The Thing

(USA / CAN 2011; Regie: Matthijs van Heijningen Jr.)

Das neueste Ding aus dieser anderen Welt

Die Säbel sind gewetzt nach einigen miesen Remakes der letzten Zeit. Da war zum Einen Marcus Nispels „Conan“, ein albernes, asoziales und trotzdem aalglattes Stück Kalkül-Kino, das im Gegensatz zur Auffassung der Fanboys eben nicht subversiv war, sondern nur noch Bedürfnisse bediente. Man wünscht sich, die Produktionsfirma Troma hätte mit dem Budget des Films gleich das Gesamtwerk von Robert E. Howard verfilmt, um zu zeigen, wie „asozial“ wirklich geht. Und es gab „Footloose“ von Craig Brewer, dem es gelang, aus einem mittelmäßigen Film über eine teenage rebellion einen windelweichen Mist zu machen, in dem es allen Ernstes nur noch um das Recht auf zeitlich befristete Ausgelassenheit gehen soll: Wir wollen tanzen dürfen, bis auch wir alle arbeiten und Familien gründen, heißt es im Plädoyer des neuzeitlichen „Rebellen“. Wer braucht bei einer solchen Denke überhaupt noch Horrorfilme? Und dann auch noch einen solchen: das als Prequel verkaufte Remake eines Remakes, dessen angeblich so „eigene“ Geschichte nicht nur Struktur und einzelne Szenen der Vorgänger (bzw. des zugrunde liegenden Romans von John W. Campbell) verwendet, sondern auch fröhlich die Bildsprache von Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1982) und dessen Morricone-Soundtrack zitiert, wie bereits der Trailer verriet.

Trotzdem bleiben die Säbel stecken, weil das neue „Ding“ den anderen genannten Remakes etwas Entscheidendes voraus hat: Es bewahrt die Qualitäten seiner Vorgänger. Und das sind, wie bereits angedeutet, vor allem Carpenters Qualitäten, weil der 1982 der alten Version von Christian Nyby und Howard Hawks aus dem Jahr 1951 ein zeitgemäßes Gewand verpasste, das auch heute noch kleidsam scheint. Der neue Film mutet stilistisch über weite Strecken fast epigonal an, selbst über die direkten Zitate hinaus. In Sachen Suspense wird hier der frühe Carpenter durchdekliniert, und das ist mehr, als man mit „Conan“ und „Footloose“ im Hinterkopf von einem Werbeclip-Regisseur und Spielfilmdebütanten wie Matthijs van Heijningen Jr. erwarten konnte. Keine Stakkatoschnitte, kein wildes Kameraschwenken, stattdessen die spannungsvolle Langsamkeit, die Carpenters Frühwerk auszeichnete. Eine Figur flüchtet, geht rückwärts, die Kamera ist hinter ihrem Kopf, der Blick entgegen der Laufrichtung. Der Bildkader lässt genug Raum für einen erschreckenden Monsterauftritt. Oder hat man das Monster im Rücken? Man kennt solche Spielereien. Aber sie sind immer noch gut. Eine wirklich eigene, neue Bildsprache gibt es nicht. Fast ist man in diesem Fall ein bisschen froh darüber. „The Thing“ feilt auch nicht an einer Mythologie (siehe die Fortsetzungen von „Alien“ oder „Predators“), sondern bleibt in seiner Präsentation der Bedrohung und der Paranoia so vage wie seine Vorgänger. Die Schocks des Films sind meistens gut gesetzt. In manchen Momenten aber schockieren die Dialoge sogar noch mehr: Wenn ein enttarnter Ding-Mensch die Flammenwerferträger darum bittet, doch erst über alles zu reden, ist das ziemlich dämlich.

Wie zu erwarten war, sind es ausgerechnet die Spezialeffekte, die dem Film hier und da schaden, obwohl doch gerade sie oft als Argument für veränderte Sehgewohnheiten und die deshalb angeblich nötige Neuinszenierung oder Überarbeitung von Klassikern heran gezogen werden. Sie sind zwar ganz gewiss nicht schlecht, aber eben längst nicht in dem Maß ihrer Zeit voraus wie 1981 Rick Bakers oscarprämierte Arbeit für „An American Werewolf in London“ oder im Jahr darauf Rob Bottins Effekte für Carpenter, die die Messlatte vielleicht sogar noch höher hängten. Womöglich ist CGI zu alltäglich und durchschaubar. Wer Konsolenspiele schätzt, dürfte sich ein ums andere Mal an die Mutationen aus „Dead Space“ oder „Resident Evil“ erinnert fühlen, die ihrerseits unter anderem von Carpenters Film beeinflusst wurden. Und apropos Dschungel der Referenzen: Statt eines zur Spinne mutierenden Kopfs bietet van Heijningen in seinem Remake-Remake mutierende Arme, die wiederum an die Alien-Facehugger erinnern. Dazu kommt Mary Elizabeth Winstead als den Flammenwerfer schwingende Protagonistin – Ellen Ripley lässt schön grüßen.

Ohne zu viel zu verraten: Das Ende ist wirklich gut gelungen. Da wird zum Abspann Carpenters Film noch einmal direkt zitiert und ein fließender Übergang zur Version von 1982 geschaffen. So ist „The Thing“ im Jahr 2011 ein zugegebenermaßen rückwärtsgewandter Schocker, aus dessen altmodischer Umsetzung aber Liebe zur Filmgeschichte und ihren Genreklassikern spricht. Das rückt ihn definitiv näher an Super 8' von J.J. Abrams als an Nispels „Conan“ – oder „Footloose“.

Benotung des Films :

Louis Vazquez
The Thing
(The Thing)
USA / Kanada 2011 - 102 min.
Regie: Matthijs van Heijningen Jr. - Drehbuch: Eris Heisserer - Produktion: Marc Abraham, Eric Newman - Kamera: Michel Abramowicz - Schnitt: Jono Griffith, Julian Clarke - Musik: Marco Beltrami - Verleih: Universal - FSK: ab 16 Jahre - Besetzung: Mary Elizabeth Winstead, Eric Christian Olsen, Joel Edgerton, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Ulrich Thomsen, Kim Bubbs, Jonathan Walker
Kinostart (D): 17.11.2011

DVD-Starttermin (D): 30.11.-0001

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt0905372/

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