Hostel 2

(USA 2007; Regie: Eli Roth)

Der Mensch als Ware

Es gibt in der Filmgeschichte nicht viele Beispiele für Sequels, die ihre Vorgänger qualitativ zu übertrumpfen schafften. Eli Roth hat mit dem zwei Jahre später vorgelegten Nachfolger seiner Torture-Porn-Burleske ein solches Kunststück vollbracht. Vermutlich liegt es daran, dass das Drehbuch diesmal die Story wesentlich origineller zu dehnen versteht, indem man sich nicht einzig auf das nunmehr weibliche Kanonenfutter konzentriert, sondern die innere Struktur der Mordorganisation Elite Hunting samt ihrer Kundenschar miteinbezieht.

So stehen nicht nur die drei amerikanischen Kunststudentinnen Whitney (Bijou Phillips), Beth (Laura German) und Lorna (Heather Matarazzo), quasi die Pendants zu den männlichen Protagonisten aus „Hostel‘, die es durch die Geschicke eines auf sie angesetzten Models zum Partyurlaub in die slowakische Provinz verschlägt, im Mittelpunkt der Geschichte, sondern auch gleichberechtigt ihre zukünftigen Peiniger Stuart (Roger Bart) und Todd (Richard Burgi), deren Weg vom Vertragsabschluss, der Initiation durch ein tätowiertes Symbol bis zur Anreise samt Hotelunterbringung mitverfolgt wird. Baute der Vorgänger seine Schockmomente eher auf das Unwissen der Figuren, sich inmitten der waldumzäumten Fremde mit einer straff organisierten Folter-Organisation, dem Anderen in der Fremde, konfrontiert sehen mussten, deren innere Verfasstheit indes undurchsichtig blieb, weil ihre bloße Präsenz den Schrecken evozierte, so spielt „Hostel 2′ viel stärker mit diesem Vorwissen des Zuschauers. Auf der einen Seite ist bereits mit der Ankunft der Protagonistinnen alles und jeder verdächtig, auf der anderen Seite wird dieser Verdacht auch erhärtet, weil Roth sich nun die Zeit nimmt, nicht nur in Gestalt Stuarts und Todds, den funktionalen Ablauf des Apparats zu erläutern und so mit den Mitteln der Suspense die unvermeidlich absehbar leidtragenden Figuren dem Zuschauer näher zu bringen.

Die Gewalt der zweiten Hälfte ist immer noch drastisch und unschön anzusehen, aber gar nicht mehr selbstverliebt cartoonesk dem Überbietungsmodus verhaftet, wie er beim Vorläufer spätestens im völlig hektischen Finale eintrat. Sie erscheint eher dekadent, morbide und durch den sexualisierten Subtext (die Blutdusche oder die finale Kastration) wesentlich stärker an ihrer Konnotation als ungebremster bzw. ungefilterter Ausdruck von Machtverhältnissen interessiert, der wiederum im Sinne einer kapitalistischen Verwertungslogik so ungefiltert gar nicht stattfinden kann. Denn das Geschäft will zunächst abgewickelt, der Vertrag eingehalten werden. Nicht ohne Grund verkehren sich die Motivationen der zwei amerikanischen Folter-Touristen, wenn das Großmaul Todd plötzlich gehemmt, der einst zweifelnde, introvertierte Stuart umso sadistischer auf ihre Opfer reagieren.

Die Lust an der Zerstörung des Körpers wird hier also zweierlei verwaltet: Es braucht zunächst Beschaffung, Abwicklung und Bereitstellung der Ware (Roth hält in einer wirklich grimmigen Montage die Ersteigerung der noch ahnungslosen Mädchen von einer durch und durch bösbanalen Kundenschaft fest), dann aber eben auch einer entsprechenden psychischen Disposition, um der Phantasie Taten folgen zu lassen (auch hier ist der zeitlupengedehnte Marsch der beiden Mörder in spe zu den Zellen ihrer Opfer, ihr mimischer Kampf zwischen Entscheidungszwang, Beklemmung und insgeheimer Vorfreude, bevor sich die Türen der Folterkammern öffnen werden, voll bedrückender Tragik und Ekel zugleich, zumal sich Täter und Opfer zuvor bereits auf einem Stadtfest begegneten). Diese Disposition ist im Preis jedoch nicht inbegriffen. Wer den Job nicht vertragsgerecht erfüllt, ist selbst nur noch Fleisch, als Kunde untauglich und wird, wie der letztlich doch zu ängstliche Todd, infolgedessen entsorgt.

Dieser Teil könnte als ziemlich platt geratene Kapitalismusparabel zu den Akten gelegt werden, aber auch hier wird das Spiel mit den Erwartungshaltungen fortgesetzt. Denn die Entanonymisierung der Opfer führt nicht zu ihrer erhofften Rettung, sondern bildet vielmehr den Triebmotor der Attraktivität der Gewalt, die spätestens an dieser Stelle als Demonstration sexueller Omnipotenz manifest wird. Die Degeneration bleibt nicht allein an der Grenzüberschreitung einer moralischen Hemmschwelle stehen, an der alles, eben auch die Verfügbarkeit über den Körper, verwertet werden kann, sondern setzt sich buchstäblich im Versuch der körperlichen Zurichtung und Unterwerfung des “anderen” Geschlechts fort. Wenn sich also Stuart nach der versuchten Vergewaltigung Beths schließlich selbst auf dem Folterstuhl wiederfindet, nach der für Beth erfolgreich verlaufenden Verhandlung mit dem Gründer von Elite-Hunting schließlich selbst Opfer der ihm zuvor zuspielenden Ökonomie wird, dann kann seine finale Kastration eben auch als geschlechtsidentitäre Neutralisierung seiner Macht aufgefasst werden, der die ökonomische vorausging. Das mag den Genderdiskurs nicht neu ins Rollen bringen, aber der Film scheint seine gewalttätigen Bilder doch wesentlich differenzierter zu reflektieren, als es noch sein Vorgänger vermochte.

Benotung des Films :

Sven Jachmann
Hostel 2
(Hostel Part II)
USA 2007 - 93 min.
Regie: Eli Roth - Drehbuch: Eli Roth - Produktion: Eli Roth, Cris Briggs, Mike Fleiss - Kamera: Milan Chadima - Schnitt: George Folsey Jr., Brad E. Wilhite - Musik: Nathan Barr - Verleih: Sony Pictures - FSK: ab 18 Jahren - Besetzung: Lauren German, Roger Bart, Heather Matarazzo, Bijou Phillips, Richard Burgi, Vera Jordanova, Jay Hernandez, Jordan Ladd, Edwige Fenech
Kinostart (D): 14.06.2007

DVD-Starttermin (D): 08.11.2007

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt0498353/
Foto: © Sony Pictures

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