The Death of Stalin

(GB/F 2017; Regie: Armando Iannucci)

Alles beim Alten

„Ich hab‘s im Rücken – vom sozialen Aufstieg.“ Ja, wer würde als Publikum angesichts solcher Nöte nicht ins Schmunzeln geraten. Der Stoff ist auch echt lustig: Der Satz fällt in Anwesenheit eines recht prominenten, aber auch recht vollgepissten Patienten. „The Death of Stalin“ heißt der Film, und der Mann, der am Boden liegt, ist der titelgebende sowjetische Generalsekretär der UdSSR. Man schreibt das Jahr 1953.

Gerade ist er zusammengeklappt, die Entourage ist in Aufruhr. Wer jetzt nicht schleunigst Nachfolger wird, der landet womöglich in Sibirien, vielleicht auch vor dem Erschießungskommando. In den nächsten zwei Tagen, werden die Karten brutalstmöglich neu gemischt. Parteisekretär Nikita Chruschtschow macht sich ebenso Hoffnung auf das Amt wie Geheimdienstchef Lawrenti Berija.

Diese lange zurückliegenden Ereignisse wären ein sehr guter Stoff für einen guten Film. 1953 gab es eine krasse Frontstellung. Die Welt stand vor der Vernichtung, allein durch das nukleare Potenzial. „The Death of Stalin“ ist ein bunter, ein opulenter Streifen, mit viel Liebe zur Ausgestaltung des damaligen Interieurs bis hinein in die Besonderheiten der Kleidung.

Das Problem: Er ist nur recht schwer erträglich. Flachste Witzchen dominieren die Dialoge, das Personal wird ins Lächerliche gezogen, ohne dass der Zuschauer dem folgen kann. Welches Verarschungspotenzial hat im zeitgenössischen Kino etwa der Oberbefehlshaber Georgi Schukow, der die Rote Armee gegen die Wehrmacht führte? Der Film erklärt nicht viel, eingeblendete Texte müssen dafür sorgen, dass man überhaupt weiß, wer dort spricht.

Die Albernheit und Unfertigkeit hat möglicherweise einen Grund: Das Produzententeam Yann Zenou und Laurent Zeitoun hat sich in der Vergangenheit um so dolle Komödien wie „Ziemlich beste Freunde“ verdient gemacht, noch so ziemlich jeden ernsthaften Stoff in eine Under-the-belt-Blödelform gebracht und sich in den USA sogar Rassismusvorwürfe eingehandelt.

Die Kritik im Westen feiert jedenfalls den „Tod Stalins“. Dass dieser Film in Russland komplett aus den Kinos geschmissen wurde, ist allerdings auch ein Statement. So ist er ein Zeugnis für den Zustand des Kinos als Propagandainstrument – und seine Rezeption von Kunstverständnis allüberall. Eigentlich hat sich seit damals nicht viel geändert.

Dieser Text erschien zuerst in: Konkret

Hier findet sich eine weitere Kritik zu „The Death of Stalin“.

Benotung des Films :

Jürgen Kiontke
The Death of Stalin
Großbritannien, Frankreich 2017 - 107 min.
Regie: Armando Iannucci - Drehbuch: Armando Iannucci, David Schneider, Ian Martin, Peter Fellows - Produktion: Nicolas Duval Adassovsky, Kevin Loader, Laurent Zeitoun, Yann Zenou - Kamera: Zac Nicholson - Schnitt: Christopher Willis - Musik: Peter Lambert - Verleih: Concorde - FSK: ab 12 Jahren - Besetzung: Steve Buscemi, Simon Russell Beale, Jeffrey Tambor, Michael Palin, Paul Whitehouse, Jason Isaacs, Andrea Riseborough, Rupert Friend
Kinostart (D): 29.03.2018

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt4686844/
Foto: © Concorde

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