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World War Z

(USA 2013; Regie: Marc Forster)

Ein Quantum Mensch

foto: © paramount
Der Weg in den "World War Z", den Weltkrieg der schrumpfenden Menschheit gegen wachsende Unmengen an Zombies, führt nicht zuletzt vom chopper zum chopping (und inkludiert im Vorbeigehen bzw. -laufen auch das Shopping von Nahrung und Medikamenten im schon halb leergeplünderten Supermarkt im katastrophenfilmhaften ersten Handlungsdrittel): Der Weg führt von Helikoptern und anderen Militärflugzeugen, die alle nur zeitweise Schutz bieten, zu antiquiertem Gerät wie etwa einer Axt im Einsatz gegen bissige Ex-Menschen oder gegen die infizierte Hand einer Heldin.

Zombies breiten sich überallhin aus: im Fernsehen, in der Kinderliteratur, in Onlinebildern kollektiver Späße, nun (recht spät) auch im Kino auf Blockbusterniveau. Da steckt viel Geld, Produktionszeit und -streit drin; das Ende des Films wurde, wie ausführlich in diversen Medien kolportiert, zum Teil neu gedreht ("But this is not the end... Our war is just beginning!"), Anblicke fleischlicher Gewalt sind hier nur angedeutet bzw. per Schnitt ins Off abgedrängt, um in den USA das Rating "PG-13 - Ab 13 in Begleitung" zu bekommen. Allerdings: Der Häckselschnitt frenetischer Actionszenen und das Entfalten der Symptomatologie, eben: der Andeutungen, der Epidemie in Alltagssituationen zumal des Massenverkehrs, das gelingt dem Hollywood-Schweizer Marc Forster recht gut, nachdem er mit dem schnellen Schneiden von James Bond-Action in "Ein Quantum Trost" (2008) eher Verwirrung hinterlassen hat. Das Sound Design ist effektiv, sowohl in ominösen Hall-Tönen als auch trockenem Aufprallkrachen oder den kreischenden Stimmen der Zombies, und das 3D-Bild fällt nicht weiter unangenehm auf.

Ein Actionfilm also, mit einem Bond-artigen globalen Stationenlauf (plus ein wenig Rätselrallye samt einer Belehrungsinformatik in Dialogen und Rückblenden, die von einem erhöhten Gehirntotenanteil auch in den Kernzielgruppen dieser Großproduktion auszugehen scheint): Es geht von New York und Newark, über eine US-Flugzeugträgerflotte auf offenem Meer als Nothauptquartier und Evakuierungszwischenlager und eine US-Basis in Südkorea bis schlussendlich Wales - alles auf gehetzter Suche nach Antworten hinsichtlich Auslöser und Abhilfen zu dieser Epidemie, die von Anfang an ("Independence Day" lässt grüßen) als Krieg behandelt wird.

Der Trumpf, der im Weltkrieg die Lage wenden könnte, besteht allerdings in Verhaltensweisen zunehmender Bremsung und Erstarrung zwischen den Glasscheiben und Monitoren eines Labors der WHO bis hin zum - mehr sei hier nicht angedeutet - rettenden Quasi-Suizid. Ein bisweilen furioser Zombie-Actionfilm kehrt somit ein ins ostentativ Inaktive, in ein "Death protects you" (ein Merksatz im Dialog, quasi in Erwiderung auf den eingangs einmal formulierten "Movement is life"): Darin liegt eine gewisse Ironie, ein möglicherweise ethisches Moment - aber auch die Erfüllung eines Vermächtnisses, bedenkt man, dass (ungeachtet der leidigen Frage "Rennen oder nicht?") die wirklich krassen Zombiefilme, etwa die von Lucio Fulci aus den späten 1970ern, stets in höhepunktartige Szenen einer nachgerade obszönen Totalerstarrung aller, auch der menschlichen, Körper mündeten. Außerdem gehört das Spiel mit einer Nach-Lebendigkeit und kultivierten Passivität von Protagonisten mittlerweile zu den Standards des konzeptueller angelegten Actionkinos (eine Art kategorische Immer-schon-Zombifiziertheit im Sinn des Befallen- oder Programmiert-Seins, für die Filmtheoretiker Thomas Elsaesser das Label post-mortem-Kino geprägt hat).

Schließlich ließe sich die nach und nach "bejahte" und ins Autotherapeutische gewendete Demontiertheit des Helden hier als eine Art Kompensation verstehen: Wenn denn schon das breit gefächerte, auf diverse UNO-Standorte verteilte Figurenensemble der Romanvorlage von Max Brooks in der Verfilmung auf einen Helden verdichtet wurde, dann soll dieser eine wenigstens nur ein halber sein. Brad Bitt spielt ihn, dem einige Missgeschicke mit dem Uralt-Mobiltelefon oder einem Eisentrumm, das ihn gänzlich durchbohrt, unterlaufen, umgeben von zweitrangigen Eben-doch-nicht-Aktionsträgern und scheinsouveränen Figuren, die alle ihre kleinen, oft lustigen Momente der Demontage erfahren. Über das durchwegs nicht-weiße "racializing" dieser Figuren, kulminierend im hexenhaft horriblen, per close-up gemolkenen Anblick einer zombifizierten afrikanischen WHO-Mitarbeiterin, sollten wir uns vielleicht noch mal unterhalten.

Jedenfalls gehört das Bild der Vielen in "World War Z" ganz den Zombies, die sich in Spasmen winden und vor allem in Körperkaskaden ergießen oder auftürmen. Ein prägnanter und zutiefst phobischer Blick auf das Phänomen und Existenzial "Masse", inszeniert von einem Regisseur, dessen James Bond sich bisher am meisten unter den von Daniel Craig verkörperten als Subjekt des Ressentiments präsentiert hat (als Rächer der vom Kapital biopolitisch Ausgedörrten, als Versteher einer Rächerin, als Zombie, den nur der Automatismus seines Revanchetriebs am Leben hält). Hm. Das hat einen Nachgeschmack, ebenso wie die lange Sequenz in Jerusalem in der Mitte von "World War Z".

Warum, wird gefragt, hält der jüdische Staat dem weltweiten Zombiesturm zunächst Stand? Weil er im Bau von Schutzwällen und Checkpoints versiert ist, sagt ein CIA-Mann und die Szenerie in der israelischen Hauptstadt. Ein dortiger UNO-Beamter führt weiter aus, dass Israel als einziger Staat die ersten verstreuten und wirren Nachrichten über Zombie-ähnliche Krankheitsfälle beherzigt und mit dem Mauerbau begonnen habe - nachdem "wir" schon mehrmals Gerüchten von der drohenden Vernichtung nicht geglaubt haben: in den 1930ern, vor der Olympiade 1972, vor dem Yom Kippur-Krieg 1973. Aus Prägungen der Vergangenheit, so sei kurz vermerkt, resultiert ein Wissen davon, was zu tun ist, wenn′s in Grenznähe blutig wird: so etwa auch bei den an der syrisch-israelischen Grenze am Golan stationierten und jüngst fluchtartig abgezischten UNO-Truppen aus Österreich, das sich einst nicht nur an den Massenmorden während des "World War Y", denen der Staat Israel einen Teil seiner Ratio verdankt, engagiert beteiligt, sondern sich eben auch danach erfolgreich als unzuständig aus potenziell brenzliger Verantwortung vertschüsst hat.

"World War Z" zeigt uns allerdings defintiv keine Blauhelme, sondern IDF-Truppen mit "robustem Mandat" bei der Verteidigung des eingemauerten und eingegitterten Jerusalem. Wer gerührt ist vom Anblick des Heroismus israelischer Soldat/innen im Überlebenskampf (da lassen Szenen mit Marines Sergeant Vasquez - wer sie kennt ... - aus Camerons "Aliens" grüßen), wird hier ebenso bedient wie jene, die in den monumentalen Mauerpanoramen (halb Griffith-Kino, halb Gameästhetik) ihre Sicht Israels als rassistischer Besatzungsmacht wiederfinden wollen. Keine Zielgruppe wird brüskiert. Alle kriegen was zu sehen, das ihnen zuspricht, und zwar im selben Rahmen. Ein Vexierbild nennt das die Wahrnehmungspsychologie. In der Politik und im Kino sprechen wir eher von einem sog. Blockbuster.

[Link zu einer weiteren Filmkritik]

Drehli Robnik

Benotung des Films: (5/10)


World War Z
USA 2013 - 116 min.
Regie: Marc Forster - Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Drew Goddard, Damon Lindelof, J. Michael Straczynski - Produktion: Ian Bryce, Dede Gardner, Jeremy Kleiner, Brad Pitt - Kamera: Robert Richardson - Schnitt: Roger Barton, Matt Chessé - Musik: Marco Beltrami - Verleih: Paramount - FSK: ab 16 Jahren - Besetzung: Brad Pitt, Eric West, Mireille Enos, Matthew Fox, James Badge Dale, David Morse, Julian Seager, Sarah Sharman, David Andrews, Julia Levy-Boeken, Michiel Huisman, Elyes Gabel, Iván Kamarás, Trevor White, Sterling Jerins
Kinostart (D): 27.06.2013
DVD-Start (D): 07.11.2013

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt0816711/

Details zur DVD:
Bild: 2.40:1 (anamorph) - Sprache: Deutsch, Englisch, Türkisch (DD 5.1) - Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch - Extras: Kurzdokus, Trailer - FSK: ab 16 Jahren - Verleih: Paramount

Trailer:


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