Black Brown White

(A 2011; Regie: Erwin Wagenhofer)

Helfende Bilder

Ein Fluchthelfer- resp. Menschenhändlerfilm, der sich auf wenige Darsteller konzentriert und damit in der Lage ist, vom Geschäft zur Empathie zu kommen. Genauer: Trucker Don Pedro transportiert wöchentlich ukrainischen Knoblauch via Spanien nach Marokko. Dort wird er umverpackt und kommt als marokkanischer oder spanischer Knoblauch zu uns. Außerdem kauern sich auf der Rückfahrt ein Dutzend Schwarze im doppelten Boden zusammen. Die Zuladung bringt Geld. Den Geschäftsbetrieb stört eine Schwarze mit ausgeprägtem Durchsetzungswillen, die sich weigert, in den doppelten Boden zu kriechen. Sie nimmt mit ihrem vierjährigen Kind im Führerhaus Platz.

Das Roadmovie nimmt sich Zeit, aus der unwillkommenen Nähe etwas anderes zu machen, nämlich Gefühle füreinander – bis zum wenig überraschenden Ende. Währenddessen sehen wir Bilder, eindrucksvoll fotografiert von Martin Geschlacht. Landschaften, ungestört durch Action und harte Schnitte. Wie nebenbei kriegen wir einiges über das Leben der Trucker mit: lonesome cowboys unserer Tage. Soweit funktioniert der Spielfilm aufs beste als dokumentarisch anmutende Beschreibung und kontrastierendes Kammerspiel.

Meine Schwierigkeit habe ich mit den Dialogen, für die Regisseur Erwin Wagenhofer, der renommierte Dokumentarfilmer (We Feed the World'), ebenfalls verantwortlich ist. Sie tragen gewichtig ihre (stets korrekte) Botschaft vor sich her und wollen abgenickt werden. Die Folge ist, dass selbst gestandene Schauspieler ein Glaubwürdigkeitsproblem bekommen. 'Dicke Hintern sind beautiful', hören wir urplötzlich aufgesagt aus dem Munde der Schwarzen. – Ja, schon gut, und nun wieder etwas ganz anderes: Mutter und Kind werden heimlich in eine riesige Ferienhaussiedlung im neomaurischen Einheitsstil einquartiert. Belehrung: Die Designorgie von Almería sei nicht zum Wohnen, sondern zum Investieren gedacht. – Ah ja, stimmt. Wir dürfen nicken. Doch nicht der belehrende Dialog, sondern die Macht und die Wucht der Kamerabilder machen 'Black Brown White' sehenswert und helfen über dramaturgische Ellipsen hinweg. Warum bleiben die im Truck versteckten Menschen gesichtslos? Warum weiß der Uno-Beamte in Genf nicht, dass sein vierjähriger Sohn ihn mit Mutter besuchen kommt? Vielleicht wäre die Einreise gar kein Problem gewesen? Wie auch immer: Ich denk mir meinen Teil und das ganz ohne Anleitung.

Dieser Text erschien zuerst in: Konkret 11/2011

Black Brown White
(Black Brown White)
Österreich 2011 - 107 min.
Regie: Erwin Wagenhofer - Drehbuch: Erwin Wagenhofer, Cooky Ziesche - Produktion: Helmut Grasser - Kamera: Martin Gschlacht - Schnitt: Paul M. Sedlacek - Musik: Niño Josele - Verleih: NFP - FSK: ab 6 Jahre - Besetzung: Fritz Karl, Clare-Hope Ashitey, Wotan Wilke Möhring, Karl Markovics, Francesc Garrido, Theo Caleb Chapman, Karl Ferdinand Kratzl, Jurij Diez, Juan Manuel Lara Lara
Kinostart (D): 03.11.2011

DVD-Starttermin (D): 30.11.-0001

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt1753503/

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