Big Eyes

(USA 2014; Regie: Tim Burton)

Dekors mit Kulleraugen

Wenn zu Beginn des Films Margaret Ulbrich (Amy Adams), nachdem sie ihren Mann verlassen hat, zusammen mit ihrer kleinen Tochter im Auto davon fährt, wirkt das wie eine Befreiung. Die nordkalifornische Landschaft ist weit und hell und leuchtet in allen Farben, die Luft entlang der Küste in Richtung San Francisco lässt die noch junge Frau spürbar durchatmen. Dabei ist eine alleinerziehende Mutter auf Jobsuche im Jahre 1958 alles andere als selbstverständlich; und Margaret, die sich zunächst als Dekorations- und Porträtmalerin verdingt, wirkt noch unsicher und wenig selbstbewusst. Als sie bald darauf den Charmeur und Schwindler Walter Keane (Christoph Waltz) kennenlernt, der sich als „Sonntagsmaler“ impressionistisch angehauchter Pariser Straßenszenen bezeichnet und sein Geld als Makler verdient, empfindet sie das als „einen Segen“. Und es ist schon bemerkenswert, dass sie ihre kitschige Traumhochzeit auf Hawaii als „paradiesisch“ erlebt.

Tim Burton unternimmt in seinem nach wahren Begebenheiten entstandenen Biopic über Margaret Keane zunächst wenig, um die in den 1960er Jahren äußerst populäre Künstlerin aus ihrem Schattendasein als Ehefrau und Mutter zu befreien. Dabei eröffnet er seinen neuen Film „Big Eyes“ mit einem Blick in die Tiefen jener überdimensional großen Augen, die zu ihrem Markenzeichen geworden sind und die sie einmal als „Fenster zur Seele“ bezeichnet. Zwar beharrt sie darauf, dass ihre Kunst „persönlich“ sei; doch als Walter anfängt, mit cleveren Geschäftsstrategien ihre Bilder unter seinem Namen gewinnbringend zu vermarkten, fügt sie sich mit Unbehagen und einem zunehmenden Gefühl der Gespaltenheit dem männlichen Diktat.

Es muss bei Margaret also irgendwann eine zweite Befreiung erfolgen, die sich sowohl männlicher Unterdrückung und Ausbeutung als auch luxuriösen Wohlbehagens und zunehmender weiblicher Selbstverleugnung erwehrt. Doch bis es so weit ist, plätschert der Film streckenweise vor sich hin und schwelgt dabei in ausnehmend schönen Bildern und fein abgestimmten Dekors, statt das innere Seelendrama der Protagonistin und ihre wahre künstlerische Motivation zu vertiefen. Fast scheint es so, als interessiere sich Tim Burton mehr für den schillernden Blender und Spieler Walter, dessen doppelgesichtiger Größenwahn zunehmend gefährliche, ja fast dämonische Züge annimmt. Daraus entstehen zwar etliche tragikomische Szenen (vor allem am Schluss vor Gericht), die Christoph Waltz gewohnt souverän absolviert. Margaret Keanes künstlerisches Außenseiterdasein im Schatten ihres umtriebigen Mannes wird allerdings kaum erhellt; allenfalls durch ihre zahlreich in Szene gesetzten Bilder, die eine eigene Sprache sprechen, erfährt sie eine gewisse Rehabilitation.

Benotung des Films :

Wolfgang Nierlin
Big Eyes
USA 2014 - 107 min.
Regie: Tim Burton - Drehbuch: Scott Alexander, Larry Karaszewski - Produktion: Scott Alexander, Tim Burton, Brendan Ferguson, Katterli Frauenfelder, Derek Frey, Tommy Harper, Lynette Howell, Larry Karaszewski, Jamie Patricof, Bob Weinstein, Harvey Weinstein - Kamera: Bruno Delbonnel - Schnitt: JC Bond - Musik: Danny Elfman - Verleih: StudioCanal - FSK: ohne Altersbeschränkung - Besetzung: Amy Adams, Krysten Ritter, Christoph Waltz, Jason Schwartzman, Danny Huston, Terence Stamp, Stephanie Bennett, Vanessa Ross, Elisabetta Fantone, Heather Doerksen, Emily Fonda, Jon Polito, Andrew Airlie, Emily Bruhn, Jill Morrison
Kinostart (D): 23.04.2015

DVD-Starttermin (D): 03.09.2015

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt1126590/

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