The Conjuring – Die Heimsuchung

(F / USA 2013; Regie: James Wan)

Auf der Geisterbahn

Carolyn und Roger Parren (Lili Taylor und Ron Livingston) beziehen Anfang der 1970er Jahre mit ihren fünf Töchtern ein altes Herrenhaus in Rhode Island. Doch der Traum vom ruhigen Landleben wird für die Großfamilie schnell zum Alptraum: Nachts sind merkwürdige Geräusche zu hören, der Familienhund wird tot aufgefunden und übernatürliche Mächte attackieren die Familienmitglieder. In ihrer Not wenden sich die Parrens an die beiden Parapsychologen Ed und Lorraine Warren (Patrick Wilson und Vera Farmiga). Die Geisterjäger raten ihnen zu einem Exorzismus.

Während die großen Hollywoodproduktionen immer teurer und aufwendiger, aber auch immer vorhersehbarer und austauschbarer werden, feiert der B-Film im Horrorgenre seit einigen Jahren erstaunliche Erfolge. Filme wie Daniel Stamms „The Last Exorcism“ („Der letzte Exorzismus“; 2010), James Wans „Insidious“ (2011) und James DeMonacos „The Purge“ (2013) entstanden für lächerlich geringe Budgets zwischen 1,5 und 3 Millionen US-Dollar und spielten jeweils zwischen 70 und 100 Millionen an den Kinokassen ein. Mit solchen Gewinnspannen können kein Superheldenfilm und kein Blockbuster mithalten, die bestenfalls das vier- bis sechsfache ihres enormen Budgets einspielen.

Unangefochtener König des neuen B-Horrorfilms ist der australische Regisseur James Wan, dem 2004 mit „Saw“ ein Überraschungserfolg gelang, der es bis heute auf sechs Fortsetzungen und zahlreiche Imitationen gebracht hat. „Saw“ war ein Low-Budget-Thriller, realisiert mit harten Schockeffekten und offensichtlichen Anleihen bei modernen Klassikern wie „Seven“ („Sieben“; 1995; David Fincher). Bis heute ist Wan diesem Konzept treu geblieben. Auch „Conjuring – Die Heimsuchung“, seine sechste Kinoregiearbeit, entstand für ein moderates Budget von 20 Millionen US-Dollar, auch hier spielt der Filmemacher wieder auf Vorbilder wie William Friedkins „The Exorcist“ („Der Exorzist“; 1973), Stanley Kubricks „The Shining“ („Shining“; 1980) und insbesondere Sidney J. Furies „The Entity“ („Entity“; 1982) an.

Aber wie schon Wans Vorgängerfilm „Insidious“ ist „Conjuring“ nicht das Werk eines ideenlosen Epigonen, sondern ein elegant inszenierter, effektiver Horrorfilm, der zwar nicht das Rad neu erfindet, aber durch atmosphärische Breitwandfotografie, gutes Timing und exzellentes Sounddesign überzeugt. Auch diesmal verzichtet Wan fast völlig auf Bluteffekte, die Handlung wird konsequent ohne Ironie oder Humor erzählt. Die Besetzung der Hauptrollen mit kompetenten Schauspielern wie Vera Farmiga, Patrick Wilson und Lili Taylor trägt dazu bei, dass die an sich simple Gruselgeschichte, die „Conjuring“ erzählt, zumindest für die Länge des Kinobesuchs fast glaubhaft erscheint.

Ärgerlich an „Conjuring“ ist einzig der bierernst vorgetragene Glaube an die Leibhaftigkeit des Teufels, der bereits Ole Bornedals ähnlich erfolgreichen „The Possession“ („Possession – Das Dunkle in dir“; 2012) auszeichnete und den man leicht als Ausdruck reaktionärer Tendenzen im Genre auffassen könnte. Das allerdings greift vermutlich doch etwas zu weit. „Conjuring“ will sein Publikum in erster Linie mit Geisterbahneffekten unterhalten, was dem Film exzellent gelingt. Allzu sehr nachdenken sollte man beim Kinobesuch von „Conjuring“ aber nicht.

Diese Kritik ist zuerst erschienen auf www.br.de

Benotung des Films :

Harald Steinwender
The Conjuring - Die Heimsuchung
(The Conjuring)
Frankreich / USA 2013 - 111 min.
Regie: James Wan - Drehbuch: Chad Hayes, Carey Hayes - Produktion: Rob Cowan, Tony DeRosa-Grund, Peter Safran - Kamera: John R. Leonetti - Schnitt: Kirk M. Morri - Musik: Joseph Bishara - Verleih: Warner Bros. - FSK: ab 16 Jahren - Besetzung: Joey King, Mackenzie Foy, Vera Farmiga, Patrick Wilson, Lili Taylor, Ron Livingston, Hayley McFarland, Shanley Caswell, Steve Coulter, Sterling Jerins, Shannon Kook, Ashley White, John Brotherton, Kyla Deaver, Christy Johnson
Kinostart (D): 01.08.2013

DVD-Starttermin (D): 24.01.2014

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt1457767/

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