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The Zero Theorem

(Großbritannien / Rumänien 2013; Regie: Terry Gilliam)

Zukunftsforschung ohne Auftrag

foto: © concorde
Science-Fiction-Filme gibt′s zurzeit wie Sand am Meer, übermäßig gut sind sie aber nicht. Die filmischen Zukunftsentwürfe haben oft nicht das Zeug, die Zukunft zu entwerfen. Terry Gilliam hat mit "Brazil" 1985 schon mal vorgemacht, wie ein guter Film aussehen kann. Mit "Twelve Monkeys", dem zweiten Teil seiner an George Orwell orientierten Reihe, wurde es schon etwas artifiziell; mit dem Abschluss "The Zero Theorem" lässt er einen kopfschüttelnd zurück.

Die Geschichte um den verschrobenen Qohen Leth, der die Null ausrechnen soll, die für die letzte Frage der Menschheit steht, packt einen nicht. Der Film verharrt beinahe ausschließlich in einer ausrangierten Kirche. Dort kämpft Computerarbeiter mit "Management", einer diffusen, aber gut angezogenen Überwachungsinstanz. Seit Jahren wartet Qohen auf einen wichtigen Anruf; und sollten seine Forschungen erfolgreich sein, stellt ihm sein Auftraggeber die Erfüllung seiner Wünsche in Aussicht. Störend wirkt sich da der Besuch der Internetstricherin Bainsley aus - eine Cindy Lauper auf Speed, die ihn recht freizügig ablenkt.

Um seine Geschichte in Szene zu setzen, benutzt Gilliam recht ausrangierte Bilder. Qohen trägt einen Virtual-Reality Ganzkörperanzug, den die Hobbits genäht haben könnten. Die Storyline sagen die Figuren mit dem Vokabular alter Rechner im Gestus eines antiimperialistischen Agendasettings ("die da oben") auf. Oh mein Gott, sie haben einen Riesenzentralcomputer, der alles kontrolliert! Aussehen tut er wie die Dampfturbinen in der Titanic, laufen tut er, glaub′ ich, mit Kohle. Und die Gedankengebäude, die Qohen im Terminal zusammenbaut, gemahnen an Atari-Tetris.

Ergo: Internetkritik für Leute ohne Internet. Am härtesten aber ist die Schauspielertruppe. Mit Christoph Waltz und Tilda Swinton sind die Spitzenkräfte des verkleideten Overactings am Start. Was sie an Handlung nachstellen, ist so wenig, das hätte man auch malen können. Welche Filmkritik brauchen wir, fragt sich dieser Tage die Zunft der Filmkritiker, weil sie angeblich immer weniger gebraucht werden; ihr Verband veranstaltet eine Diskussionsrunde nach der anderen. Auch die Regisseure stellen langsam mal ihre Arbeit infrage -  holprig zwar noch wie David Fincher unlängst im "Spiegel". Ja, fragt mal. Vielleicht braucht es ganz andere Schauspieler, Erzählungen, Bilder - andere Kunst. Überhaupt Filmkunst. Es gibt kein richtiges Kino im falschen Film.

Dieser Text ist zuerst erschienen in: Konkret 12/2014

Eine weitere Kritik zu "The Zero Theorem" gibt es hier.

Jürgen Kiontke

Benotung des Films: (2/10)


The Zero Theorem
Großbritannien / Rumänien 2013 - 107 min.
Regie: Terry Gilliam - Drehbuch: Pat Rushin - Produktion: Nicolas Chartier, Dean Zanuck - Kamera: Nicola Pecorini - Schnitt: Mick Audsley - Musik: George Fenton - Verleih: Concorde - FSK: ab 12 Jahren - Besetzung: Matt Damon, Christoph Waltz, Ben Whishaw, Tilda Swinton, Peter Stormare, David Thewlis, Dana Rogoz, Mélanie Thierry, Lucas Hedges, Sanjeev Bhaskar, Emil Hostina, Tudor Istodor, George Remes, Olivia Nita, Radu Andrei Micu
Kinostart (D): 27.11.2014

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt2333804/

Trailer:


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Hallo Tom, danke für deinen Kommentar, aber was genau ist damit gemeint? Wie verhält sich das zur Kritik von Julia Olbrich?