Ruined Heart: Another Lovestory Between a Criminal & a Whore

(D / PH 2014; Regie: Khavn de la Cruz)

Noch einmal ins Gewühl

Das hier ist also noch so eine Geschichte. Und dieses Bewusstsein über das bereits Dagewesene und die eigene Verwicklung darin hat sich von den filmischen Eingeweiden, dem vorbewussten Viszeralen, längst bis zum ausformulierten Titel vorgefressen. Deshalb versteht es sich quasi von selbst, dass sich Khavn de la Cruz in seinem neuen Spielfilm „Ruined Heart: Another Lovestory Between a Criminal & a Whore“ auch gar nicht mehr ordentlich-narrativ durch eine eh schon bekannte Story erzählen muss.

Zu Beginn werden aber erst einmal ganz manierlich die Hauptakteure dieser Boy-meets-Girl-Variation im kriminellen Milieu von Manila vorgestellt; fein säuberlich aufgereiht stehen sie da und treten einer nach dem anderen vor, um einen Blick in die Kamera zu werfen und sich dem Publikum vorzustellen. Mehr als einen wiedererkennbaren Look und ein eingeblendetes Schlagwort brauchen diese Typen dabei gar nicht, um ausreichend charakterisiert zu werden: Die Liebhaberin, der Kriminelle, der Freund, die Hure und der Pianist, sie alle werden ihre Rolle in „Ruined Heart“ zu spielen haben und machen im Gegensatz zum ungehorsamen Breakfast Club keinerlei Anstalten, mit dem Stereotyp zu brechen oder ihm auch bloß eine unbekannte Facette hinzuzufügen.

Mit seinen durch und durch berechenbaren Figuren als Konstante erlaubt sich der meist nur als Khavn bekannte philippinische Regisseur und Drehbuchautor das ganze Drumherum einfach aufzulösen und lässt seinen Film munter ins Experimentelle treiben. Entgegen der Konvention gibt es da etwa keine Dialoge zu hören, die Schauspieler_innen haben nur zu gucken und zu gestikulieren. Und wenn dann doch mal gesprochen wird, passiert es vernuschelt im auditiven Hintergrund, überlagert von Sounds und Songs. Stille kennt „Ruined Heart“ seiner schweigsamen Protagonisten zum Trotz nämlich keine und daher mag vielleicht auch der sich spontan anbietende Vergleich mit einem Stummfilm nicht ganz greifen, so präsent wie der Ton hier ist: Von einem Stück Musik zum nächsten springt der Film und arrangiert dabei aus den Videoclips zu Chansons von Stereo Total, zu Pachebels Kanon und Gigue in D-Dur, psychedelischem Rock sowie den NDW-Klängen der Schweizer Band Grauzone eine opernhafte Pop-Collage.

Wer schon Kurz- oder Langfilme des äußerst umtriebigen Khavn gesehen hat (von denen der ebenfalls vom Kölner Filmlabel Rapid Eye Movies koproduzierte „Mondomanila“(2012) wohl der bekannteste, aber sicherlich nicht der interessanteste ist), dürfte sich auch in „Ruined Heart“ schnell zurecht finden. Wobei Zurechtfinden vielleicht das Schlimmste ist, was einem hier überhaupt passieren kann, denn eigentlich lag der Reiz von Khavns Filmen doch immer im Krassen, Chaotischen, Unberechenbaren. Es ging hinein ins Gewühl der Slums von Manila, durch verschlungene Gassen voller Müll und Trash, wo sich beiläufig Aufgeschnapptes und mit viel Stilwillen Inszeniertes ebenso in die Quere kamen wie der Spaß und das Unbehagen des Publikums.

'Manila is a ghastly and weird city. It just fucking smelled of cockroaches. Rats were everywhere. There’s no sewage system, and people have nothing there. People with no arms, no legs, no eyes, no teeth', wusste Claire Danes der Vogue im Interview zu berichten, nachdem sie von Dreharbeiten aus der philippinischen Hauptstadt zurückgekehrt war. Das berüchtigte Zitat machte selbstverständlich auch auf den empörten Philippinen die Runde und tauchte schließlich sogar in „Mondomanila“ wieder auf. Mit seinen grellen Filmen hat Khavn zwischen den fasziniert-angeekelten Blick des Westens und seine Heimat immer wieder eine Lupe gehalten, die uns beim vergnügten Blick auf Sex, Gewalt und moralische Orientierungslosigkeit doch zugleich heimtückisch die Netzhäute verbrannt hat.

In „Ruined Heart“ ist davon nicht viel geblieben. Kameramann Christopher Doyle hetzt routiniert durch halbherzig zugerümpelte Filmsets und erbeutet dabei Bilder, die ganz schön, aber auch ein bisschen belanglos sind. Na klar, Blut und Sperma fließen auch wieder, aber so seltsam antiseptisch, da kann selbst Claire Danes nicht meckern. Kaum Spaß, kein Unbehagen. Das hier ist also noch so ein Khavn-Film.

Benotung des Films :

Carsten Moll
Ruined Heart: Another Lovestory Between a Criminal & a Whore
(Pusong wasak)
Deutschland / Philippinen 2014 - 73 min.
Regie: Khavn de la Cruz - Drehbuch: Khavn de la Cruz - Produktion: Stephan Holl, Achinette Villamor - Kamera: Christopher Doyle - Schnitt: Carlo Francisco Manatad - Musik: Khavn de la Cruz, Scott Matthew - Verleih: Rapid Eye Movies - Besetzung: Tadanobu Asano, Nathalia Acevedo, Elena Kazan, Andre Puertollano, Vim Nadera
Kinostart (D): 26.03.2015

DVD-Starttermin (D): 30.11.-0001

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt2668150/

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