Five Ways to Dario

(D / AR / MEX 2010; Regie: Dario Aguirre)

Ich bin eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu!

Dario Aguirres Geschichte beginnt Ende der 1990er Jahre, als er sich in eine Deutsche verliebt und ihretwegen sein Geburtsland Ecuador verlässt, um künftig in der Heimat seiner Freundin zu leben. Trotz aller intensiven Bemühungen, sich anzupassen, fühlt sich der Filmemacher auch nach mehr als zehn Jahren in seiner Wahlheimat wie ein Fremder. Das Fremd-sein ist Teil seiner Identität geworden. Er wird das Gefühl nicht los, dass es mehrere Darios in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen gibt: beispielsweise den stets gestressten ecuadorianischen Dario in Deutschland und den deutschen Dario, der nur mit gemischten Gefühlen nach Südamerika reist.

Wer ist er wirklich? Wer will er sein? Um diese Fragen beantworten zu können, um zu sich selbst zu finden, muss er erst einmal weggehen. Er googelt seinen Namen und stellt fest, dass es hunderte von Männern auf der ganzen Welt gibt, die so heißen wie er. Er schreibt einigen seiner Namensvettern Briefe und E-Mails. Fünf antworten ihm und laden ihn zu sich nach Hause ein. Er begibt sich also auf eine Reise um die halbe Welt und besucht die Menschen, die alle seinen Namen tragen. Für zwei Monate darf der Filmemacher an fünf verschiedenen Leben von anderen Darios teilhaben und wird dabei selbst mit neuen Situationen und Herausforderungen konfrontiert, die es für ihn zu meistern gilt.

Durch die Namensverwandtschaft öffnen sich dem Reisenden Türen zu fünf völlig unterschiedlichen Männern und ihren Lebensläufen. Er trifft einen Psychologen in Mexiko, einen taxifahrenden Rentner in der Vorstadt von Buenos Aires, einen Soldaten in Patagonien, einen Maler in der argentinischen Provinzstadt Córdoba und einen Fußballer, der werdender Vater ist, auf Feuerland.

„Five Ways to Dario“ beschreibt eine Bewegung des Protagonisten ins Mögliche – deswegen hat der Film eine gewisse Affinität zu einem Roadmovie. Auf seinem Weg, der als Reise ins Ungewisse begann, findet der Reisende zu sich selbst. Aber nicht nur er: Allen Dario Aguirres, denen man im Film begegnet, bedeuten die Begegnungen eine Bereicherung. Für sie ist der Namensvetter ein Vertrauter, fast wie ein bislang unbekannter Verwandter. Auch ihnen helfen seine Besuche, sich selbst besser zu verstehen oder zumindest Momente des Glücks und der Zufriedenheit in einer von Unsicherheit geprägten Lebensphase zu finden.
Der Reisende wiederum lernt, seine eigene Vergangenheit zu akzeptieren. Er fragt sich nicht mehr, welchen Lauf sein Leben genommen hätte, wenn er in Lateinamerika geblieben wäre. Dies stärkt auch seine Beziehung zu seiner deutschen Freundin. Einem Happy End steht nun nichts mehr im Weg.

„Five Ways to Dario“ ist sowohl eine sehr persönliche Arbeit als auch „typisch lateinamerikanisch“: Die Identitätsfrage, sowohl in persönlicher, nationaler wie auch kontinentaler Hinsicht, ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts ein zentraler Bestandteil der intellektuellen Diskussion der lateinamerikanischen Länder. Sie hat sich einerseits in einem umfangreichen essayistischen Schrifttum niedergeschlagen, andererseits bildet sie einen wichtigen Impuls des modernen lateinamerikanischen Romans, wie auch für zahlreiche Filme aus verschiedenen Ländern des Subkontinents.

Wie der vorherige Film von Dario Aguirre, „Césars Grill“ (2013), ist auch „Five Ways to Dario“ ein berührendes und gleichzeitig amüsantes Werk. Ein Thema mit existentialistischer Note wird mit leichter Hand und mit der Neigung zum Spielerischen – sichtbar etwa in den immer wieder eingestreuten Animationen – verhandelt. Es wird stringent erzählt, die Beobachtungen verlieren sich niemals im Banalen oder Belanglosen (wie es etwa bei dem Bonusmaterial des Films, den „deleted scenes“ der Fall ist). Die Ausgangssituation des Films ist allerdings nicht ganz so originell. Auch in anderen Dokumentationen wurde Dario Aguirres Experiment in ähnlicher Form bereits durchgeführt – zu nennen sei etwa Alan Berliners „The Sweetest Sound“ (USA 2001). Dennoch ist der bei „Real Fiction“ auf DVD veröffentlichte „Five Ways to Dario“ interessant und sehr sehenswert.

Benotung des Films :

Sven Pötting
Five Ways to Dario
Deutschland / Argentinien / Mexiko 2010 - 80 min.
Regie: Dario Aguirre - Drehbuch: Dario Aguirre - Produktion: Christiane Büchner, Tobias Büchner - Kamera: Marcel Reategui - Schnitt: Dario Aguirre, Nina von Guttenberg, Rosa Baches - Musik: Sven Kacirek - Verleih: Büchner Film - FSK: ohne Altersbeschränkung - Besetzung:
Kinostart (D): 06.10.2010

DVD-Starttermin (D): 13.02.2015

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt1531669/

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