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The Dark Knight Rises

(USA 2012; Regie: Christopher Nolan)

Kraftmeierei

foto: © warner bros.
Seit acht Jahren hat sich der Millionär Bruce Wayne (Christian Bale) in seinem Herrenhaus verkrochen, wo er den Tod seiner großen Liebe Rachel betrauert. Doch dann stürzt der Terrorist Bane (Tom Hardy) Gotham City mit einer Serie von Anschlägen ins Chaos und droht, die Metropole mit einer Atombombe zu vernichten. Wayne schlüpft ein letztes Mal in die Rolle seines Alter Ego Batman und nimmt den Kampf gegen Bane auf. Unerwartete Unterstützung erhält er von der Meisterdiebin Selina Kyle (Anne Hathaway).

Seit "Batman Begins" (2005) zählt Christopher Nolan zu den innovativsten Blockbuster-Regisseuren Hollywoods. Mit Filmen wie "The Prestige" ("Prestige - Die Meister der Magie"; 2006), "The Dark Knight" (2008) und "Inception" (2010) gelang es dem Briten, verschachtelte, hochkomplexe Geschichten zu erzählen und zugleich ein Millionenpublikum zu erreichen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an "The Dark Knight Rises", den 250 Millionen US-Dollar teuren Abschlussfilm der Trilogie, die Nolan sieben Jahre zuvor mit "Batman Begins" so furios eröffnet hatte.

Wie schon in den ersten beiden "Batman"-Filmen greift Nolan auf ein hochkarätiges Schauspielerensemble zurück, das ein Wiedersehen mit Morgan Freeman, Michael Caine und Gary Oldman in ihren bekannten Nebenrollen bietet. Christian Bale in der Titelrolle legt Bruce Wayne diesmal als psychisch und physisch gebrochenen Schmerzensmann an, der erst Erlösung findet, als er in der Rolle Batmans seinen inneren Dämonen gegenübertritt. Neu zum Ensemble stoßen Anne Hathaway als "Catwoman", Marion Cotillard in der Rolle der undurchsichtigen Philanthropin Miranda und Tom Hardy als Bane.

Die großen Actionsequenzen, darunter die Zerstörung eines ganzen Stadions während eines Footballspiels, sind, wie kaum anders zu erwarten, atemberaubend inszeniert. Wally Pfister, seit "Memento" Nolans Stammkameramann, erschafft eine von blau-grauen Farbtönen bestimmte Schattenwelt, die gleichermaßen klaustrophobisch wie bombastisch wirkt. Nur selten wird die düstere Atmosphäre des Films durch Humor gebrochen, ein Aspekt, der "The Dark Knight Rises" trotz Konzessionen an das Familienpublikum von herkömmlichen Großproduktionen abgrenzt.

Doch die Schauwerte täuschen kaum über die Schwächen des Drehbuchs hinweg. Vieles wird in 164 Minuten Laufzeit auserzählt, was Andeutung hätte bleiben können; die Motivation der Figuren bleibt oft schwer nachvollziehbar. Die größte Enttäuschung ist Hardys Bane, ein aller Kraftmeierei und der futuristischen Atemmaske zum Trotz erstaunlich blasser Antagonist. Nie kommt die Figur an das abgründige Charisma von Heath Ledgers anarchischem Joker oder Liam Neesons aristokratischen Ra's al Gul aus den Vorgängerfilmen heran. Letztlich wirkt Bane wie ein Drehbuch-Kniff, einzig dazu ersonnen, Batman aus seinem inneren Exil zurückzurufen und die Handlung in Gang zu setzen.

"The Dark Knight Rises" ist gewiss kein schlechter Film. Als ausgezeichnet fotografiertes Überwältigungskino wird er die Fans der Serie vermutlich zufrieden stellen. Gemessen an seinen beiden Vorgängerfilmen ist er allerdings eine Enttäuschung. Christopher Nolan scheitert vor allem an den von ihm selbst gesetzten hohen Maßstäben.

Dass es während einer Vorpremiere in den USA zu einem Amoklauf in einem Kino kam, bei dem der 24-jährige mutmaßliche Täter zwölf Menschen tötete und 58 weitere zum Teil schwer verletzte, ist tragisch und wirft einen Schatten über den jüngsten "Batman"-Film. Die vereinzelt in den Feuilletons großer Tageszeitungen herbeigeschriebenen Parallelen zur Handlung von "The Dark Knight Rises" darf man jedoch bezweifeln: Der Täter konnte den Film noch gar nicht gesehen haben, als er mit seiner Mordserie begann. Wahrscheinlicher ist es, dass er die Premiere des lange erwarteten und aufwendig beworbenen Sommerblockbusters auswählte, um ein Maximum an medialer Aufmerksamkeit zu erhalten. Sein widerwärtiges Ziel hat er leider erreicht. Die Kinogänger in den USA haben sich jedoch entschlossen, sich von dem ganz realen Terror eines Einzelnen nicht vom Kinobesuch abhalten zu lassen - am Startwochenende hat "The Dark Knight Rises" in den USA 160 Millionen Dollar eingespielt.

Dieser Text ist zuerst erschienen auf: www.br.de

Harald Steinwender

Benotung des Films: (5/10)


The Dark Knight Rises
USA 2012 - 164 min.
Regie: Christopher Nolan - Drehbuch: Christopher Nolan, Jonathan Nolan - Produktion: Christopher Nolan, Charles Roven, Emma Thomas - Kamera: Wally Pfister - Schnitt: Lee Smith - Musik: Hans Zimmer - Verleih: Warner Bros. - FSK: ab 12 Jahren - Besetzung: Christian Bale, Tom Hardy, Anne Hathaway, Gary Oldman, Liam Neeson, Joseph Gordon-Levitt, Marion Cotillard, Juno Temple, Morgan Freeman, Josh Pence, Michael Caine, Matthew Modine
Kinostart (D): 26.07.2012
DVD-Start (D): 30.11.2012

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt1345836/
Pressespiegel auf filmz.de: http://www.filmz.de/film_2012/the_dark_knight_rises/links.htm

Details zur DVD:
Titel: DarkKnightRises - Bild: 1,78:1, 16:9 - Sprache: Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Französisch (DD 5.1) - Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Niederländisch

Trailer:


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