Affenkönig

(D 2016; Regie: Oliver Rihs)

Posterprinz

Wolfi alias „Affenkönig“ lädt seine drei alten Schulfreunde zu seinem 45. Geburtstag auf seinen Landsitz in die Provence ein. 20 Jahre haben sich die Vier nicht gesehen, und jetzt rückt jeder von ihnen mitsamt Anhang an. Der gestresste Politiker Viktor kommt zusammen mit seiner schwangeren Freundin, Musiker Martin hat seinen pubertierenden Sohn dabei, und Hausmann Ralph leidet schon am Flughafen unter Frau und Tochter, die sich in Hormonschwankungen gegenseitig toppen. Vorfreude ist allen anzumerken, als sie anreisen, und jeder ist gespannt, was ein Aufeinandertreffen nach so langer Zeit mit sich bringt.

Diese Spannung hält sich auch beim Zuschauer noch über die ersten 15 Minuten, in denen sommerliche Landschaftsaufnahmen von Südfrankreich und gekonnt angerissene Charaktere Lust auf mehr machen. Doch anstatt sich sorgfältig weiter auf die Psychologie der Figuren zu konzentrieren, verfällt Filmemacher Oliver Rihs in unkoordinierten Aktionismus. Er lässt nackte Schönheiten miteinander Tischtennis-Spielen, Musiker Martin einen Strauß jagen oder die Männer in Reizwäsche einen Berggipfel hochradeln: was die unterschwellig spürbare Midlife-Crisis der Geburtstagsgäste so richtig schön zum Explodieren bringen könnte, mündet in einer Aneinanderreihung von Blindgängern. Daran kann auch das gut besetzte Schauspielensemble (u. a. Samuel Finzi, Oliver Korittke) nichts ändern, das sich redlich mit einem schlechten Drehbuch abmüht. Dieses enthält teilweise unterirdisch schlechte Dialogzeilen wie „Was ist denn mit deiner Nudel los, ist die nicht ganz al dente?“, mit der Wolfi wissen will, warum Ralphs Ehefrau einen Wutausbruch bekommt. Mit seinem Humor greift Regisseur Rihs in die Schublade „deftig und unter der Gürtellinie“. Doch was bei US-Komödien wie „Kindsköpfe“ oder „Hangover“, die ihre Mittvierziger-Helden ebenfalls auf Spaßtour schicken, hervorragend gelingt, endet bei „Affenkönig“ in einer Aneinanderreihung von Peinlichkeiten. Ob Wettrülpsen am Tisch oder ein beherzter Griff in den Po des Freundes, damit dieser beim Gruppensex eine Erektion bekommt – man mag kaum hinsehen vor lauter Fremdscham. Selbst „Borat“ wirkt dagegen wie Prince Charming.

„Affenkönig“ fehlt nicht nur eine Sympathie für die Figuren, die durchgehend schablonenhaft bleiben, sondern auch ein Gespür für das richtige Gag-Timing. 100 Minuten später, nachdem gefühlt jeder mit jedem im französischen Chalet Sex hatte, kann man nur noch müde mit der Wimper zucken. Ach „Affenkönig“, wärest du nur ein Filmplakat geblieben, denn das ist – zugegeben – richtig originell!

Benotung des Films :

Julia Olbrich
Affenkönig
(Affenkönig)
Deutschland 2016 - 98 min.
Regie: Oliver Rihs - Drehbuch: Oliver Rihs, Michael Sauter, Thomas Ritter, Thomas Hess - Produktion: Jan Krüger, René Römert - Kamera: Martin Schlecht - Schnitt: Andreas Radtke - Musik: Beat Solèr - Verleih: Port au Prince Pictures GmbH - FSK: ab 16 Jahren - Besetzung: Tijan Marei, Hans-Jochen Wagner, Samuel Finzi, Oliver Korittke, Marc Hosemann, Jule Böwe
Kinostart (D): 13.10.2016

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt5841964/
Foto: © Port au Prince Pictures GmbH

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