filme 0-9 a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z     

Machete Kills

(USA / Russland 2013; Regie: Robert Rodriguez)

Faster, Machete! Kill! Kill!

foto: © universum
Da ist sie also, Robert Rodriguez' Fortsetzung der Trash-Extravaganz "Machete" von 2010. "Trained to kill. Left for dead. Back for more", verspricht die tag line. Der Plot ist so abstrus, wie es zu erwarten war: Nach einem missglückten Einsatz gegen mexikanische Waffenhändler, bei dem seine Partnerin (Jessica Alba) getötet wurde, wird der Ex-Federale "Machete" Cortez (Danny Trejo) von US-Präsident Rathcock (Charlie Sheen) damit beauftragt, den Waffenhändler Mendez (Demián Bichir) auszuschalten. Im Gegenzug soll er die US-Staatsbürgerschaft erhalten. In Mexiko bekommt es Machete zusätzlich mit einem kapriziösen Auftragsmörder und dem wahnsinnigen Unternehmer Luther Voz (Mel Gibson) zu tun, der mit einer Atombombe Washington vernichten und im Anschluss im Weltraum mit einer Armee aus geklonten Supersoldaten eine neue Gesellschaft errichten will.

Die Hauptrolle des wortkargen Messerkämpfers übernimmt wie schon im ersten Teil der vor allem als Nebendarsteller bekannt gewordene, mittlerweile 69-jährige Schauspieler Danny Trejo - ein Mann wie eine Bulldogge, mit pockennarbigem Gesicht, das von einem Walrossschnurrbart verunstaltet ist und der ein natürliches Missverhältnis zu Mode zu besitzen scheint: An ihm sieht jedes Kleidungsstück unpassend aus; Hosen prinzipiell sackartig, Jacken unförmig. Wie in dem comichaften Vorgängerfilm zelebriert Rodriguez in "Machete Kills" lustvoll die Klischees, die Mexikaner und US-Amerikaner über ihren jeweiligen Grenznachbarn hegen und attackiert polemisch die Anti-Einwanderungskampagnen US-amerikanischer Reaktionäre. Auch diesmal geht das Schauspiel nicht ohne ausgewalzte - und weitgehend computergenerierte - Gewaltszenen über die Bühne, bei denen ganze Armeen von gesichtslosen Gegnern niedergemacht und schon mal von einer Schiffsschraube oder den Rotorblättern eines Helikopters in blutigen Brei verwandelt werden. Die FSK hat dieses absurde Theater der Grausamkeiten erfreulicherweise ungekürzt ab 16 freigegeben, was wohl darin begründet ist, dass kaum ein Zuschauer "Machete Kills" auch nur ansatzweise ernst nehmen dürfte.

Tatsächlich ist die Handlung für Rodriguez, der nicht nur als Regisseur, sondern auch als Kameramann und Produzent, Co-Cutter, Co-Ideengeber und Co-Komponist fungiert, bestenfalls zweitrangig. Der Plot von "Machete Kills" bedient sich mit lässiger Nonchalance und Mut zum Irrwitz am Trash-Kino der letzten 50 Jahre, vereint Versatzstücke von billigen "James Bond"-Kopien über italienische "Krieg der Sterne"-Rip-offs bis hin zur B- und C-Action-Ware der Videothekenära. Im letzten Akt entwickelt sich "Machete Kills" dann zu einer herzlich albernen Parodie auf "Moonraker" ("James Bond 007: Moonraker - Streng geheim"; 1979), bei der sich Laserschwerter (und eine Laser-Machete) in das Arsenal der grotesken Waffen einreihen. Zuvor kommen unter anderem ein MG-BH und eine Art "Schweizer" Machete zum Einsatz, in der zahlreiche zusätzliche Messer untergebracht sind.

Wie im Vorgängerfilm macht sich Rodriguez nicht die Mühe, aus der weitgehend logikfreien Abfolge burlesker Kabinettstücke einen kohärenten Film zusammenzuleimen. Es sind vor allem die zahlreichen Gastauftritte, die zum Unterhaltungswert der Nummernrevue beitragen, etwa Antonio Banderas, Lady Gaga und Cuba Gooding Jr., die gemeinsam den Auftragskiller "El Cameleón" in seinen zahlreichen Verkleidungen verkörpern. Der mexikanische Charakterschauspieler Demián Bichir modelliert seinen schizophrenen Waffenhändler nach den Operettendiktatoren der Italowestern der 1960er Jahre und Charlie Sheen, der unter seinem bürgerlichen Namen Carlos Estévez auftritt, legt den US-Präsidenten als angemessen hemdsärmelig-versoffene Karikatur an. Der eigentliche Besetzungscoup des Films ist jedoch Mel Gibson, der als Superschurke mit religiösen Apokalypse-Visionen sein ramponiertes öffentliches Image erstaunlich selbstironisch parodiert und spätestens seit "Get the Gringo" (2012) in den Postmoderne-Modus geschaltet hat.

Solche Einzelleistungen machen Rodriguez' grotesken Gewaltcomicstrip gewiss nicht zu großer Kunst. Wer aber beim ersten "Machete"-Film seinen Spaß im Kino hatte, wird auch diesmal auf seine Kosten kommen. Alle anderen schütteln vermutlich nur den Kopf. Die zweite Fortsetzung hat Rodriguez auch gleich angekündigt: "Machete Kills … in Space!"

Harald Steinwender

Benotung des Films: (6/10)


Machete Kills
USA / Russland 2013 - 107 min.
Regie: Robert Rodriguez - Drehbuch: Kyle Ward - Produktion: Sergei Bespalov, Aaron Kaufman, Iliana Nikolic, Alexander Rodnyansky, Robert Rodriguez, Rick Schwartz - Kamera: Robert Rodrigeuz - Schnitt: Rebecca Rodriguez, Robert Rodriguez - Musik: Robert Rodriguez, Carl Thiel - Verleih: Universum - FSK: ab 16 Jahren - Besetzung: Danny Trejo, Mel Gibson, Amber Heard, Alexa Vega, Vanessa Hudgens, Jessica Alba, Sofía Vergara, Michelle Rodriguez, Lady Gaga, Charlie Sheen, Antonio Banderas, Demian Bichir
Kinostart (D): 19.12.2013
DVD-Start (D): 23.05.2014
Blu-ray-Start (D): 23.05.2014

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt2002718/

Details zur DVD / Blu-ray:
Bild: 1,85:1 (anamorph / 16:9) - Sprache: Deutsch, Englisch (DD 5.1) - Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte - Extras: Behind the Scenes, geschnittene Szenen, Trailer - FSK: ab 16 Jahren - Verleih: Universum

Trailer:


Artikel teilen:          


Kommentare


Einträge: 0
im kino:aktuelldemnächst
auf dvd:aktuelldemnächst

kurzkritik

Blair Witch

(USA 2016; Adam Wingard)

The Seventeen Year Witch

von Drehli Robnik

Riverbanks

(GR / D / T 2015; Panos Karkanevatos)

Liebe auf der Flüchtlingsroute

von Jürgen Kiontke

9 Songs

(GB 2004; Michael Winterbottom)

Sex. Sex. Sex.

von Dietrich Kuhlbrodt

ältere filme

Abwärts

(BRD 1984; Carl Schenkel)

Die Steckengebliebenen

von Nicolai Bühnemann

Kalt wie Eis

(BRD 1981; Carl Schenkel)

Stadt, Körper, Gewalt. Leben, Liebe, Schmerz.

von Nicolai Bühnemann

Hungerjahre - in einem reichen Land

(D 1980; Jutta Brückner)

Wachsende Versteinerungen

von Wolfgang Nierlin

bücher

Wim Wenders: Die Pixel des Paul Cézanne und andere Blicke auf Künstler

Filmemacher Wim Wenders wird siebzig und veröffentlicht eine neue Textsammlung

von Wolfgang Nierlin

Matthias Wannhoff: Unmögliche Lektüren. Zur Rolle der Medientechnik in den Filmen Michael Hanekes

Denken wie Film

von Lukas Schmutzer

Robert Warshow: Die unmittelbare Erfahrung

Warshow ist im Kino

von Sven Jachmann

interviews

"Es ist schwerer geworden die inneren Konflikte der Menschen abzubilden"

Ein Gespräch mit dem Dokumentarfilmregisseur Andreas Voigt

von Ricardo Brunn

"Der europäische Film ist online nicht sichtbar"

Dr. Christian Bräuer, Geschäftsführer der Yorck-Kino GmbH, im Gespräch über den deutschen Kinomarkt

von Ricardo Brunn

"Extreme Charaktere in einem extremen Raum"

Im Gespräch mit Nikias Chryssos über seinen Film "Der Bunker"

von Wolfgang Nierlin

texte

Die besten Filme des Jahres 2016

And the winners are...

Arschgesichter, Disneykinder und poetische Überschüsse - Die Filme von Brian Yuzna und Stuart Gordon

Ein Dossier, sechs Verbeugungen

Tief im Westen tanzt der Kongress

Notizen zu Film & Musik

von Ulrich Kriest

comic

Volltreffer

Walter Hills Graphic Novel "Querschläger"

von Johannes Binotto

Glücklich, was sonst?

Maria und Miguel Gallardos illustrierte Erzählung "Maria und ich" korrigiert viele Klischees über Kinder mit Autismus

von Sven Jachmann

An der Wand die Fuchsmaske

Nicolas Wouters′ und Mikael Ross′ Graphic Novel "Totem"

von Christoph Haas

kolumne

Angewandte Filmkritik

Episoden 1-12

von Jürgen Kiontke

Magische Momente #31

The Night of the Hunter (Die Nacht des Jägers)

von Klaus Kreimeier

Magische Momente #30

Im Juli

von Klaus Kreimeier

festival

Berlinale 2015 - Notizen und Kritiken

Der Berlinale-Kanal der filmgazette

Berlinale 2014 - Notizen und Kritiken

Der Berlinale-Kanal der filmgazette

9. Achtung Berlin Festival 2013

von Ricardo Brunn