Auf brennender Erde

(USA / AR 2008; Regie: Guillermo Arriaga)

Geduldspiel

Puzzlefreunden geht es in der Regel ums Puzzeln selbst, nicht um das fertige Bild. Man mag sich als Außenstehender manchmal fragen, warum so ein gelöstes Puzzle dann unbedingt gerahmt an der Wand hängen muss, wenn doch das Motiv nur mäßig beeindruckt. Aber dieses Unverständnis verkennt die Freude am Rätseln und ihre Auswirkungen.

Ein vergleichbares Problem kann man mit Guillermo Arriagas Film „Auf brennender Erde“ haben, der jetzt mit einiger Verspätung in die deutschen Kinos kommt. Bereits seine Drehbücher für Alejandro Gonzáles Iñárritu („Amores Perros“, „21 Grams“ und „Babel“) wiesen den Autoren als großen Freund der Verrätselung aus. Doch während die verschachtelten Erzählebenen jenen Filmen gut zu Gesicht standen, finden viele Rezensenten Arriagas Regiedebüt zu konstruiert, denn eigentlich erzähle es doch eine schlichte, nicht sonderlich originelle und gar nicht mal so schlüssige Geschichte. Das ist nicht falsch. Aber wenn eine Geschichte anders erzählt wird, ist sie immer auch eine andere Geschichte. Und obwohl das Wechseln zwischen den verschiedenen Erzählsträngen und die Verschleierung ihres Verhältnisses zueinander Geheimnisvolleres suggerieren als die Auflösung letztlich bietet, so entwickelt sich doch ein nicht geringer Reiz aus der Anstrengung, die Puzzleteile zu sortieren. Außerdem passt die komplexe Konstruktion gar nicht schlecht zum Erzählten, denn auch die eine oder andere Figur hat ihre Probleme mit dem großen Ganzen – wenngleich „Auf brennender Erde“ nicht als „Mind Movie“ inszeniert ist.

In einem Wohnwagen sind zwei Menschen verbrannt, die eine heimliche Affäre miteinander hatten. Zurück bleiben ihre geschockten Familien in gegenseitiger Abneigung – hier amerikanische Arbeiterklasse, da mexikanische Einwanderer –, bis sich die Kinder plötzlich gegen den Willen des jeweils betrogenen Elternteils füreinander interessieren. Im Rückblick erzählt der Film auch, wie Tochter Mariana (Jennifer Lawrence) der Affäre ihrer Mutter (Kim Basinger) langsam auf die Schliche kommt und zeigt Schlaglichter eines unerfüllten Ehelebens. Dann ist da noch Sylvia (Charlize Theron), deren Rolle in der Geschichte anfangs unklar ist, und die zunächst einen äußerst toughen Eindruck macht: Scheinbar stressresistent leitet sie ein anspruchsvolles Restaurant, und der Koch, mit dem sie eben noch im Bett lag, wird bei der Arbeit kaum mehr eines Blickes gewürdigt. Als Sylvia dann aber auf einer Klippe sitzt, aufs Meer blickt und sich plötzlich mit einem Stein die Innenseite der Oberschenkel aufschlitzt, ist das ein sehr schockierender Moment. Jetzt traut man ihr auch zu, im nächsten Augenblick zu springen, und ahnt, dass unter der Oberfläche sehr viel kaputt ist. Aber warum? Und wer ist der Mann, der sie und ihre sexuellen Eskapaden heimlich beobachtet?

„Auf brennender Erde“ ist ein in seiner abschließenden Versöhnlichkeit fast märchenhafter Film über Schuld, über (natürlich) Liebe und die Narben, die das Leben aus verschiedenen Gründen hinterlässt. Und es ist sein großes Glück, dass seine Schauspielerinnen Charlize Theron, Kim Basinger und Jennifer Lawrence auch recht oberflächliche oder unstimmige Figuren glaubwürdig mit Leben füllen können und jeweils ein paar herausragende Szenen zu spielen haben. Manchmal lassen sie sogar über wirklich eklatante Schwächen des Drehbuchs hinweg sehen, wenn etwa eine Figur, mit ihren Lebenslügen konfrontiert, allen ernstes die Dialogzeile „I can’t run away anymore“ hingeschrieben bekommt. „Auf brennender Erde“ bietet reichlich Gelegenheit, sich über nur halb Gelungenes oder nicht zu Ende Gedachtes zu ärgern. Wenn es aber gelingt, hier und da ein Auge bzw. beide Ohren zuzudrücken, dann gibt es nichts zu bereuen.

Benotung des Films :

Louis Vazquez
Auf brennender Erde
(The Burning Plain)
USA / Argentinien 2008 - 107 min.
Regie: Guillermo Arriaga - Drehbuch: Guillermo Arriaga - Produktion: Laurie McDonald, Walter F. Parkes, Charlize Theron - Kamera: Robert Elswit - Schnitt: Craig Wood - Musik: Hans Zimmer, Omar Rodríguez-Lopéz - Verleih: Capelight - FSK: ab 12 Jahre - Besetzung: Charlize Theron, Kim Basinger, John Corbett, Joaquim de Almeida, Danny Pino, José Maria Yazpik, Jennifer Lawrence, Robin Tunney, Gray Eubank
Kinostart (D): 26.05.2011

DVD-Starttermin (D): 30.11.-0001

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt1068641/

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