Alleluia – Ein mörderisches Paar

(B/F 2014; Regie: Fabrice du Welz)

Owner of a Lonely Heart

Unter der Schädeldecke werkeln Probleme an neuen Projekten. Rasende Kopfschmerzen, die von einer heftigen Kopfverletzung herrühren, zwingen Michel Bellmer in die Knie – und in die offenen Arme der einsamen Gloria, die dem Heiratsschwindler nach einer gemeinsamer Liebesnacht ihr Herz und auch ihr Gespartes schenkt, aber er hat’s doch so schwer, der Versehrte. Ein Auftakt wie ein Einspieler aus „Vorsicht Falle“, dessen Untertitel „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“ zum geflügelten Wort geronnen ist und auch stets Typen wie Michel Bellmer mitdachte, wenn Ede Zimmermann mit erhobenem Zeigefinger in der markigen Stimme warnte und mahnte, doch es war eine einzige Sisyphusarbeit angesichts der geballten Gutgläubigkeit in der Welt.

Ganz so monokausal gerät Gloria nicht in die Fänge des Ladykillers, vielmehr klammert sich die alleinerziehende Mutter an das plötzliche Glück der wiederaufflammenden Fleischeslust, einnehmend illustriert in einer ebenso bizarren wie feurigen Traumsequenz. Doch das Geld des ungleichen Pärchens ist knapp, die Frauenwelt willig und Michel durchaus begnadet in seiner selbstgewählten Profession. Wäre da nur nicht Glorias rasch anschwellende Eifersucht, die sie bei jedem Liebesschwur Michels oder Blowjobs der neuen Auserwählten zur Furie werden lässt und auch vor dem Äußersten nicht zurückschreckt.

Eine altbekannte wie auch wahre Geschichte, die „Alleluia“ zu Grunde liegt, die Moritat von Martha Beck und Raymond Fernandez, bekannt und berüchtigt als die „Lonely Hearts Killers“, bereits einmal vom Underground in „The Honeymoon Killers“, einmal von Hollywood mit John Travolta, Salma Hayek und Jared Leto, sowie einmal im internationalen Arthousekinokontext („Profundo carmesí“ von Arturo Ripstein) mit wechselndem Erfolg verfilmt. Anders als das stargespickte Hollywood-Remake, das die polizeilichen Ermittlungen in den Mittelpunkt stellte, konzentriert sich der belgische Regisseur Fabrice du Welz ausschließlich auf das Killerpärchen und die Binnenbefindlichkeiten des fragilen Gespanns, die unweigerlich auf eine finale Katastrophe hinzusteuern.

Doch anders als du Welz vorheriger Film „Vinyan“, der sich Motiven des spanischen Kulthorrors „Ein Kind zu töten“ bediente und den ein undurchdringliches Geheimnis umrankte, verläuft „Alleluia“ ziemlich straight und leider mit zunehmender Spieldauer auch leidlich flach. Originelle Regieeinfälle wie die plötzliche Gesangseinlage Glorias nach der Waschung der ersten Leiche (!) und fiebrige Barszenen durchkreuzen nur höchst selten die ansonsten erstaunlich biedere Inszenierung, die sich augenscheinlich nicht zwischen Charakterstudie – für die sie zu wenig Profil besitzt – und Psychohorror – der bis auf das fiese Finale mit sichtlich gebremstem Schaum daherkommt – entscheiden kann. Während Laurent Lucas überhaupt keine Entwicklung seiner sinistren Figur zugestanden wird, darf zwar Almódovar-Regular Lola Dueñas groß auftrumpfen, doch ihre Performance prallt am bräsigen Rest leider wirkungslos wieder ab.

Benotung des Films :

Carsten Happe
Alleluia – Ein mörderisches Paar
(Alléluia)
Belgien/Frankreich 2014 - 93 min.
Regie: Fabrice du Welz - Drehbuch: Fabrice du Welz, Vincent Tavier - Kamera: Manuel Dacosse - Schnitt: Anne-Laure Guégan - Musik: Vincent Cahay - Verleih: Pierrot Le Fou - FSK: ab 16 Jahre - Besetzung: Lola Dueñas, Laurent Lucas, Hélèna Noguerra, Édith Le Merdy, Anne-Marie Loop, Pili Groyne, Stephanie Bissot
Kinostart (D): 30.11.-0001

DVD-Starttermin (D): 16.10.2015

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt3218580/
Link zum Verleih: www.publicinsight.de

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