Arrival

(USA 2016; Regie: Dennis Villeneuve)

Aliens verstehen? SciFi als Üben im Trüben

Als Titel schlicht, als Chiffre dicht: ‚Arrival‘ meint im gleichnamigen SciFi-Thriller-Puzzle zunächst einmal die von Aliens. Eine Ankunft from space (an zwölf verschiedenen Punkten auf der Erde – der Film spielt großteils in einer Landschaft in Montana, USA) zeitigt prekäre Raumbeziehungen: Wie ein Riesen-Ei schwebt starr ihr schwarzes Schiff, darunter eine labyrinthische Zeltstadt voller Labors, Kriegsgerät und Monitorkonsolen, in der Wissenschaft und Militär um Deutungshoheit und Handlungsmacht bezüglich der Ankömmlinge streiten. Diese laden kleine Gruppen von Menschen zu sich in ihr Schiff, zur täglichen Kurzkonfrontation; das hat etwas von Ritual-Sitzungen wie auch von aufeinander aufbauenden Kurseinheiten.

Drohnenpanorama mit Alien-Ei und Zelt-Festung; alphornhafte (und alptraumhafte) Drone-Sounds in pulsiererendem Musikteppich; humane Abgesandte in orangefarbenen Schutzanzügen, beklommen schwebend im schwarzen Schacht des Schiffs; an einem milchigweißen Sichtfenster – einem der vielen Screens in diesem Film – dann die Begegnungen. Deren kosmische Dimension, samt globalen Massenpanikwirkungen und Armeeaufmärschen, die auf Monitoren mitlaufen, verknüpft der Plot eng mit dem Intimen: Körper- und Bewusstseinsfunktionen, Atmung und Kommunikation, stehen in Fragezeichen – mitunter ebenfalls auf Monitoren, die der Analyse etwa der Sprach-Sound- und Schrift-Patterns der Aliens dienen, und oft in kunstvoll gestalteter Trübung und Unschärfe des Bildes.

‚Arrival‘ ist auch das, was kommt, hat also eine zeitliche Dimension. Zukunft kann Angst machen (für die Militärs sind die Aliens ‚a rival‘), aber trotz und vielleicht gerade in aller Trübung können Orientierung und Verstehen entstehen. Eine Linguistin (packend gespielt von Amy Adams) steht für Öffnung, für Lernwilligkeit wie auch Sich-Aussetzen, als Haltung. Mehr Forschung denn Forschheit. Von Anfang an steht hier in Frage und will gedeutet sein, wessen Ankunft dieser Film erzählt: Sein Ablauf entfaltet ein Motivmuster, eine Beziehung von Traumatik wie auch von deren Umkehrung, um die Geburt und den Verlust eines Kindes. Mut und Wehmut kommen hier zusammen. Das ist rührend – und hier keinesfalls zu spoilern.

Vergleichsfilmtitel drängen sich auf, darunter auch ‚Close Encounters of the Third Kind‘ von 1977. In Spielbergs Psychodrama in Sachen Alien-Kontaktaufnahme und Sprachfindung führte das Abdriften eines Familienvaters in den Wahnsinn schlussendlich zum Spektakel einer Licht- und Sound-Orgel und weiter in die halb regressive, halb archivarische Wunscherfüllungsfantasie einer Rückerstattung verlorener Kindheit in Form eines leuchtend weißen Buben-Idylls. In ‚Arrival‘ dagegen steht eine Mutter im Zentrum, deren vernunftdurchdrungene Entschlossenheit sie zu Wagnissen und zu Eintritten in dunkle Szenarien befähigt, die aus einer Ökonomie der Sicherheits- bzw. Glücksmaximierung heraus als abwegig erscheinen.

‚Arrival‘ versprüht ein Ethos der Einübung in Zukunft als Risiko – und tut das in einer arrivierten Form: Regisseur Denis Villeneuve (aus Kanada, nunmehr Hoffnungsland vieler Ankömmlinge, die vor Trump flüchten wollen) ist eine sichere Bank für philosophierfreudige Genrekino-Variationen. Eine Forscherin unter martialischen Männern wie in ‚Sicario‘, ein Mindgame, in dem alles an seinen Platz kommt wie in ‚Incendies – Die Frau, die singt‘ oder ‚Prisoners‘: Faszination hat hier den Preis einer gewissen Betulichkeit, aber sie stellt sich ein. Und das kommt gut.

Arrival
(Arrival)
USA 2016 - 116 min.
Regie: Dennis Villeneuve - Drehbuch: Ted Chiang, Eric Heisserer - Produktion: Shawn Levy, David Linde, Karen Lunder, Aaron Ryder - Kamera: Bradford Young - Schnitt: Joe Walker - Musik: Jóhann Jóhannsson - Verleih: Sony Pictures - FSK: ab 12 Jahren - Besetzung: Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker, Michael Stuhlbarg, Mark O'Brien, Tzi Ma, Julian Casey
Kinostart (D): 24.11.2016

DVD-Starttermin (D): 27.03.2017

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt2543164/
Foto: © Sony Pictures

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