Apollo 18

(USA 2011; Regie: Gonzalo López-Gallego)

Mooncrap

Es gibt aberdutzende Evergreens in der Science Fiction. Zu ihnen zählt, dass man 1. den Regierungen nicht trauen und 2. dem Mond besser fern bleiben sollte. Dies lehrte im letzten Jahr gerade erst wieder „Moon“ von Duncan Jones. Legionen an Verschwörungstheoretikern wissen es bereits seit über 40 Jahren noch weitaus genauer: Jedes Bild, das uns vom Mond aus erreichte, stamme in Wirklichkeit aus amerikanischen Filmstudios. Weil sich aus solch pathologischer Perspektive die Wahrheit nur ohne Gatekeeper verbreiten kann, schmuggelt sie „Apollo 18“ mit Blick auf jene Mondfahrtszweifler ziemlich link als found footage ans Tageslicht. Worin sich der Witz dieser Mockumentary leider schon erschöpft. 40 Stunden angeblich von der US-Regierung unterschlagenen Materials wurden zu einem 90-minütigen Erkundungsmarsch auf der Mondoberfläche destilliert.

Zu sehen sind verschmutzte Aufnahmen des geheimgehaltenen Flugs der Apollo 18 auf den Mond aus dem Jahr 1974, ein Mix aus Bord- und Super 8-Handkameras, die von den drei teilnehmenden Astronauten bedient wurden. Die Kombination aus statischen und dynamischen Bildern gleicht also der aus „Paranormal Activity“; der fremde, dunkle und unübersichtliche Raum entspricht dem Wald aus „The Blair Witch Project“. Der erzählerische Reiz des gefundenen Materials in „Apollo 18“, dessen Autorenschaft unbekannt bleibt und das konzeptionell ein Ende mit Schrecken verspricht, besteht im Arrangement vorausgegangener Settings, angereichert mit dezent ironischen Verweisen auf weitere Filme, die den Mondbesteigungen lebensbedrohliche Risiken andichteten.

Verloren im All stößt man auf eine unbekannte Gefahr, die das Wettrüsten unten auf der Erde schnell vergessen lässt. Gegenstände verschwinden, Gesteinsproben befinden sich am falschen Platz, man entdeckt fremde Fußspuren, dann eine unbemannte russische Raumkapsel und schließlich den ersten Leichnam. Weil Regisseur Gonzalo López-Gallego (der in Spanien einige bemerkenswerte Mysteryerzählungen inszenierte, von denen bislang lediglich „King of the Hill“ (2006) in Deutschland erhältlich ist) in seinem ersten amerikanischen Film einerseits einzig auf die Prämisse der medialen Unordnung des Filmmaterials setzt, andererseits die klaustrophobische Isolation im stillen Weltraum zugunsten einer zigfach erprobten Bedrohungsdramaturgie opfert, gedeiht der Schrecken mühselig.

Ist die bösartige Alienfront, die den Mond – in zugegeben sehr unkonventioneller physischer Gestalt – längst besiedelt hat, erst einmal identifiziert und lokalisiert, beginnt die Kamera äußerst lax auf ihre found footage-Prinzipien zu achten; urplötzlich nimmt sie alles so wahr, wie es der Schock, nicht ihre erzählerische Logik verlangt und diese Lustlosigkeit, der eigenen Agenda überhaupt zu vertrauen, überträgt sich peu à peu auf den Plot. Alles neigt zur Asymmetrie: Dem teils geradezu melancholischen Kammerspiel mit sarkastischem Hau der ersten Hälfte steht eine nicht nur mondbedingt retardierte Hetzjagd übers im blauen Schimmer gefasste Geröll entgegen. Die letzte Möglichkeit zur Flucht muss als Umweg sogar den Zwei Personen-Showdown nehmen: Alles Fremde personifiziert sich im vertrauten Anblick eines mehr oder weniger besessenen Astronauten. Von da an ruft die Schlusspointe nur noch ins Gedächtnis, wie viele Ideen nach wie vor auf dem Mond begraben liegen könnten.

Benotung des Films :

Sven Jachmann
Apollo 18
(Apollo 18)
USA 2011 - 86 min.
Regie: Gonzalo López-Gallego - Drehbuch: Cory Goodman, Brian Miller - Produktion: Timur Bekmambetow, Michele Wolkoff - Kamera: José David Montero - Schnitt: Patrick Lussier - Verleih: Senator - FSK: ab 16 Jahre - Besetzung: Erica Carroll, Ryan Robbins, Ali Liebert, Andrew Airlie, Lloyd Owen, Michael Kopsa, Kurt Max Runte
Kinostart (D): 13.10.2011

DVD-Starttermin (D): 30.11.-0001

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt1772240/

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