Wind River

(USA 2017; Regie: Taylor Sheridan)

Auf sich gestellt

Das Verhältnis des Jägers zu den bejagten Tieren ist ambivalent. Zu Beginn von Taylor Sheridans Film „Wind River“ erschießt der Raubtierjäger Cory Lambert (Jeremy Renner) einen Wolf, der zusammen mit seinem Rudel eine Schafherde bedroht. Einen anderen lässt er laufen. Cory tötet weder aus Spaß noch um des Tötens willen, sondern um die Nutztiere zu schützen. Dahinter steckt auch ein tiefer Respekt vor der Natur, dem Land und den Menschen, die es bewohnen.

Sheridans moderner Western spielt in dem titelgebenden Indianerreservat des US-Bundesstaats Wyoming, wo es noch immer Winter ist und die rauen Stürme das Thermometer auf minus 20 Grad Celsius drücken. Die Unwirtlichkeit der Landschaft korrespondiert mit der Perspektivlosigkeit der Natives, die sich abgehängt und entwurzelt fühlen und sich deshalb voller Wut in die Alkohol- und Drogensucht flüchten. Cory, der viele Freunde unter den amerikanischen Ureinwohnern hat, lebt getrennt von seiner indigenen Frau. Am Wochenende kümmert er sich um seinen kleinen Sohn, zeigt ihm in sehr männlicher, bestimmter Ansprache die Arbeit mit den Tieren.

Dann wird der Wildlife-Ranger, der auch ein begnadeter Fährtenleser ist, angefordert, um den Spuren eines Pumas zu folgen. In seinem weißen Tarnanzug ist er vor der weiten Schneefläche gewissermaßen unsichtbar. Der Kontrast zu den Blutspuren, auf die er bald stößt, ist deshalb umso stärker. Sie führen ihn zu der Leiche einer jungen Frau aus dem Reservat, die offensichtlich einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist. Sein Schock ist umso tiefer, da er die 18-Jährige und ihre Familie gut kennt; vor allem aber erinnert ihn die Tote an den Schmerz über den gewaltsamen Verlust der eigenen Tochter.

Vielleicht ist Taylor Sheridans sorgsam entwickelte Geschichte in bezug auf diese und andere Parallelen etwas überkonstruiert. Auch der Kontrast zwischen der unerfahrenen FBI-Agentin Jane Banner (Elisabeth Olsen), die auf den Fall angesetzt wird, und dem bestens an seine Umwelt angepassten Wildtierjäger, der ihr zur Seite steht, wirkt überdeutlich. Man müsse die Wölfe dort suchen, wo sie waren, sagt dieser, der die Spuren der Schuldigen im Weiß des Schnees zu deuten versteht. „Das Glück lebt nicht hier draußen“, ergänzt Cory seine illusionslose Sicht auf die Welt.

Sheridan rekurriert hier auf den Mythos des Wilden Westens als einer Welt, in der Männer mit ihren Waffen das Gesetz selbst in die Hand nehmen. Hier, in der Wildnis, gebe es kein Versteck, sei man deshalb auf sich allein gestellt, sagt Cory zu Jane. Wie das in der weißen Stille aussieht und klingt, zeigt Taylor Sheridan in einem intensiven, knallharten Shootout, dessen Logik von Gewalt und Gegengewalt bestimmt ist. Leider vernachlässigt er darüber die Beschreibung der sozialen Probleme innerhalb der indigenen Community.

Wind River
USA 2017 - 103 min.
Regie: Taylor Sheridan - Drehbuch: Taylor Sheridan - Produktion: Elizabeth A. Bell, Peter Berg, Matthew George, Basil Iwanyk - Kamera: Ben Richardson - Schnitt: Gary Roach - Musik: Nick Cave, Warren Ellis - Verleih: Wild Bunch - FSK: ab 16 Jahren - Besetzung: Jeremy Renner, Elizabeth Olsen, Graham Greene
Kinostart (D): 08.02.2018

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt5362988/
Foto: © Wild Bunch

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