Polish - Produktion: Len Amato, Mark Polish, Michael Polish, Paula Weinstein - Kamera: M. David Mullen - Schnitt: James Haygood - Musik: Stuart Matthewman - Verleih: Koch Media - FSK: ab 12 Jahren - Besetzung: Billy Bob Thornton, Virginia Madsen, Max Thieriot, Jasper Polish u.a.
Kinostart (D): 27.12.2007

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt0469263/
Pressespiegel auf filmz.de: http://www.filmz.de/film_2007/astronaut_farmer/links.htm
Pressespiegel auf film-zeit.de: http://www.film-zeit.de/Film/19321/ASTRONAUT-FARMER/Kritik/

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